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Fahrbericht Porsche Macan Facelift

Der Volltreffer

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Das Facelift setzt ausschließlich auf Benzinmotoren - eine elektrifizierte Variante wird es erst mit dem Modellwechsel geben.
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Mit dem SUV Macan hat Porsche in nur vier Jahren ein neues Erfolgsmodell geschaffen. Jetzt kommt die überarbeitete Version auf den Markt – der allerdings ein wichtiges Stück Technik fehlt.

Von Stefan Anker/SP-X

Reden wir über eine der größeren Fehleinschätzungen der jüngeren Automobilgeschichte. Porsche hatte 2014 das Mittelklasse-SUV Macan eingeführt und allen Ernstes geglaubt, eine Produktionskapazität von 50.000 pro Jahr sei genug. Doch schon 2015 orderten die Kunden weltweit mehr als 80.000 Macan und bis 2017 stieg die Zahl auf exakt 98.763.

Jetzt ist das überarbeitete Modell bestellbar, zunächst als Grundmodell Macan mit Vierzylinder und als Macan S mit Sechszylinder. Stärkere Versionen wie GTS und Turbo folgen, nur dem Dieselantrieb hat Porsche abgeschworen, auch für die SUV, die nach einem sparsamen Antrieb ja geradezu schreien.

Diesem Bedarf will Porsche mit Elektrifizierung begegnen, allerdings nicht mehr in dieser Generation, die noch auf dem früheren Audi Q5 basiert. Den Wagen auf Plug-in-Hybrid umzubauen ist zu aufwendig. Bis zum Start der zweiten, dann komplett neu konstruierten Macan-Generation werden es die Benzinmotoren alleine richten müssen. Speziell in Deutschland ist das eine Hypothek, waren doch 2017, bevor Porsche verkündete, keine Dieselmodelle mehr anzubieten, gut 36 Prozent aller neu zugelassenen Macan mit einem Selbstzünder ausgestattet.

Beim Fahren macht ein Benziner in einem Porsche allerdings nach wie vor den stimmigeren Eindruck. Quicklebendig verhält sich der neue Macan in der S-Version mit V6-Zylinder und nun 260 kW / 354 PS statt 250 kW / 340 PS. Das Drehmoment des drei Liter großen Motors stieg von 460 auf 480 Newtonmeter, was die Beschleunigung von 5,4 auf 5,1 Sekunden verkürzt. Mit 254 km/h bleibt die Endgeschwindigkeit gleich, der Normverbrauch liegt nun zwischen 8,6 und 8,9 l/100 km, je nach Reifenwahl und Ausstattung, vorher waren es 8,7 bis 9,0 Liter. Der Fortschritt ist ein Eichhörnchen, und nicht immer kann man von Porsche bei einem Facelift solche technischen Revolutionen erwarten wie beim 911, bei dem man 2015 von Saug- auf Turbomotoren wechselte.

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Turbolader werden im Macan ohnehin eingesetzt, anders könnte der zwei Liter große Basis-Vierzylinder nicht 180 kW / 245 PS Leistung (sieben PS weniger) und 370 Newtonmeter Drehmoment (unverändert) entwickeln. Mit einem Spitzentempo von 225 km/h und einer Beschleunigungszeit von 6,5 Sekunden bewegt sich auch der einfachste Macan, den es ab 49.380 Euro ohne Mehrwertsteuer gibt, in der SUV-Spitzengruppe. Und in der alltäglichen Fahrt kommt man selten auf den Gedanken, mehr Leistung oder mehr Drehmoment zu benötigen – was auch an dem sauber abgestimmten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe liegt, das nun noch etwas schneller schaltet und beim Gaswegnehmen in höheren Geschwindigkeiten den Segel-Modus beherrscht: Das Getriebe bremst den 1,8 Tonnen schweren Wagen dann nicht ab, sondern lässt ihn eine Zeitlang frei rollen, was dabei hilft, den Alltagsverbrauch in die Nähe des Normwerts von 8,1 l/100 km zu drücken.

Aber natürlich macht der V6 im Macan S noch deutlich mehr Freude und wer ein typischer Porsche-Kunde ist, hat gegen die Extraportion Temperament sicher nichts einzuwenden. Der Macan S ist das spürbar agilere Fahrzeug, was das Ansprechen auf Gasbefehle anlangt, doch daran muss man sich vor allem als Porsche-Neuling erst gewöhnen. Einmal zu unvorsichtig aufs Gas getreten, schon springt der Macan S los, dass den Beifahrern angst und bange werden kann. Technisch gründet sich das schnelle Ansprechen auf die Unterbringung des Turboladers zwischen den beiden Zylinderbänken, im sogenannten Innen-V. Das verkürzt den Abgasweg zwischen Brennräumen und Turbolader. Diese Technik findet sich auch schon in den Dreiliter-Benzinern von Porsche Cayenne und Panamera, nun wird sie auch dem Macan zur Verfügung gestellt.

Vorne standardmäßig LED-Hauptscheinwerfer, hinten ein durchgehendes Leuchtenband

Letztlich ist es eine Frage des Wollens und des (finanziellen) Könnens, ob man dem immerhin 54.088 Euro netto teuren Macan S den Vorzug gibt. Man erhält dafür auch ein etwas schärfer geschnittenes Design mit markanteren Lufteinlässen vorn. Ganz allgemein erkennt man den überarbeiteten Macan daran, dass er nun standardmäßig LED-Hauptscheinwerfer trägt und, dass ihn hinten ein durchgehendes Leuchtenband ziert, wie es inzwischen alle Porsche-Modelle haben. Innen gibt es jetzt, wenn man das Sport-Chrono-Paket gewählt hat, einen Fahrmodus-Schalter am Lenkrad. Damit wählt man zwischen Normal, Sport und Sport Plus und kann in der Individual-Einstellung auch selbst festlegen, in welchem Verhältnis Gasannahme, Direktheit der Lenkung, Fahrwerksabstimmung und Getriebecharakteristik zueinanderstehen. In der Mitte des Wahlschalters findet sich der Sport Response Button: Wenn man den drückt, gibt der Macan/Macan S für 20 Sekunden alles, was er an sportlicher Abstimmung zu bieten hat. Spielerei? Ja, aber schön, wenn man mal eine freie Landstraße vor sich hat.

Ob man wegen der angebotenen Änderungen jetzt gleich den alten Macan zum Händler fahren muss, sei dahingestellt. Menschen, die sich nun zum ersten Mal für das kleinere der beiden Porsche SUV entscheiden, bekommen ein glaubwürdig sportliches Premium-Fahrzeug, das seinen Preis hat, aber unbestritten Maßstäbe in Sachen Fahrdynamik setzt. Mit dem von sieben auf 10,9 Zoll gewachsenen Zentraldisplay und den erweiterten Vernetzungsfunktionen ist der Wagen auch State of the Art, wenn es um Infotainment, Navigation und Integration des Smartphones geht – auch die Sprachsteuerung hat sich verbessert. Das einzige, was dem Macan fehlt, ist jeder Anflug von Elektrifizierung. Wer sich dafür interessiert, muss bis zur nächsten Modellgeneration warten, die 2021 kommen könnte. Dann soll es sogar einen rein elektrisch angetriebenen Porsche Macan geben.

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