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Fahrbericht MG EHS

Plug-in-Hybrid für Preisfüchse

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Die britische Marke MG gehört längst den Chinesen, und kommt von dort jetzt nach Deutschland zurück, unter anderem mit dem EHS.
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Groß wie ein Tiguan, aber günstiger als ein T-Roc: Auf dem Papier wirkt der teilelektrifizierte MG EHS wie das typische China-Schnäppchen. In der Praxis sieht das ein bisschen anders aus.

Die Chinesen kommen – seit Jahren hallt diese Botschaft durch die PS-Welt und soll die etablierten Marken in Angst und Schrecken versetzen. Doch bislang ist daraus nicht viel geworden: Konventionelle Erstlinge wie Brilliance sind im Crashtest kollabiert und innovative Start-ups wie Byton oder Faraday Future – zumindest bislang - an der Finanzierung gescheitert. Doch jetzt rollt die nächste Welle an und spült neben Newcomern wie Aiways einen alten Bekannten ins Land: MG ist wieder da. Und zwar nicht mehr als schrullige Traditionsmarke mit rustikalen Roadstern, sondern als zeitgemäße Volumenmarke mit modernen und vor allem elektrifizierten Geländewagen.

In Benelux und Norwegen gibt es die Importe aus dem fernen Osten schon seit dem vergangenen Jahr und aus England waren sie nie richtig verschwunden, doch bei uns wollen sie erst jetzt starten und kündigen das Debüt noch vor dem Sommer an. Dabei setzt MG neben dem rein elektrischen ZSE vor allem auf eine Plug-in-Hybridversion des EHS, der eine Nummer größer ist und für rund 28.600 Euro netto gegen Tiguan & CO antreten will.

Auf den ersten Blick wirkt das 4,57 Meter lange SUV mit reichlich Platz für Kind und Kegel dabei wie das klassische China-Schnäppchen. Denn ein paar Zentimeter länger als der Tiguan und deutlich besser ausgestattet, kostet er ein gutes Drittel weniger als der Plug-in-Hybrid aus Wolfsburg und man sucht unweigerlich den Haken an der Sache. Dumm nur, dass der zumindest auf Anhieb nicht zu finden ist, und all die schönen Vorurteile in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus im Wintersturm.

Schlicht, aber schick

Denn der EHS ist weder ein peinlicher Design-Klon aus dem Copy-Shop, noch eine preiswerte Plastik-Hütte, die nach Lack und Lösungsmitteln müffelt. Im Gegenteil: Die Form ist schlicht, aber schick und das Innenleben kann es mit jedem Europäer aufnehmen: Stramm gepolsterte Sitze mit vornehmen Bezügen, reichlich Zierrat rund ums weitgehend digitale Cockpit, neutraler Geruch und vernünftige Verarbeitung – da merkt man, dass MG-Mutter SAIC daheim im China im Joint-Venture mit VW auch Tiguan & Co montiert und dabei offenbar viel gelernt hat.

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Auch der Antrieb zeugt von hohem Aufwand und den großen Ambitionen der Chinesen. Denn wo der 1,5 Liter große Turbo-Benziner mit 119 kW / 162 PS, der 90 kW / 122 PS starke Stromer und der Lithium-Ionen-Akku von 16,6 kWh für bis zu 52 Kilometer Reichweite noch Standard sind, leisten sich die Chinesen beim Getriebe einen ungewöhnlichen Luxus: Der Verbrenner ist mit einer Sechsgang-Automatik kombiniert und der Stromer wird über eine zweite Automatik mit vier Gängen geschaltet. Zusammen ergibt das konkurrenzlose zehn Übersetzungsstufen, von denen sich MG eine besonders feinfühlige Regelung verspricht. Dafür ist die Ladetechnik nur Mittelmaß: Weil es lediglich einen 3,7 kW-Charger an Bord gibt, hängt der EHS im besten Fall 4,5 Stunden am Kabel.

Ungewöhnlich laut im Akku-Betrieb

Erst beim Fahren selbst verblasst der Glanz des MG ein wenig. Nein, die Abstimmung geht noch in Ordnung, selbst wenn der EHS es sehr viel gelassener angehen lässt als ein Tiguan, die Lenkung ist hinreichend richtungsweisend und die Bremsen haben genügend Biss. Doch im reinen Akku-Betrieb lässt der MG bei all dem üblichen elektrischen Elan die typische Stille der Stromer vermissen und behelligt die Insassen mit einem ungewöhnlich lauten Surren. Und sobald sich der Verbrenner zuschaltet, kommt einem der Kultfilm "Viel Lärm um nichts" in den Sinn. Denn wer bei einer Systemleistung von 258 PS und vereinten 370 Nm auf anregende Fahrdynamik hofft und einen etwas schnelleren Puls, der wird vom MG jäh enttäuscht. Selten haben sich 6,9 Sekunden auf Tempo 100 so lange angefühlt, und mit einem Spitzentempo von 190 km/h machen die Chinesen in dieser Klasse auch keinen Stich. Zumal man sich nach ein paar Kilometern mit Bleifuß gar nicht vorstellen möchte, wie viel Anlauf man nehmen soll, bis dieses Tempo überhaupt mal erreicht ist. Vielleicht brauchen da die beiden Automatiken einfach zu lange, bis sie ihre zehn Gänge sortiert haben.

Aber erstens ist Fahrspaß nicht wirklich ein Kaufkriterium für Spritspar-Autos, erst recht nicht, wenn Smart-Shopper und Schnäppchenjäger gefragt sind. Und zweitens gerät man so immerhin nur selten in die Gefahr, sich auf das üppige Sicherheitsnetz zu verlassen, das MG um den EHS gewoben hat. Für den passiven Schutz gibt es fünf Sterne und für den aktiven geben die Chinesen ihrem Tiguan-Konkurrenten alles mit, was gut und teuer ist: Automatische Abstandsregelung, teilautonomes Fahren auf der Autobahn, Spurführungshilfe, Querverkehrswarner beim Rangieren oder 360 Grad-Kamera – weil Elektronik billig ist im Reich der Mitte, muss MG nicht knausern.

Natürlich werden sie angesichts des EHS in Wolfsburg vor Angst nicht zittern wie Espenlaub und auch nicht in Köln oder Rüsselsheim. Doch nachdem die Billig-Importe aus Beijing bislang gefloppt sind und die Newcomer nicht aus dem Quark kommen, könnte der Weg durch die Mitte des Marktes diesmal durchaus Erfolg haben. Während sich die Engländer zunehmend aus Europa abmelden, kommen die Chinesen nun also tatsächlich. (SP-X)

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