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Fahrbericht Subaru Forester e-Boxer

Restwert-Riese

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Autoflotte empfiehlt den Forester Trend für gemäßigte 29.400 Euro.
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Wer bei einem Kauffuhrpark den Fokus auf ein "easy-to-use"-Fahrzeug und Wertstabilität legt, kommt um eine Marke kaum herum. Trotzdem spielt dieser Japaner gerade in Flotten keine Rolle.

Subaru spielt in Deutschland eine Nebenrolle. Eigentlich sogar eine Nebenrolle neben der Nebenrolle. 3.190 Fahrzeuge, verteilt auf sieben Modelle, konnten die Japaner bis einschließlich Ende Juli verkaufen – insgesamt, nicht in der Flotte. Dort waren es 26. Kein Schreibfehler. 26 Subaru liefen von Januar bis Juli als Flottenzulassung. Das bedeutet Platz 33 vor Maserati, Ssangyong, Polestar und Infiniti. Die letzten haben im März 2020 in Westeuropa zugeschlossen, nicht wegen Corona, es war geplant. Die vorletzten fangen erst jetzt, im Herbst, richtig an. Ssangyong kennt einfach niemand (Test vom Korando folgt demnächst) und Maserati ist eine andere Liga – preislich. Da stellt sich die Frage: Warum ist das bei Subaru so?

Markant, nicht elegant

Eine Erklärung haben wir nach den zwei Testwochen nicht. Im Gegenteil. Der Subaru hat nämlich echten Charme. Aha, na klar, mit Charme kaschiert man andere Unzulänglichkeiten. Dann suchen wir diese doch einfach mal.

Wie so oft ist der erste Eindruck der optische. Eine Augenweide ist der Subaru Forester nicht. Aber ein echter Kerl im SUV-Segment. Ein Naturbursche könnte man auch sagen. Und schwupps, schnell werden Schubladen aufgemacht. Naturbursche? Forester? Den fährt der Förster, Jäger, Bauer und im coolsten Fall der Outdoor-Jünger. Schublade zu. Mag sein, dass ein großer Teil der wenigen Käufer in Deutschland dort hinein passt. Es muss aber nicht sein.

Vor allem könnten Fans von übersichtlichen, "luftigen" und damit durchaus freundlich auftretenden Autos Gefallen am Forester finden. Große, eckige Türen erlauben das Ein- und Aussteigen mit erhobenem Haupt. Die riesigen Fensterflächen und vergleichsweise schmalen A-Säulen geben einen Rundumblick, den einige vielleicht noch vom Volvo 940 kennen. Beim Schulterblick in der Stadt sieht man, ob das Radl von rechts über die Ampel geschossen kommt.

Innen Platz genommen, entspannen die bequemen Sitze mit vielfach verstellbaren Kopfstützen. Seitenhalt darf jedoch nicht erwartet werden. Wer edles Material im Forester bevorzugt, kann für rund 2.200 Euro netto das Subaru-Exklusiv-Leder in diversen Farben bestellen. Denn sonst ist das haptische Erlebnis eher ernüchternd. Das Plastik verdient den Namen, die Spaltmaße sind vorhanden und auch das Innen-Arrangement ist hemdsärmelig. Lediglich das bezogene Armaturenbrett gaukelt mit dem vernähten Lederimitat Luxus vor. Dafür ist die Verarbeitung sehr gut, wirkt langlebig und damit auch bei grober Behandlung haltbar. Luxuriös ist der Testwagen dagegen ausgestattet. Es fehlt eigentlich nichts. Vom LED-Scheinwerfer über die Automatik bis hin zum Navi und sämtlichen Assistenzsystemen ist alles im "Platinum"-Toplevel an Bord. Aber wahrscheinlich geht es typischen Forester-Käufern gar nicht mal darum. Sie wollen ein robustes, praktisches und geräumiges Allrad-Fahrzeug.

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17 PS Elektropower

Was der Forester an Platz auf seinen 4,63 Metern bietet, würde auch Skoda gut zu Gesicht stehen. In den Kofferraum passen mehr als 500 Liter, knapp 1.800 sind es bei voller Ausnutzung der recht ebenen Ladefläche. In den Tank hingegen lediglich 48. Das ist ein Manko auf langen Etappen. Theoretisch ist der Forester sparsam. Der neue Zweiliter-Motor agiert im Zusammenspiel mit einem Elektromotor. Dieser ist direkt in das stufenlose Getriebe integriert und liefert knapp 17 PS und 66 Newtonmeter Drehmoment zu den 150 PS und knapp 200 Newtonmetern hinzu. Der Benziner ist somit ein klassischer Hybrid – ohne Stecker, besitzt aber auch kein halbherziges 48-Volt-System. Daher kann der Forester sogar ein paar Meter elektrisch rollen. Im unteren Geschwindigkeitsbereich bis gut 40 km/h klappt das immer mal wieder. Der Übergang vom elektrischen Gleiten ins Benzinfahren ist meist mit einem kleinen Ruck verbunden, der durch den Antriebsstrang geht. Unterhalb von 90 km/h hilft die Segelfunktion beim Benzin sparen, die den Verbrenner in den Ruhemodus versetzt. All das soll zu einem WLTP-Verbrauch von 8,1 Liter führen. Ein sehr fair angegebener Wert. Wer oft auf der Autobahn unterwegs ist, wird leicht darüber liegen. Landstraßen- und Stadtindianer kommen auch mit 7,5 Litern bei leichtem Gasfuß aus.

Der Motor arbeitet bei Subaru traditionell nach dem Boxerprinzip und wurde daher hier e-Boxer getauft. Die je zwei gegenläufig agierenden Kolben versprechen hohe Laufruhe und ein besonderes, entspannendes Klangspektrum. Umso mehr fallen ab 130 km/h die Windgeräusche um die Außenspiegel ins Gewicht. Doch viel schneller fährt man mit dem 1,7 Tonnen schweren Forester, der knapp 1,9 Tonnen ziehen darf, meist eh nicht. Als Vmax geben die Japaner 188 km/h an. Wir haben es mal ausprobiert – es stimmt. Ebenso ist die Beschleunigung von 11,8 Sekunden bis Tempo 100 eher zweitrangig. Kraft frisst die gewöhnungsbedürftige Lineatronic, eine stufenlose Automatik. Dafür greift im untersten Drehzahlbereich der Elektromotor unter die Arme des Vierzylinders und tut das so gut, dass Leistungsmangel kein Dauergefühl im e-Boxer ist. Und wer einen Sportwagen möchte, sucht freilich keinen Forester.

Dafür kann man mit ihm ziemlich perfekt abseits der Straßen Spaß haben und noch immer zuverlässig ans Ziel kommen. Das etwas staksig ausgefallene Fahrwerk passt gut ins Gelände. Um dort weit zu kommen, hilft zudem der X-Mode. Für die Insassen ein simpler Drehschalter, orchestriert dieser je nach Stellung die Kraftverteilung des Allrads und optimiert den Gesamtantrieb für Schlamm-, Schnee-, Eis- oder sonstigen Nicht-Asphalt-Fahrten, die der Forester glättet. Seine Bodenfreiheit von hohen 22 Zentimetern und vernünftige Böschungs- und Rampenwinkel machen ihn vollends zum Offroader. Hier spielt der e-Boxer auch seine Vorteile aus, die er neben dem Spareffekt drauf hat. Eine feine Ansprache im untersten Drehzahlbereich ist hilfreich für enges Offroadzirkeln. Ganz so fein kurbelt sich das Lenkrad hingegen nicht. Vor allem der harte Lenkanschlag passt nicht ins harmonische Gesamtbild – ein Schönheitsfehler.

Guck nach vorne!

Mehr als nur ein Schönheitsfehler ist der Aufmerksamkeitswarner. Dieser guckt, ob man selbst auf die Straße guckt und nervt bereits beim Suchen der gewünschten Informationen auf dem Acht-Zoll-Infotainmentsystem, dem 6,3-Zoll-Multifunktionsdisplay darüber und dem 4,2 Zoll großen Bildschirm im Kombiinstrument. Denn so ganz einleuchtend ist weder die Präsentation der Infos, noch die Menüführung.

Doch all das sind nicht die einzigen Argumente für oder gegen einen Forester. Sie werden es kaum glauben: Der Subaru Forester ist eines der wertstabilsten Fahrzeuge in Deutschland. Die Erklärung liefert einer, der sich mit dem Thema Restwerte bestens auskennt. Rainer Kiedaisch von der DAT-Fahrzeugbewertung sagt: "Die hohen Restwerte resultieren aus der sehr guten Langzeitqualität, sowie dem relativ geringen Angebot bei sicherer Nachfrage. Denn nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei Jägern ist der Subaru Forester eine bekannte und verlässliche Größe. Im TÜV-Report belegt der Forester regelmäßig vordere Plätze." Klare Aussagen, die ein bisschen das Klischee bedienen, aber gleichzeitig bestätigen, dass Kauffuhrparks durchaus öfters mal an Subaru denken sollten, wenn den Unternehmern ihr Geld am Herzen liegt. Denn die von uns gefahrene Top-Ausstattung Platinum für 37.000 Euro netto ist in vielen Fällen nicht einmal nötig. Gerade dann nicht, wenn Assistenzsysteme für sekundär empfunden werden. Daher ist unsere Empfehlung der Forester Trend für gemäßigte 29.400 Euro. Beim Motor gibt es übrigens keine Option, den Forester gibt es ausschließlich als Elektro-Boxer. (mb)

Subaru Forester e-Boxer Platinum

Testwagenpreis: 37.126  Euro
R4/1.995 cm3 | 110 kW/150 PS + 17 E-PS
194 Nm ab 3.000 U/min + 66 E-Nm | stufenlose AT | 188  km/h | 11,8 s 
WLTP: 8,1 S | 185 g/km
Effizienz: B
4.625 x 1.815 x 1.730 mm | 509 – 1.751 l
HK: 16 | VK: 26 | TK: 24
Wartung: 15.000/jährlich
Garantie: 5  Jahre/160.000 km

Autoflotte-Empfehlung
Subaru Forester Trend
Preis ab: 29.403 Euro
Lederausstattung Exklusiv: € 2.261
Metallic-Lack: ab € 496 Euro

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