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Fahrbericht Audi Q8

Der neue Herr der Ringe

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Fürs Gelände ist der neue Audi Q8 fast zu schade.
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Audi hübscht das SUV Q7 auf, macht es kürzer und breiter, spendiert ihm eine komplett neue Frontpartie und nennt das Ganze Q8. Viele innere Werte stammen aus dem neuen A8, demnach trotzt das SUV-Coupé vor Luxus-Technik.

Von Peter Maahn/SP-X

Wenn auf einem Audi-Heck die "8" steht, muss schon etwas besonders drinstecken. Ist doch die Luxuslimousine A8 das Ingolstädter Nonplusultra, fährt vor dem Präsidentenpalais vor und parkt auf reservierten Plätze von Aufsichtsräten und Vorständen. Der zweisitzige R8 hat ähnliches Renommee bei den Supersportwagen. Nur in der Gattung der SUV mit Kennzeichen "Q" blieb die teure Nummer bislang frei. Bis Anfang Juli jedenfalls, wenn der Q8 ab rund 76.000 Euro beim Händler steht.

Für die VW-Tochter ist der Q8 eine neue Baureihe, in der Riege der SUV dagegen ein Nachzügler. Schon seit zehn Jahren ist der BMW X6 auf dem Markt, seit 2015 mischt dessen Mercedes-Kopie GLE Coupé mit. Beide sind sportliche Versionen der eher eckigen Geländewagen, muten mit rückwärtiger Schräge statt senkrecht stehender Heckklappen tatsächlich wie ein aufgebocktes viertüriges Coupé an. Und jetzt also der Audi, dem die Designer einen eher eleganten als wuchtigen Auftritt mit auf den Weg geben. Technik-Genspender ist der bekannte Q7, doch viele Schmankerln des Neulings stammen aus dem noblen A8.

Flacher und kürzer, dafür aber breiter

Designer Frank Lamberti, verantwortlich für die Gestaltung der Außenhaut, erklärt die Unterschiede zum Normal-SUV, in dem er die Umrisse eines Q8 virtuell auf die Darstellung eines Q7 projiziert. Deutlich ist zu sehen, dass das Coupé flacher (vier Zentimeter) und kürzer (sieben Zentimeter) ist, da der hintere Überhang verkleinert wurde. Dagegen wuchs die Breite um gut drei Zentimeter. Im Zusammenspiel mit dem neuen, achteckigen Grill, den zweigeteilten Scheinwerfern und der nach oben gewölbten Frontspange unterhalb gewaltiger Lufteinlässe betont der Q8 unverhohlen seine Bestimmung nach dem Motto "Hoppla, jetzt komm' ich". "Etwas diabolisch", nennt Lamberti das neue Gesicht, das in Zukunft alle Q-Modelle in verschiedener Ausprägung tragen sollen.

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Eher zurückhaltend elegant dagegen die Designarbeit am Ende. Die schräge Heckscheibe wird optisch von einem Dachspoiler und einer durchgehenden Abrisskante begrenzt. Auch das in der Mitte schwarze Leuchtenband zieht sich über die gesamte Wagenbreite. Die Flanken werden von halbmondförmigen Strukturen um die Radhäuser geprägt, die die größten Walzen aufnehmen können, auf denen bislang ein Audi rollte – fast 80 Zentimeter im Durchmesser. In Summe ein beeindruckender Auftritt, der aber auf die zur Schau gestellte Potenz der beiden Hauptrivalen verzichtet.

Calama liegt in Chile, ist das Herz der Atacama-Wüste, etwa zwei Flugstunden nördlich der Hauptstadt Santiago. Gut 13.000 Kilometer westlich von Ingolstadt ist die Audi-Welt noch in Ordnung, hier steht ein neues Auto und nicht die deutsche Justiz im Mittelpunkt. Erstes Kennenlernen des Gelände-Coupés auf gut ausgebauten Straßen, auf Sand und Schotter, durch Flussläufe oder Serpentinen, auf denen verstreute Eisplatten drohen. Unter der leicht nach vorne abfallenden Haube arbeitet natürlich ein Diesel. Ein blitzsauberer, wie Audi versichert. Der Dreiliter-Sechszylinder hat alles an Bord, was heute für eine effektive Abgasreinigung nötig ist, erfüllt laut Audi die verschärfte EU-6d-temp-Norm. Verbrauchsangaben werden aber noch nicht gemacht.

Effizientes Fahren durch Starter-Generator und 48-Volt-Bordnetz

Es geht einen Pass hinauf, die Höhenanzeige des Navi steht auf 4.100 Metern. Die dünne Winterluft macht dem Diesel nicht wirklich zu schaffen, auch wenn man bei den 600 Newtonmetern und 286 PS sicher ein paar Prozent abziehen muss. Bei sanfter Bergabfahrt macht sich dann das 48-Volt-Bordnetz ans Werk. Lässt man das 2,1-Tonnen-Coupé rollen, schaltet sich der Motor ab. Der Fahrer bekommt das nur durch einen Blick auf den Drehzahlmesser mit. Bei sanftem Druck aufs rechte Pedal wird der Starter-Generator aktiv, der Motor springt an. Dabei sorgt die Elektronik dafür, dass das Q8-Triebwerk nach der Unterbrechung mit idealer Drehzahl und passgenauer Stufe der Achtgang-Automatik wieder einsetzt. Das kennen wir schon von anderen großen Audis.

"Mild-Hybrid" heißt diese Technik, mit der zwar nicht rein elektrisch gefahren werden kann, die aber wegen des ständigen "Ein-Aus" des Motors im Alltagsbetrieb fast einen Liter Sprit sparen kann. Sie macht es auch möglich, dass das inzwischen verbreitete Start-Stopp-System schon ab 22 km/h abwärts tätig wird, zum Beispiel beim Heranrollen an eine Ampelkreuzung. Weitere Technik-Highlights sind aktive Luftfederung, Allradlenkung oder Scheinwerfer mit HD-Matrix-LED mit je 24 Einzelleuchten. Die meisten dieser Feinheiten sind aber nur gegen Aufpreis zu haben.

Mehr Business-Class als Offroad-Ambiente 

Natürlich ist der Q8 wie all die anderen SUV kein Gefährte fürs raue Gelände. Aber einen Abstecher abseits des Asphalts kann man ihm schon zumuten, solange er nicht über Felsbrocken klettern oder durch zu tiefes Wasser waten muss. Mit tiefem Sand kommt er dank Offroad-Modus ganz gut klar, der Bordrechner hält ihn auch bei steilen Talfahrten recht wirkungsvoll in der Spur. Beruhigend, auch wenn nur ganz wenige künftige Kunden diese Fähigkeiten ihrer teuren Neuanschaffung je nutzen werden.

Denn für Geländeritte ist der Q8 einfach zu schade. Seine Spielwiese sind Galopp und Dressur. Ein trotz geringerer Länge geräumiger Reisebegleiter, der auch für die Hinterbänkler das Raumgefühl einer Business-Class vermittelt. Die Vorderleute genießen den Komfort perfekter Sitze, rund um den Fahrer macht sich eine Art Kommandostand breit, in dem weitgehend auf Knöpfe und Schalter verzichtet wird – das Flaggschiff A8 lässt grüßen: großes, konfigurierbares Display hinterm Lenkrad, Monitor mittig über der Mittelkonsole und eine weitere Bedieneinheit vor dem Wählhebel der Automatik. Das meiste funktioniert per Fingerdruck, vieles auch schon mit Sprachbedienung, zum Beispiel Heizung und Klimaanlage.

Beim Einparken den Q8 per App von außen steuern

Überhaupt geht Audi bei der Vernetzung in die Vollen. Zum Beispiel reagiert der Q8 auf den nebenbei geäußerten Satz "Ich habe Hunger", sucht nächstgelegene Restaurants und startet auf Wunsch die Navigation. Die Türen lassen sich per Smartphone-App öffnen, beim Einparken in enge Lücken kann der Fahrer aussteigen und das Auto per App-Fernbedienung steuern. In Sachen Assistenzsysteme bietet der Q8 all das, was heute möglich ist. Ein Zentralrechner in Größe eines Tablet-Computers ist unter dem Fahrersitz montiert und dient als Leitstelle für alle Funktionen. Je nach gewählter Ausstattung liefern bis zu fünf Radarsensoren, sechs Kameras, zwölf Ultraschall-Lauscher und ein Laserscanner alle nötigen Informationen. Die Zukunft ist längst zur Gegenwart geworden.

Ist der Q8 also das SUV, auf das alle gewartet haben? Zweifellos haben es die Designer geschafft, ein coupé-artiges Edelmobil auf riesige Räder zu stellen. Die übliche, etwas protzige Hochbeinigkeit seiner unmittelbaren Mitstreiter sticht bei ihm nicht so wuchtig ins Auge, wenn man mal von der Frontpartie absieht. Somit könnte er bei Skeptikern solcher Autos noch als "sozialverträglich" durchgehen. Die müssen dann aber bereit sein, einen je nach Ausstattung auch sechsstelligen Betrag an Audi zu überweisen.

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