30 Jahre Ford Ka: Kanten vs. Kulleraugen

10.05.2026 02:58 Uhr | Lesezeit: 2 min
Aufwertung – Ab 1999 ist der Ford Ka optional mit elektrischem Faltschiebedach und in Wagenfarbe lackierten Stoßfängern im Angebot.
© Foto: Ford

Ford ohne Kleinwagen kriselt, ob der Konzern das Rad 30 Jahre zurückdrehen sollte? Damals demonstrierte der Ford Ka, zu welch großen Stückzahlen ein winziges Designwunder auflaufen kann.

Heute sind es vor allem nutzwertige Transporter wie der Transit, die Ford in Europa Erfolg bringen. Da mutet der Blick in die 1990er Jahre fast nostalgisch an, damals als der erste Ford Focus als zeitweise meistverkaufter Pkw der Welt Geschichte schrieb und der kleine Ford Ka ab 1996 als charismatischer Anti-Twingo und Kunstobjekt Kultstatus gewann.

Tatsächlich waren es die rundlich gestylten Mini-Flitzer Fiat Cinquecento und der obendrein aus niedlichen Kuller-Scheinwerferaugen schauende Renault Twingo, die 1992 den Entwicklungsstart des 3,62 Meter kurzen Klassenkollegen Ford Ka initiierten. Obwohl sich der Ka aus Kostengründen wesentliche Teile seiner technischen Architektur mit dem größeren Ford Fiesta teilte, kreierte Europa-Designchef Claude Lobo einen Kleinstwagen, wie es so noch keinen gab, mit scharfen Kanten, dreieckigen Elementen, Rundbögen und unlackierten Kunststoffstoßfängern. „New Edge Design“ nannte Ford diese polarisierenden Konturen, die zum Hingucker avancierten und den Ka mit Coolness aufluden – im Kontrast zum kuscheligen Kindchenschema der etablierten Stadtautos.

Ka: Ford-Management wagte den Serienstart

Claude Lobo hatte sich nach eigener Aussage von der Idee des Ur-Mini inspirieren lassen: Der Ka sollte wie der Engländer einen unvergleichbaren Auftritt zeigen, der das sonst übliche spätere Midlife-Facelift überflüssig machte. Nachdem die Publikumsresonanz auf einen 1994 gezeigten Ka-Prototyp positiv war, wagte das Ford-Management den Serienstart – und wurde belohnt. Der Ka avancierte zum Millionseller, wurde von Künstlern veredelt, überraschte als Roadster Streetka und festigte Fords vorübergehenden Nimbus als Designmarke. Jetzt erreichen frühe Ford Ka den Oldtimerstatus, ohne so alt auszusehen.

Mit dem in Spanien gebauten Fiesta hatte sich Ford ab 1976 einen Ruf als Spezialist für moderne Kleinwagen erworben, 20 Jahre später sollte der Ka diese Expertise auf „eine neue eigene Klasse übertragen, das Sub-B-Segment“, wie eine Pressemitteilung großspurig erläuterte. Wirklich neu waren diese Minicars nicht – sogar damals bereits angejahrte Design-Ikonen wie der 3,40 Meter kurze Fiat Panda von 1980 und sein Seat-Klon Marbella zeigten noch Flagge. 

Aber von den Deutschen hatte bislang keiner den Mut gehabt, eine der vielen Stadtauto-Studien wie VW Chico oder den Opel Maxx in Serie zu bringen. Anders Ford, die Kölner machten aus einer leicht rundlichen und aus Froschaugen blickenden Ka-Studie von 1994 ein Volumenmodell, dessen formale Kanten und Schwünge den Zeitgeist ins Herz trafen. Für Chef-Couturier Claude Lobo das Signal, den größeren Ford Focus 1998 in noch eigenwilligeren New-Edge-Konturen zu inszenieren und tatsächlich: Der Focus wurde Weltmeister als zeitweise global meistproduzierter Pkw.


30 Jahre Ford Ka

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In den Städten waren in den 1990ern zunehmend Stauqualitäten gefragt, Komfort musste nun auch in Kleinwagen sein, zugleich schickes Design für den Auftritt vor Boutique, Shoppingcenter, Schule und Kindergarten: Charmante Minicars waren en vogue, sperrige SUV als Kindertransporter noch Zukunft. Renault hatte dazu das Van-Konzept ins Format des Twingo mit 2,35 Meter Radstand geschrumpft, Ford versuchte mit dem Ka einen anderen Weg. Dank des unverändert vom Fiesta übernommenen Radstands (2,45 Meter) bot der äußerlich um 20 Zentimeter gekürzte Ka innen genügend Raum für alle Kurzstreckenaufgaben und gleichzeitig ein agiles Fahrverhalten, das Fachjournalisten zum gern genutzten Gokart-Vergleich animierte.

Dafür genügten dem nur gut 940 Kilo wiegenden Ka anfangs 37 kW/50 PS oder 44 kW/60 PS: Vergleichbare Fiesta oder VW Polo waren beim Ampelsprint chancenlos, und den Mini Cooper scheuchte der Ford von der linken Autobahnspur. Eigentlich aber war der Ka nicht zum Rasen gedacht – auch wenn die Briten eine Nachwuchsrennserie auflegten – sondern zum Fahren im flotten Flow der Musikhymnen, die aus dem stylischen Ford-Radio 6000 klangen: An der Spitze der deutschen Charts standen 1996 Los del Rio mit "Macarena", Fool’s Garden mit "Lemon Tree" und Faithless mit "Insomnia", nicht zu vergessen die Welthits wie "Wannabe" der Spice Girls.

Ford wusste, wie Kleinwagen-Erfolg geht

Ford wusste damals, wie Kleinwagen-Erfolg geht, vielleicht weil der Fiesta als Frauenversteher, Sportler und Kunstobjekt den Weg gezeigt hatte. Als Goldener Vogel von HA Schult war der Fiesta ein gefeiertes Kölner Art Car, und der Ford Ka im vielfach preisgekrönten New-Edge-Design sollte diesen Weg wiederholen. Ford baute deshalb einen schrillen Ka Pickup, der in Regenbogenfarben bei Paraden wie dem Kölner Christopher Street Day für Furore sorgte. Der britische Künstler Rob Scott realisierte die Kunstinstallation „Kaquarium“, die in Restaurants auf Tournee ging; in Barcelona begeisterte eine 270 Meter lange Skulptur aus Ford-Ka-Teilen, in den Niederlanden gestalteten Künstler zwölf unterschiedliche Art Cars, die in kleiner Serie gebaut wurden – und in Deutschland war es einmal mehr der Künstler HA Schult, der 50 „Kugel Ka“ mit Weltkugel und Kölner Motiven gestaltete sowie fünf "Loveletter Ka", die von der Deutschen Post verlost wurden. So viel Kunst-Hype konnte nicht einmal Renault um den Twingo generieren.

Gleiches galt für die Sondermodelle: In rund 40 Editionen gab es den Ka, das war Rekord im Segment der Stadtflitzer. Vom Ka Color Line, über den Goldbären-Ka, Lufthansa-Ka und Ka-Ribik bis zum Capri reichte die Palette. Neues Begehren weckten 2003 der 70 kW/95 PS starke Sportka und der bei Pininfarina realisierte Roadster Streetka. Nur in kleiner Auflage entstanden allerdings Antriebsspezialitäten wie ein Erdgas-Ka, und der elektrische e-Ka blieb ein Prototyp.

Ka benötigte kein Facelift

Designer Lobos Prognose stimmte: Der Ka benötigte kein Facelift, um zwölf Jahre frisch zu bleiben; kleine Kosmetik wie in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger genügte, um neuen Konkurrenten wie dem VW Lupo Kontra zu geben. Nicht einmal schlechte Platzierungen in Pannenstatistiken bremsten den Absatz des Ka ein – und so legte Ford nach knapp 1,5 Millionen Einheiten 2008 eine zweite, vollkommen neue Generation des Ka auf.

Diesmal reduzierte Ford die Entwicklungskosten durch eine Kooperation mit Fiat: Auf der Architektur des Panda entstanden der Fiat 500 und der 3,62 Meter kurze zweite Ka; beide wurden gemeinsam in einem Werk in Polen produziert. Zum coolen Designobjekt taugte der unter Martin Smith im neuen, beliebigeren Kinetic-Design gezeichnete Ka II nicht mehr, dieses Schicksal teilte der kleinste Ford mit dem zweiten Renault Twingo.

Aber der in frisch-bunten Farben angebotene Ka bot eine Basismotorisierung zu Preisen von unter 10.000 Euro, optional gab es erstmals Diesel, das genügte im dichter besetzten Konkurrenzumfeld für respektable Absatzzahlen. Als jedoch 2016 der dritte, auf fast vier Meter gewachsene und fünftürige Ka+ aus indischer Produktion mit einem Allerweltsdesign vorfuhr, konnte er neben dem kaum größeren Fiesta nicht länger punkten. Trotzdem stimmte das 2020 verfügte Aus für diesen Mainstream-Ka viele Ford-Fans traurig – wohl, weil es wehmütige Erinnerungen an die Designrevolution von 1996 weckte.

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