Die britische Sportwagenikone Lotus ist seit 2017 mehrheitlich im Besitz des chinesischen Geely-Konzerns und befindet sich mitten im Wandel zur elektrifizierten Performance-Marke. Mit dem neuen Super-SUV Eletre X präsentiert Lotus jetzt erstmals einen Hybrid-Antrieb, der Reichweite und elektrische Power kombinieren soll.
Für viele Fans stellt sich die Frage: Wie viel Lotus steckt künftig noch im Lotus? Lotus-CEO Qingfeng Feng erklärt, wo die Grenzen des Einflusses des Mutterkonzerns liegen – und warum die Marken-DNA für ihn nicht verhandelbar ist.
Lotus Eletre X
Seit 2017 gehört Lotus mehrheitlich zu Geely. Wie groß ist der Einfluss des chinesischen Mutterkonzerns auf Produkt, Design und Technologie? Gibt es rote Linien?
Feng: Globale Ressourcen helfen uns natürlich, Innovationen schneller zu skalieren – etwa in der Lieferkette, bei der Softwareentwicklung oder in der Produktionsstruktur. Doch die Lotus-Produktdoktrin, die Lotus-DNA ist nicht verhandelbar: Lenkungs- und Fahrwerksgefühl, fahrerzentrierte Ergonomie und die Performance stehen immer an erster Stelle. Unternehmensweite Straffungen dienen der Effizienz, nicht der Vereinheitlichung. Und es ist ganz wichtig zu betonen, dass bei den Produkten Lotus die Freigabe ausschließlich nach Lotus-Standards erteilt.
Wird Lotus eines Tages zu einem globalen Premiumhersteller mit höheren Stückzahlen werden, oder bleibt Exklusivität die treibende Kraft?
Feng: Wir werden unsere Reichweite mit „Electric-First“-Hybriden erweitern, um regionale Anforderungen zu erfüllen. Doch unser Ziel bleibt das exklusive Erlebnis, einen Lotus zu fahren. Lotus wird definitiv nicht auf massenhafte, austauschbare Volumenproduktion oder Produkte setzen. Wir werden nur dort gezielt skalieren, wo es uns nutzt, weiter in fahrerorientierte Ingenieurskunst zu investieren. Der Plan ist ein ausgewogenes Portfolio, Elektrofahrzeuge und X-Hybriden, das der Marktnachfrage entspricht, ohne den Markenkern zu verwässern.
Wo sehen Sie Lotus in der Zukunft: Als rein elektrische Performance-Marke, als technologisch getriebener Innovationsführer? Und wie sieht es mit der Expansion in neue Segmente aus und bei Konzepten fürs autonome Fahren?
Feng: Unser Leitstern ist die Rolle als Innovationsführer für fahrerorientierte, elektrifizierte Performance. Man kann ein Portfolio erwarten, das weiterhin „Electric-First“ bleibt, gleichzeitig aber Hybridlösungen nutzt, wo sie hilfreich sind, zum Beispiel bei der Infrastruktur oder der Reichweite.
Wir werden die Lotus-Fahrdynamik weiterhin auf die Segmente anwenden, die wir jetzt bereits betreten, einschließlich der Performance-SUVs wie dem Eletre X. Autonomie und Konnektivität sollen den Fahrer unterstützen – aber niemals seine zentrale Rolle in einem Lotus ersetzen. Der Fahrer bleibt immer im Mittelpunkt und das Herz eines Lotus.