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Ablenkung im Straßenverkehr: Unfallforscher warnen

Laut einer 2020 durchgeführten Studie ist Unachtsamkeit der Auslöser für jeden zehnten Autounfall mit Verletzten.
© Foto: Dekra

Telefonieren, Whatsappen, Instagramen – im Straßenverkehr eher Alltag als Ausnahme. Dekra-Unfallforscher schlagen nun Alarm und beziehen Radler und Fußgänger mit ein.


Datum:
18.08.2022
Autor:
Michael Blumenstein
Lesezeit:
6 min
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Egal ob im Firmenwagen, auf dem Rad oder zu Fuß: Unfallforscher Luigi Ancona von der Dekra weiß, dass "die Anforderungen an uns als Verkehrsteilnehmer so komplex sind, dass wir unsere volle Aufmerksamkeit brauchen, wenn wir sicher nach Hause kommen wollen. Im Verkehrsgeschehen funktioniert ‚Multitasking‘ absolut nicht." Und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Auch wenn sich viele für den besten Autofahrer halten, werden die meisten Vielfahrer bestätigen, dass das Handy und die Bedienung des Fahrzeugs ein immenses Ablenkungsrisiko darstellen. Assistenzsysteme in modernen Firmenwagen kompensieren häufig die Unachtsamkeit des Fahrers, halten die Spur für einen, bremsen ab, wenn es das vorausfahrende Fahrzeug tut, sehen Fußgänger in der Nacht, bevor es das eigene Auge erblickt und melden den herannahenden Wagen, weil man den Schulterblick für entbehrlich hält. Mit aufmerksamer Fahrweise hat das Fahren auf unseren Straßen häufig kaum noch etwas zu tun. 

Mehr als 413.000 registrierte Handyverstöße

Laut einer 2020 durchgeführten Studie des Münchener Allianz Zentrums für Technik ist Unachtsamkeit der Auslöser für jeden zehnten Autounfall mit Verletzten. Daraus schlussfolgern die Techniker, dass Ablenkung im Straßenverkehr zu mehr Getöteten führt als Alkohol. Seit 2021 wird in der amtlichen Statistik erstmals Ablenkung als Unfallursache ausgewiesen, auf die offiziell zwei Prozent der Unfälle mit Personenschaden entfallen, 0,3 Prozent auf die Nutzung elektronischer Geräte.

Kaum verwunderlich, dass Ancona ausführt, dass man von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen müsse. Interessant: Bei einer Verkehrsbeobachtung der Dekra bereits vor fünf Jahren waren im Schnitt sieben Prozent der Autofahrer durch ihr Handy abgelenkt – nicht eingerechnet die Personen, die sich ums Einstellen der Heizung, die richtige Musik oder das Naviziel in den teils wirren Menüs der Fahrzeug-Infotainmentsysteme kümmerten.

Das angedeutete Problem wird mit Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) unterfüttert: 2020 wurden in Deutschland mehr als 413.000 Handyverstöße registriert und geahndet, obwohl sie nur einen Teil aller Ablenkungsfälle erfassen. Wer am Steuer ein elektronisches Gerät vorschriftswidrig nutzt, muss übrigens mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt "in Flensburg" rechnen, bei Gefährdung oder Unfall gar mit bis zu 200 Euro und zwei Punkten.

Augen zu und durch 

"Wer würde am Steuer eines Fahrzeuges freiwillig für mehrere Sekunden die Augen schließen? Sicherlich die allerwenigsten von uns", so der Dekra-Unfallforscher weiter. Dennoch können es sich viele nicht verkneifen, beim Fahren ihre Nachrichten zu checken, selbst wenn mit Apple Carplay und Android Auto eine Vorlese- und Diktierfunktion mit an Bord ist.

Bei Tempo 80 legt der Wagen innerhalb von drei Sekunden (also "dem kurzen Blick aufs Handy") annähernd 70 Meter zurück. Doch selbst das Telefonieren mit der Freisprecheinrichtung lenkt vom eigentlichen Tun, dem Fahren, ab. Gespräche mit Mitfahrern, das Essen und Trinken sowie Rauchen während der Fahrt sind weitere Ablenkungsgelegenheiten.  

Ohne Abstriche gilt das laut Studie auch für Fußgänger und Fahrradfahrer. Ihnen drohen bei Kollisionen in der Regel erheblich schwerere Verletzungen als den besser geschützten Autofahrern, weshalb Kopfhörer, vor allem die großen "over-the-ear" mit Geräuschunterdrückung für besseren Musikgenuss, im Straßenverkehr nichts zu suchen haben. Wer beim Radfahren telefoniert, fotografiert oder Nachrichten verschickt, begeht übrigens ebenfalls einen Verkehrsverstoß, der mit 55 Euro Verwarnungsgeld geahndet werden kann, bei Gefährdung steigt der Satz auf 75 Euro.

Übrigens: Laut Dekra Roadsafety-Studie gehören Menschen zwischen 18 und 24 Jahren neben der Altersgruppe "65 plus" (und Motorradfahrern) zu den Hochrisikogruppen im Straßenverkehr. Während jedoch die junge Altersgruppe in Deutschland auf einen Anteil von 6,1 Prozent kommt, sind laut Statista (die einzigen, die exakt diese Altersgruppen aufsplittern) 18,44 Prozent der Menschen hierzulande 65 Jahre und älter.

 

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