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Von Autoflotte getestet

Opel Vivaro-e - mit Video

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Der Opel Vivaro-e ist von hinten ausschließlich am Logo vom Spender Peugeot Expert und den Derivaten von Citroën und Toyota zu differenzieren.
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E-Transporter wollen Handwerkern, Logistikern und anderen Unternehmern ein Öko-Gesicht verpassen. Wir haben den Vivaro-e mal mit einem echten grünen Daumen gecheckt und einiges entdeckt.

Von Michael Blumenstein

Manche Tage beginnen früh. Auch für Journalisten. Heute startet er um vier Uhr. Denn um fünf Uhr möchte ich Andreas Pilz abholen. Andreas ist seit 20 Jahren Co-Inhaber eines feinen Blumenladens im Herzen München, direkt gegenüber des Wittelsbacher Platzes.

Frühaufsteher

Andreas‘ Tage beginnen stets um 5 Uhr. Denn dann ist die beste Zeit, um im Blumengroßmarkt die schönsten Blumen und Pflanzen zu ergattern. Das wollen wir heute gemeinsam tun – Autoflotte hat das passende Transportmittel dabei. Der Opel Vivaro-e Cargo wartet, voll geladen – bislang nur mit Strom – in der Garage auf seinen ersten artgerechten Einsatz. Bislang durfte er sich nur auf der Langstrecke beweisen – und versagte. Trotz des große Akkus mit einer Brutto-Kapazität von 75 kWh. Den Vivaro-e gibt es mit 50 kWh und eben mit 75. Für die Langstrecke ist die fahrende Schrankwand nur bedingt geeignet. Denn um 250 Kilometer zu schaffen, muss man den Tacho stets unter 110 km/h halten – sofern man den Analogzeiger überhaupt einer exakten Geschwindigkeit zuordnen kann. Hier hilft das Head-up-Display, das unter anderem das Tempo in die Plastikscheibe einspiegelt – aber 300 Euro Aufpreis kostet. Nur dann pendelt sich der Stromverbrauch bei rund 26 kWh ein – im Sommer und ohne Klimaanlage.

Leider ist die Restreichweite-Anzeige sowie Anzeige der Kapazität in Prozent und des Verbrauchs der Klimaanlage so ungenau, dass man hier besser Erfahrungswerte nutzt, als sich auf die Anzeigen zu verlassen. Bei einer Restreichweite von 18 Kilometern konnten wir 57,5 kWh inklusive Ladeverluste tanken. Gefahren sind wir bis dahin 260 Kilometer im gemischten Betrieb. Das Gute: Wer die Parameter auf opel.de in die E-Mobilitäts-Berechnungsmatrix eingibt, erhält tatsächlich sehr realistische Reichweitenangaben. Im reinen Stadtbetrieb geht der Verbrauch auf etwas mehr als 20 kWh/100 Kilometer runter.

Schnelle Ladezeiten sind das A und O

Für Andreas ist die Reichweite ebenfalls relevant. Denn nicht selten hat er Aufträge in Österreich und damit sind auch Strecken von einfach 400 Kilometern nötig. Diese bedingen in jedem Fall einen Ladestopp am Hypercharger. Hier kann der Vivaro-e mit 100 kW Maximalwert aufwarten. Das ist ein durchaus guter Wert, jedoch ist die Haltedauer des schnellen Stromflusses arg begrenzt. So geht dem Vivaro-e bereits nach ein paar Minuten die Luft aus und die Lade-Geschwindigkeit sinkt auf 60 kW. Ein Wert, der in unserem Test im Mittel realistisch ist und mit dem gerechnet werden kann. Damit sind auf der 400-Kilometer-Distanz entweder ein 45-Minuten-Stopp oder zwei 20-minütige nötig.

Je nachdem, wie die Ladesituation am Zielort aussieht, kann ein weiterer eben hinzukommen. Und genau das ist das Problem, wenn Zeit Geld ist, wie Andreas es formuliert: "Zwischenstopps sind bei uns einfach nicht in den Tagesablauf integrierbar. Und wir wissen oft nicht, ob eine Lademöglichkeit am Zielort vorhanden ist, die wir nutzen können, während wir ausliefern und die Location präparieren. Das ist aus ökonomischer Sicht leider nicht drin." Andreas und sein Team fahren seit rund drei Jahren einen Mercedes Vito, zuvor VW Transporter, bisher immer Diesel. "Nicht die beste Lösung", wie er uns sagt. Die vielen Kurzstrecken in der Stadt sind gerade für den Diesel ungeeignet und das schlechte Gefühl fährt irgendwie auch immer mit.

Panicum, grün und schön

Wir haben im Großmarkt die eine volle Ladung Panicum (siehe Fotos) gekauft und machen uns nun zurück zum Blumengeschäft. Der große Vorteil dort: Eine Wallbox im kleinen Innenhof gibt es bereits. Nur das Rangieren erweist sich mit einem Wendekreis von 12,9 Metern als mühsam. Dass der Vito denselben hat, wurde wohl noch nicht bemerkt. Das Laden wäre also hier kein Problem und bei jedem Stopp an der home base ist der Typ-2-Stecker schnell verbunden und die Kraft fließt zurück in den Vivaro-e. "Das ist natürlich superkomfortabel und wir sparen uns die Fahrten zur Tankstelle", goutiert Andreas die "Kraftstoffzufuhr". Dass der Ladeanschluss vorne links angebracht ist, stört in seinem Fall nicht. Dass zum AC-Laden abgesperrt werden muss, hingegen schon. Zudem ist es nicht verständlich, dass das Fahrerhaus nicht verriegelt werden kann, so lange der Laderaum geöffnet ist. Da hat jemand nicht mitgedacht. Jetzt geht es aber erst einmal ins Geschäft. Es muss die Neuwaren angeschnitten, gesäubert und drapiert werden.

"Regionalware und fair trade sind uns sehr wichtig und wir kaufen, wo immer möglich, die Blumen und Pflanzen aus dem Umland." Das kostet zwar im Einkauf mehr, zahlt sich aber oft auch mit besserer Qualität für den Kunden wieder aus. "Und wenn wir nicht auf die Umwelt achten, darf man es auch nicht von Menschen erwarten, die mit der Natur nicht täglich in Berührung kommen", fasst es Andreas kurz zusammen. Auch aus diesem Grund wäre es ihm lieb, auf E-Mobilität umzustellen, wohlwissend, dass nicht alles Grün ist, an der E-Mobilität.

Die Hoffnung ist dann auch, dass der E-Transporter vielleicht ein paar Jahre länger hält als ein Diesel und vor allem auf den doch oft kurzen Strecken keinerlei Abgase ausstößt. "Spaß macht am Vivaro-e vor allem das Fahren in der Stadt. Diese Ruhe ist entspannend." Doch auch der Antritt begeistert. 136 PS hören sich bei einem 2,1 Tonnen schweren Transporter nicht viel an. Doch die 260 Newtonmeter Drehmoment stehen eben sofort an, wenn die Ampel auf Grün springt und der Vivaro-e ist meist ganz vorne mit dabei. "Der Wagen vermittelt Leichtigkeit". Wie oft hat man das bislang von einem Transporter behauptet?

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Nicht ganz überzeugen wollen die Sitze und die Sitzposition, was ein subjektiver Aspekt ist. Immerhin sind diese flexibel nutzbar, als Tisch, als Klemmbrett sowie "Geheimversteck" und Durchreiche. Objektiv schlecht ist hingegen der FM-Radioempfang. Digitalradio – mittlerweile Standard in jedem neu zugelassenen Pkw, kostet bei den Nutzfahrzeugen noch immer extra (170 Euro). Ebenfalls nicht Stand der Technik ist die Fernlichtautomatik, die deutlich zu spät reagiert – in beide Richtungen. Gut ist dagegen das Xenonlicht. Richtig gelesen. Der Vivaro leuchtet gegen Aufpreis (1.300 Euro im Paket) noch immer mit Gasentladungslampen. Das ist aber kein Manko, denn die Lichtausbeute ist gut und die Lichtverteilung sehr sauber und homogen. Das schaffen nur wenige LED-Scheinwerfer im "Niedrigpreis-Segment". Das hat Andreas zwar nicht testen können. Dafür aber bemerkt, dass es an einer sinnvollen Ablage fürs Smartphone mangelt, gerade dann, wenn man Apple Carplay nutzen möchte und am Kabel hängen muss.

Das Fazit? "Der Vivaro macht als Elektroversion vor allem im Stadtverkehr superviel Spaß. Diese Leichtigkeit kannte ich bisher von keinem meiner Transporter. Und diese Ruhe erst recht nicht. Das ist klasse. Aufgrund unseres Fahrprofils werde ich aber wohl doch noch auf die nächste Generation warten. Dann sind entweder die Ladepausen kürzer oder die Reichweite ist höher."

Das können wir verstehen. Für Betriebe, die jedoch viel im urbanen Einsatz unterwegs sind, taugen die aktuellen E-Versionen von Opel Vivaro, Peugeot Expert, Citroen Jumpy und Toyota Proace. Die Vierlinge sind fast eineiig, was im Falle des Opel durch den Herstellernamen im Fahrzeugschein untermauert wird: Peugeot Vivaro. Schlimm? Keineswegs. Im Endeffekt geht es meist eh um den bestens Preis oder den Händler um die Ecke. Wobei letzterer die E-Versionen nicht unbedingt als Bereicherung des Geschäftes ansehen wird.

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