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Ausgabe 08/2019

Ein sehr eigenes Gewächs

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© AUTOFLOTTE

Die Welt blickt auf die Individualisten. Mit einem Focus aufzufallen ist nur einfach, wenn ein RS-Signet ihn adelt. Der ST bekommt mehr Power, viel Handling-Technik und einen attraktiven Preis. Also: Gas geben.

Bitte in Orange. Und bitte stets im Sport-Modus. Die erste Reaktion auf die neue dynamische Spitze im Focus-Team könnte schnell so ausfallen. Der ST ist seit Juli (ab 26.807 Euro 5-Türer, ab 27.815 Euro Kombi) mit neuem serienmäßigen Sport-Fahrwerk (10 Millimeter tiefer), mehr Fahrmodi und natürlich mehr Power zu haben. Bis zum RS ist es zwar noch etwas Luft und Allrad hat er auch nicht, aber auch optisch sticht das Eigengewächs hervor.

Der Kraftprotz ist der 2,3-Liter-Eco-Boost-Turbo-Benziner, der aus mehr Hubraum (vorher 2,0 Liter), 30 Extra-PS und 60 Extra-Nm draufpackt, was ihm 280 PS und maximal 420 Newtonmeter Drehmoment auf den Hatchback-Body bringt und diesen binnen 5,7 Sekunden auf Tempo 100 schnellen lässt.

Im verführerischen Orange steht die Schrägheckversion zur Testrunde parat und als erstes bekommt der rechte Daumen etwas zu tun. Der Fahrmodi-Schalter auf der rechten Lenkradwippe kennt vier Szenarien - wovon die krawallige "Rennstrecke" mit dem Performance Paket (1.008 Euro) dazukommt. Neben "Normal" findet sich hier auch "Sport" wieder - im Hintergrund verändert die Elektronik das Ansprechverhalten des Gaspedals und der Servolenkung, das ESP (radselektiver Eingriff), das elektronische Sperrdifferenzial und die elektronische Dämpfer-Regelung (CCD, Serie beim Benziner).

Mehr Diesel-PS gab es nie

Was nach viel Techniktheorie klingt, fährt sich extrem agil. Der Soundgenerator sorgt für Rennsport-Feeling. Dank des straffen Fahrwerks, den leicht verkürzten Schaltwegen des Sechsgangschalters - beim Benziner kommt zusätzlich die Drehzahl-Anpassung dazu - und dem Power-Paket unter der Haube ist der Kölner aus dem Saarland (gebaut in Saarlouis) kaum zu halten. Zumal er mit wenig Drehoment auskommt und bis zu 6.000 Umdrehungen für Zug sorgt. Das wäre alles verschenkt, wenn nicht die Lenkung so präzise wäre, dass der Kompakte zum wahren Kurvenräuber mutiert. Kurze Lenkbefehle reichen als Impulsgeber für die Vorder- und Hinterachse aus; Ford spricht von einem um 20 Prozent agileren Einlenkverhalten gegenüber dem Focus, die mit technischer Raffinesse (unter anderem Multilink-Hinterachse) dem ST abgerungen wurden.

Das ganze Paket funktioniert auch beim Kombi - und zwar selbst in Kombination mit dem Selbstzünder, der laut Ford rund 30 Prozent der Käufer erreichen soll. Mit 190 PS fällt der Kraftzuwachs von fünf PS zum Vorgänger moderat aus, aber mehr Pferdestärken trieben noch keinen Focus-Diesel an. Seine Kraftreserven spielt er gerade dann aus, wenn er aus dem Drehzahlkeller kommt. Bei 1.500 Umdrehungen liegen bereits 360 Nm von den maximal 400 Nm an. Sodass man beim Zirkeln durch die Serpentinen und die engen Gässchen auf der Teststrecke schnell die Dimensionen des Kombis vergisst (Länge: 4,67 m, 5-Türer: 4,39 m). Nur an Steigungen verliert der 1.543 Kilogramm schwere Turnier schnell an Schwung. Gang zurück also. Ab Herbst übernimmt die 7-Gang-Automatik, allerdings nicht für den Selbstzünder.

Gute Mittellage

Trotz gleichem Radstand fällt das Poltern beim Passieren der Tempo-30-Schwellen in der Limousine deutlicher aus als beim Turnier. Insgesamt ist das Fahrwerk straff abgestimmt - um 20 Prozent steifer an der Vorderachse, um 13 Prozent an der Hinterachse als bisher. Die passenden Recaro-Sitze bieten den nötigen Seitenhalt und sind zumindest nach 200 Fahr-Kilometern noch nicht ganz aus dem Rennen, ob sie wirklich für die Langstrecke taugen. Sie sind weder zu weich noch zu hart. Gute Mittellage.

Das gilt auch für die Bremsen. Zwar stecken die Kölner größere Scheiben auf (vorn 330 Millimeter Durchmesser, hinten 302 mm), aber diese könnten in einigen Passagen etwas energischer bei den 19-Zöllern (Serie: 18 Zoll) zupacken. Das ist auch das Stichwort für den Tankwart. Den Ottomotor unter zehn Liter zu bringen, ist möglich, damit verliert er aber seinen Fahrspaß. Nach gleicher Formel arbeitet sich der Diesel an der Sieben-Liter-Marke ab. So ist der ST weniger etwas für den TCO-Fahrer als für den selbstbewussten User-Chooser, der offen propagiert: Bitte Orange. Und bitte stets mit Sport-Modus.

Ford Focus ST Turnier

Preise: ab 27.815 EuroR4/1.996 cm³ | 140 kW/190 PS400 Nm ab 2.000 | 6-Gang220 km/ | 7,7 sWLTP 5,6 D | 148 g/km4.668 x 1.825 x 1.492 mm608 - 1.653 LiterWartung: 1 Jahr/ 20.000 km Benziner, 30.000 km DieselEffizienz: AGarantie: 2 JahreAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

Autoflotte-Empfehlung

Head-up-Display: 378 EuroDesign-Paket IV: 1.471 EuroEasy-Parking-Paket: 378 EuroPerformance-Paket: 1.008 EuroTechnologie-Paket: 336 EuroWinter-Paket: 336 EuroNavi, 8 Zoll, DAB: 588 EuroAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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