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Kein Erdgas mehr bei Volkswagen?!

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Birgit Maria Wöber zur Erdgas-Strategie von Volkswagen
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Als Anfang März die Meldung über die Nachrichtenticker lief, dass Volkswagen sich vom Erdgasantrieb verabschieden will, habe ich gedacht, ich lese nicht richtig. Und dann fiel mir spontan ein: "Volkswagen, was soll das?"

Von Birgit Maria Wöber

Warum diese Verkündung? Die letzten Jahre ist doch sowieso relativ wenig im Bereich CNG-Mobilität passiert. Große Verkündungen, ich denke nur an die 2017 ausgerufene Initiative: "2.000 CNG-Tankstellen und eine Million CNG-Auto bis 2025." Nix außer viel heiße Luft! Für jeden Marktbeobachter war schon länger klar, dass da nicht mehr viel kommt – außer den bekannten und angekündigten Modellen. Warum also dieses nochmalige, laute mediale Draufhauen? Um von den eigentlichen Themen abzulenken? Dem bereits Ende 2018 im "Handelsblatt" angekündigtem "Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor"? Denn wer kauft schon einen Diesel oder Benziner, der ein Verfallsdatum hat, wie man jetzt dem CNG-Auto unterstellt? Oder ist das ein Ablenkungsmanöver, um von den aktuell massiven Problemen beim Golf 8 und vom Volks-Elektroauto ID.3 abzulenken, wie es schon länger die Spatzen von den Dächern pfeifen? Oder ist der Grund gar der, dass die Kunden – wenn sie davon erfahren – doch lieber ein CNG-Auto statt ein Elektrofahrzeug kaufen würden?

Kundenvertrauen verspielen

Keine Ahnung, verstehen muss man dieses kontraproduktive Verspielen von Kundenvertrauen nicht. Schon gar nicht, wenn man weiß, dass die CNG-Technik aus dem Volkswagen-Konzern mit den neuesten Modellen (TGI, 1.5 Evo-Motor, 1.0 Motor, 2.0 Motor) wirklich tadellos und ohne technische Probleme funktioniert, ja der Volkswagen-Konzern in dieser Technik sogar absoluter Marktführer in Europa ist! Wie es tatsächlich gut funktionieren kann, zeigt die Marke Seat im Konzern. Richtiggemacht und schon geht's vorwärts mit den CNG-Verkaufszahlen („"versiebenfacht"), und zwar europaweit. Natürlich hat es Gründe, warum die Zulassungszahlen insgesamt und besonders in Deutschland so niedrig sind. Das liegt ganz sicher nicht am CNG-Antrieb. Die Gründe sind beim Marktführer auch hausgemacht: 

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Flop

Ich fahre seit mehr als 23 Jahren mit CNG, beobachte seit 20 Jahren den Markt rund um CNG und ich werde das selbstverständlich auch weiterhin tun, weil der dieser Antrieb die Zukunft des Verbrennungsmotors darstellt. Mit keinem anderen alternativen Antrieb schafft man die Dekarbonisierung so einfach und vor allem so bezahlbar wie mit CNG aus erneuerbarem oder synthetischem Methan. Was ist das Hindernis? Die Benachteiligung des CNG-Antriebes gegenüber den Stromern, die CO2-Flottenregulierung durch die EU-Gesetzgebung EU 333/2014, aktuelle Version 2019/631. Das muss sich ändern, nicht nur für den CNG-Antrieb, sondern auch für unsere Arbeitsplätze, die Wertschöpfungskette (den Kraftstoff Biomethan können wir hier produzieren) für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für Europa.

Erdgas ist tot. Lang lebe BioCNG

Ja, das Erdgas-Auto mag tot sein, lange lebe der CNG-Antrieb mit Biomethan (minus 90 Prozent CO2) und e-Gas/efuels! Der CNG-Antrieb ist notweniger denn je, zum Beispiel auch im Lkw- und Busbereich.

Weitere Artikel zum Thema CNG und Kraftstoffe erscheinen in der Autoflotte 4/2020 am 1.4. sowie digital auf autoflotte.de.

Birgit Maria Wöber ist Mitgründerin von gibgas consulting+medien, www.gibgas.de, ein neutrales Beratungsunternehmen, gegründet zusammen mit ihrem Bruder Thomas im Jahre 2000 in München. Mit 20 Jahren Marktbeobachtung hat sie genaue Kenntnis vom Geschehen rund um die CNG-Mobilität. Sie betreibt das europaweit agierende Verbraucherportal für nachhaltiges Fahren von Pkw, Lkw und Bussen mit CNG, idealerweise mit Biomethan aus Reststoffen und Methan aus Überschuss-Strom. Zudem ist sie auch Initiatorin und Mitbegründerin des CNG-Club e. V., einem gemeinnützigen Verein www.cng-club.de.
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