Mit dem VLE bringt Mercedes-Benz Vans sein erstes Modell auf einer neuen, flexiblen Van-Architektur an den Start. Der Großraumkombi startete als Stromer, eignet sich aber auch für Verbrenner, die später folgen. 2027 will Mercedes mit dem VLS einen noch luxuriöseren Van auflegen. Geschäftsführer Thomas Klein spricht über Marktstrategie, Zielgruppen und warum der VLS in China anders wahrgenommen wird als in Deutschland.
Herr Klein, mit VLE und VLS positionieren Sie den Van deutlich höherwertig als die bisherige V-Klasse. Ist das eine bewusste Abkehr vom klassischen Großraum-Van hin zur Luxuslimousine mit Schiebetür?
T. Klein: Es ist vor allem eine klare Neupositionierung. Wir differenzieren künftig sehr deutlich zwischen privat genutzten Vans und kommerziellen Varianten. Der VLE ist unsere "Grand Limousine". Der VLS wird noch weiter gehen und sich in bestimmten Märkten klar an Kunden mit höchsten Ansprüchen richten, die mehr Raum und eine ausgeprägte Fondorientierung wünschen. Gerade in China sehen wir dafür enormes Potenzial. Das Feedback von Händlern und Kunden ist sehr positiv. Dort wird ein Fahrzeug wie der VLS nicht als Alternative zur V-Klasse gesehen, sondern als eigenständiges Premium-Produkt mit ganz eigenem Anspruch. Wir sprechen hier über neue Kundensegmente und Zielgruppen, die vor allem eine hohe Variabilität schätzen oder eine dritte Sitzreihe benötigen – bei gleichzeitig maximalem Komfort. Deshalb messen wir die Zukunft von VLE und VLS auch nicht am bisherigen Erfolg der V-Klasse. Das sind unterschiedliche Kapitel. Der VLE und VLS definieren die nächste Generation des Segments als vollelektrische Varianten, während die bewährte V-Klasse als Verbrenner zunächst im Programm bleibt.
Bedeutet diese Aufwertung, dass preisbewusstere Kunden künftig außen vor bleiben?
A: Nein, ganz bewusst nicht. Der VLE kommt in Deutschland etwas später auch mit der kleineren Batterie auf den Markt. Mit einem Einstiegspreis von knapp 68.000 Euro liegt der vollelektrische VLE damit nur moderat über der heutigen V-Klasse. Das war uns wichtig, um die bestehende Kundschaft mitzunehmen. Gleichzeitig bleibt Variabilität ein Kernversprechen. Es wird weiterhin Dreierbänke geben, Stoffoptionen und klassische Konfigurationen für größere Familien. Auch Shuttle-Betreiber oder Business-Kunden finden im VLE passende Varianten. Wir erweitern das Portfolio nach oben, ohne die Breite aufzugeben. Für gewerbliche Kunden bleiben zudem etablierte Modelle wie der Vito zunächst weiter im Programm. Und perspektivisch werden auch die kommerziellen Vans auf der neuen Architektur folgen, allerdings klar getrennt positioniert und speziell auf die Bedürfnisse dieser Kunden ausgerichtet.
Welche Rolle spielen internationale Märkte bei der Entwicklung, insbesondere China und die USA?
A: Eine sehr große. Wir bauen den VLE in Vitoria in Spanien und für den chinesischen Markt zusätzlich in Fuzhou. Damit stellen wir sicher, dass wir regionale Anforderungen gezielt bedienen können. China ist für uns ein Schlüsselmarkt, vor allem für den VLS und klarer Fokussierung auf den Fond. Dort werden Ausstattungsdetails besonders aufmerksam wahrgenommen, von erweiterten Komfortfunktionen bis hin zu spezifischen Lösungen im Innenraum. Der Anspruch der Kunden ist hoch, aber das Marktpotenzial ebenfalls. Die USA werden wir von Europa beliefern. Auch dort sehen wir Kunden, die Raum, Markenprestige und Komfort kombinieren möchten. Der Van wird zunehmend als Alternative zu großen SUVs verstanden. Für uns ist das strategisch entscheidend. Der Van war lange stark europäisch geprägt. Mit VLE und VLS wollen wir ihn international als eigenständige Premium-Kategorie etablieren. Es geht nicht nur um ein neues Modell, sondern um eine neue Wahrnehmung des Segments, global gedacht, klar positioniert und mit dem Anspruch, in unterschiedlichen Märkten mit dem richtigen Angebot jeweils die passende Rolle zu spielen.