-- Anzeige --

Alles aus zwei Welten

Felix Gebhart übernahm die Verantwortung fürs Flottengeschäft bei Mazda mitten in der Pandemie. Was das für ihn bedeutet und was er vorhat, verrät er in unserem Gespräch in Leverkusen.


Datum:
07.06.2021
Autor:
rs
NOCH KEINE Kommentare

-- Anzeige --

Der Vertriebs- und Flottenchef eines Importeurs zu werden, ist sicherlich eine große Chance für viele Vertriebler. Wenn dieser Karriereschritt aber mitten in einer Pandemie geschieht, dann wird es euphemistisch gesprochen herausfordernd. Felix Gebhart hat diese Herausforderung angenommen. Der enge Draht zum Handel half dabei, sich trotz der schwierigen Bedingungen freizuschwimmen.

Gebürtig aus Ingolstadt, aber seit 16 Jahren bei Mazda und zuletzt für die Händlernetzwerke zuständig, wie nehmen Sie als "durch und durch Automanager" die aktuelle Zeit wahr?

Felix Gebhart: Dreh- und Angelpunkt unseres Geschäfts ist der Handel und der hatte ja seine Restriktionen aufgrund der Pandemie. Im Vergleich zum ersten Lockdown sehen wir aber eine deutliche Verbesserung im Umgang mit der Situation. Herausfordernd ist die starke Nachfrage im letzten halben Jahr speziell nach Plugin-Hybrid-Modellen, was die Diskussionen bei Anschlussgeschäften für die Händler aktuell komplexer macht. Zudem ist die Neukunden-Akquise unter Gewerbekunden generell unter den Corona-Bedingungen deutlich schwieriger geworden.

Was bremst hier am meisten?

F. Gebhart: Es sind nicht mal die unterschiedlichen Konditionen, die hier im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die eingeschränkte Möglichkeit, Kontakte aufzubauen, da viele Fuhrparks ihre vorhandenen Flottenbeziehungen einfach verlängern.

Welche Produkte helfen dennoch, mit Neukunden ins Gespräch zu kommen?

F. Gebhart: Wir haben unser erstes vollelektrisches Modell, den Mazda MX-30, das wir über unser Fleet-Team vielen Firmen für Probefahrten zur Verfügung stellen können. Das hat gut funktioniert, da wir diese oftmals neuen Kunden mit für die Marke neuen Kaufargumenten ansprechen konnten. Um andererseits die Bestandskunden zu halten, braucht es zum einen alternative Antriebe wie den Stromer und künftige Plug-in-Hybride, aber auch einen ausgezeichneten Service und den engen Kontakt zum Händler vor Ort.

Den CO2-Druck seitens der Flotten spüren andere Importeure auch und sie können mit den kurzen Lieferzeiten ihrer E-Modelle punkten. Wie lange muss ich auf einen MX-30 warten?

F. Gebhart: Gestartet sind wir im Herbst 2020 und haben bis Jahresende 3.700 Einheiten verkauft. Für den MX-30 gilt immer noch: Er ist sofort verfügbar. Das war und ist unser Trumpf.

Wie sieht der Motoren-Mix der konventionellen Antriebe aus, da beispielsweise der Mazda3 und der CX-30 keinen Selbstzünder mehr bieten?

F. Gebhart: Heute sind die Fragen wie ist dein Fahrprofil und wie ist dein Einsatzzweck entscheidender denn je. Wir hatten dazu immer Diesel im Angebot und haben es beim CX-5 immer noch. Außerdem stellen wir bald eine neue Dieselmotorengeneration für zukünftige größere Fahrzeuge vor. Da sowohl beim Mazda3 als auch beim CX-30 die Nachfrage nach einem Diesel immer geringer wurde, haben wir an diesem Punkt nun die Komplexität aus dem Programm genommen. Mit dem nochmals verbesserten 2,0-Liter-e-Skyactiv-X-Motor bieten wir bei diesen Baureihen aber eine einzigartige Benziner-Alternative, die in puncto WLTP- CO2-Emissionen sogar besser ist als hubraumgleiche Diesel unserer Wettbewerber.

Dass Mazda durchaus den konventionellen Motoren eine Wandelfähigkeit attestiert, zeigt sich am Engagement für die synthetischen Kraftstoffe namens e-Fuels. Da ist man allerdings noch fast allein auf weiter Flur.

F. Gebhart: Wir sind der e-Fuels-Alliance beigetreten, da wir auch die synthetischen Kraftstoffe als eine Option sehen, den CO2-Ausstoß bei den Bestandsfahrzeugen schnell zu senken. Durch unseren Multi-Solutions-Approach geben wir uns in dieser Frage bewusst technikoffen - sprich, wir bieten vom Diesel und Benziner über den Plug-in-Hybriden bis zum batterieelektrischen Fahrzeug alles an.

Wie lang wird es diesen Spagat von alter und neuer Technik noch geben?

F. Gebhart: Gerade der Ausbau von Ladeinfrastruktur im ländlichen Gebiet wird meiner Ansicht nach noch einige Zeit dauern. Deshalb wird es diese zwei Welten geben, solange das flächendeckende Laden nicht überall funktioniert, um die individuelle Mobilität sicherstellen zu können.

Spielt dabei gerade für ein japanisches Unternehmen die Wasserstofftechnik als Antriebsart eine Rolle?

F. Gebhart: Mazda hat sehr früh an der Brennstoffzellentechnik geforscht, was zuletzt die Wasserstoff-Flotte des RX-8 in Norwegen gezeigt hat. Wenn die Zeit dafür reif ist, werden die Ingenieure in Japan sehr schnell etwas vorzeigen können. Das hat Mazda immer bewiesen: Man ist dann am Start, wenn die Zeit gekommen ist.

Ist demnach der MX-30 nicht doch etwas spät gekommen?

F. Gebhart: Wenn wir uns den Anstieg der Verkäufe anschauen, dann ist er sicherlich nicht zu spät gekommen. Denn erst durch die massive Förderung ist der Verkauf von E-Fahrzeugen richtig angesprungen.

Die Mazda-interne Förderung von konventionellen Modellen war der Mehrwert-Bonus. Wie erfolgreich lief dieser bei den Flottenkunden und wird es diese Aktion nochmal geben?

F. Gebhart: Der Corona-Lockdown hat das erste Quartal bestimmt, sodass wir Akzente setzen mussten. So hatten wir die Einführung der Sondermodelle auf Ende April verschoben und im ersten Quartal den Mehrwert-Bonus eingeführt. Damit haben wir auch im Gewerbemarkt Boden gutmachen können. Gerade den CX-30 sehen wir als Ergänzung zum CX-5 als wichtiges Modell für die Gewerbekunden.

Wie sieht die Leasingquote bei Mazda aktuell aus?

F. Gebhart: Beim Leasing geht der Trend schon seit einigen Jahren nach oben. Aktuell sind wir bei über 40 Prozent. Zum Kauf tendieren unsere Kunden im Moment weniger stark, aber die Laufzeiten haben sich in den letzten Jahren schon verkürzt, da sich auch am Fahrzeugmarkt sehr viel tut und man immer die neuesten Modelle haben möchte. Die Full-Service-Verträge, die wir über die Mazda Finance (Santander Bank) anbieten, werden ebenfalls verstärkt nachgefragt. Bei beiden Themen sind wir aber noch nicht auf dem Niveau, auf das wir hinwollen.

Der Konkurrent Renault bietet über seine Händler zusammen mit Vive la car ein Auto-Abo an. Kamen Mazda-Händler mit der Idee auch schon zu Ihnen?

F. Gebhart: Es gibt bereits einige Händler, die über solche Plattformen ein Auto-Abo anbieten. Wir haben ja früher schon in dem Bereich selbst Erfahrungen gesammelt mit Kurzzeit-Leasing. Damals war der Markt für ein solches Produkt aber noch nicht reif. Wir haben die Nachfrageentwicklung im Auge, um auch hier die Schritte zu setzen, wenn die Zeit reif ist.

Mit dem MX-30 bringt Mazda die Elektromobilität in die Flotten. Wie stellt man einen Elektro-Fuhrpark vollends glücklich?

F. Gebhart: Jede Art von Feedback schlägt zunächst beim Händler beziehungsweise bei unseren drei Flotten-Key-Accounts auf. Unabhängig von der Antriebsart steht und fällt diese Zufriedenheit mit dem Service und dabei mit den Kernpunkten: Erreichbarkeit, Ansprechbarkeit und Geschwindigkeit. Beim Thema Unterwegs-Laden haben wir eine Kooperation mit E.on und bundesweit einheitliche Tarife für die Mazda-Flottenkunden.

Welche Absatzzahlen haben Sie für Ihr erstes volles Jahr als Mazda-Flottenchef geplant?

F. Gebhart: Für 2021 haben wir 46.000 Einheiten anvisiert, wovon der Gewerbeanteil zirka 20 Prozent ausmachen wird, mit den Chancen im kommenden Jahr dies weiter auszubauen.

Herzlichen Dank, Herr Gebhart, für das Gespräch.

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

WEITERLESEN




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Autoflotte ist die monatlich erscheinende Fachzeitschrift für den Flottenmarkt im deutschsprachigen Raum. Zielgruppe in diesem wachsenden Markt sind die Fuhrpark-Entscheider in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen mit mehr als zehn PKW/Kombi und/oder Transportern. Vorstände, Geschäftsführer, Führungskräfte und weitere Entscheider greifen auf Autoflotte zurück, um Kostensenkungspotenziale auszumachen, intelligente Problemlösungen kennen zu lernen und sich über technische und nichttechnische Innovationen zu informieren.