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asd RD GmbH: E-insatz im hohen Norden

Dienstbesprechung bei der asd RD GmbH in Hohenwestedt – das bedeutet: Fast alle Stromer sind gleichzeitig auf dem Firmengelände.
© Foto: Susanne Löw

Michael Opitz bietet mit seiner asd RD GmbH ambulante sozialpsychiatrische Hilfe in Mittelholstein/Kiel. Fast jedes vierte Fahrzeug fährt elektrisch, bis zu 80 Prozent des Stroms liefert die Photovoltaik-Anlage.


Datum:
02.03.2022
Autor:
Susanne Löw
Lesezeit: 
5 min
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Dieser Artikel ist Teil des Autoflotte-Themenspezial "Pflegedienste 2022" - mit freundlicher Unterstützung von Raiffeisen IMPULS Leasing.

Michael Opitz (65) muss oft erklären, was die "ambulante sozialpädagogische Dienste RD GmbH" (asd RD GmbH) macht, die er 2004 in Hohenwestedt gegründet hat. Seine kürzeste Antwort: "Was ein ambulanter Pflegedienst für den Körper bewerkstelligt, leisten wir für Seele und Geist." Kein Wunder, dass Erklärungsbedarf besteht - ambulante sozialpsychiatrische Assistenz kennen im Gegensatz zu ambulanter Pflege nicht viele. Opitz bezeichnet sich als privater Träger in diesem Bereich selbst als Exot.

60 Angestellte arbeiten für ihn: Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Gesundheits-, Krankenpfleger mit der Spezifikation "Psychiatrie" und Verwaltungskräfte. Sie leisten aktuell für etwa 340 Menschen in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde/Plön (daher "RD" im Firmennamen) sowie in den Städten Kiel und Neumünster qualifizierte sozialpädagogische Assistenz. Jährlich legt jedes Firmenauto bis zu 15.000 Kilometer zurück, an dessen Heck jeweils eine kleine Sonnenblume als dezentes Firmenlogo klebt. Trotzdem zu auffällig für einige Klienten, die teils aus Scham darum bitten, die Blume abzudecken, damit niemand den Hausbesuch mitbekommt. "Dafür haben wir immer eine schwarze Folie im Auto", so Opitz.

Die Besuche der asd-RD-Profis sollen Menschen mit körperlicher, vor allem aber seelischer oder geistiger Behinderung helfen, ihren Alltag zu bewältigen. "Das kann auch Fahrten zu Ämtern und Ärzten beinhalten, Hilfen bei bürokratischen Problemen oder Gespräche gegen Einsamkeit und Verwirrung", erläutert Opitz. "Haushaltshilfe zählt nicht dazu." Etwa zwei Drittel der Klienten sind weiblich, ihr Alter reicht von 18 bis 75, vor allem Ende 20- bis Ende 40-Jährige sind darunter.

Zentrale zwischen den Küsten

Opitz gibt gerne Gas: Nach abgebrochenem Lehramtsstudium, Ausbildung als Landschaftsgärtner und Erzieher studierte er mit 30 soziale Arbeit. Drei Jahre später startete er als angestellter Sozialpädagoge und beschloss 2004, sich mit ambulanter sozialpsychiatrischer Arbeit neben all den gemeinnützigen Trägerverbänden selbstständig zu machen. "Ich habe damals nur mit Handy und meinem Privatfahrzeug angefangen, kurz darauf hatte ich ein vierköpfiges Team", erinnert sich Opitz. Zwei Jahre später baute er den Verwaltungssitz in Hohenwestedt, direkt nebenan das Eigenheim für seine Familie mit vier Kindern.

Aufs Ganze ging der Auto-Liebhaber auch beim Fuhrpark. Die asd-RD-Flotte umfasst 45 Pkw, davon zwölf E-Autos und 33 Verbrenner, die zu 80 Prozent von VW kommen. Anfangs hat Opitz die Fahrzeuge geleast, schnell hat er aber das Flottenmanagement selbst in die Hand genommen. Denn: "Was die Leasingbanken verdienten, wollte ich selbst verdienen." Kauf, Verkauf, Werkstatt, Versicherung - Opitz kümmert sich seither um alles selbst."Jede Schraube im Fuhrpark gehört mir", erzählt er über den abbezahlten Kauffuhrpark, für den er seit Corona Vier- statt Zweitürer erwirbt, da so die pandemiegerechte Sitzordnung - vorne links und hinten rechts - besser eingehalten werden kann.

Ein Händchen fürs Finanzielle beweist Opitz auch bei der Kfz-Versicherung: 16.000 Euro kostet ihn die Haftpflicht mit Teilkasko ohne SB sowie Vollkasko mit 500 Euro SB für alle 45 Autos im Jahr. Schäden? Selten. "Ich motiviere das Team, sorgsam mit den Fahrzeugen umzugehen, weil sie unsere Visitenkarte sind und weil gepflegte Autos meinem sozialpsychiatrischen Selbstverständnis entsprechen", so Opitz. "Wir vermitteln unseren Klienten ein Gefühl für ihren eigenen sozialen Wert - das muss sich auch in unseren Fahrzeugen widerspiegeln." Die nur dienstlich genutzten Pkw sind den Vollzeitkräften fest zugeordnet. Die Belegung wird in einem Onlinekalender geplant.

PV-Anlage fürs Firmendach

Schnell von null auf 100 schaltete Opitz auch beim Thema E-Mobilität:"Ich war früh davon fasziniert, habe aber auf Modelle mit höheren Reichweiten gewartet." Anfang 2020 stieg er dann mit einem VW E-Up, einem Skoda Citigo e iV und einer 22-kW-Ladesäule ein. Nach einem knappen Jahr merkte Opitz: Stromern bei asd-RD funktioniert. Daher hat er den E-Fuhrpark um zehn weitere E-Modelle aufgerüstet und eine 30-kW-Peak-Photovoltaikanlage auf rund 200 Quadratmetern auf dem Dach des Verwaltungssitzes in Hohenwestedt installieren lassen, die seit Ende 2020 in Betrieb ist. Das Ziel damals: den Standort komplett auf Elektromobilität umstellen. Status heute: Ziel erreicht.

An den anderen Standorten sind Verbrenner im Einsatz - bis auf eine Ausnahme: Auf dem Privatgrundstück einer Mitarbeiterin in Rendsburg hat die asd RD einen Stellplatz gemietet und eine Wallbox errichtet. Das E-Zentrum der asd RD GmbH bleibt aber Hohenwestedt. Auch wenn der Norden nicht für Rekordwerte bei Sonnenstunden bekannt ist: Das 25-Grad-Dach und die unbebaute Umgebung sorgen für einen enormen Energieertrag."Bei schlechtem Wetter ist die Ausbeute mager, aber im Sommer sorgt unsere PV-Anlage teils für einen Autarkie-Grad von 80 Prozent beim Ladebedarf des Fuhrparks sowie beim Energiebedarf des Verwaltungsgebäudes", bilanziert Opitz.

Den Erfolg einer PV-Anlage konnte Opitz erst bei seinem Nachbarn beobachten, von ihm bekam er damals auch den Kontakt zur Fachfirma. "Die hat unsere Bedingungen analysiert und überzeugende Berechnungen angestellt", erinnert sich der Unternehmer. Auch beim ersten Ladepunkt hatte er noch Beratungsbedarf. "Ab da wusste ich, was wir benötigen: nicht mehr als 11 kW."

Laden bei reduzierter Leistung

Alles eitel Sonnenschein? "Wir haben schnell physikalische Grenzen erreicht," berichtet Jonas Opitz (30). Der jüngste Sohn steht als Assistent der Geschäftsführung bereits in den Startlöchern, um 2023 die Nachfolge seines Vaters anzutreten. "Der Hausanschluss reicht nicht aus, wenn alle E-Autos gleichzeitig laden. Wir haben daher aktuell die Ladegeschwindigkeit reduziert, sodass die Batterien jetzt nicht mehr nach fünf, sondern erst nach zehn Stunden vollgeladen sind."

Kein Problem für die asd RD GmbH, weil die E-Autos am Feierabend immer in Hohenwestedt über Nacht angeschlossen werden."Im Winter haben wir Reichweiten von 170 bis 190 Kilometern, im Sommer bis zu 330 Kilometer - das hat bislang immer gereicht", berichtet Michael Opitz, der als Backup stets ein vollgeladenes E-Auto für spontane weitere Fahrten bereithält. "Die Mitarbeiter waren anfangs skeptisch gegenüber den E-Pkw", erinnert er sich."Heute wollen sie nicht mehr darauf verzichten."

Für Opitz geht die Rechnung auf, nicht nur mit der ökologischen Brille betrachtet oder wegen des positiven Feedbacks. Auch betriebswirtschaftlich: "Wir fahren jetzt günstiger. Bei der Vollkostenrechnung liegen die E-Fahrzeuge aktuell bei 27 Cent pro Kilometer, bei den Verbrennern sind es etwa 4 bis 5 Cent mehr." Bei einer Betrachtung der reinen Verbrauchskosten machen die Strom- nur ein Drittel der Spritkosten aus. Die Haltedauer der E-Autos von fünf Jahren ist nicht nur ökologisch sinnvoller als das verbreitete Zwei-Jahre-Leasing. Denn die Opitz-Familie vermarktet ihre E-Autos über die Treibhausminderungsquote - und erhält mehrere hundert Euro pro Jahr und E-Auto.

Eingliederungshilfe nach SGB IX

"Qualifizierte ambulante Assistenz" wird als begleitende sozialpädagogische Leistung gemäß den Richtlinien der Eingliederungshilfe erbracht, die im Sozialgesetzbuch (SGB) IX (Bundesteilhabegesetz) geregelt ist. Träger der Eingliederungshilfe sind die Gebietskörperschaften. In Schleswig-Holstein sind das die Kreise und kreisfreien Städte, die im Berechtigungsfall die Kosten übernehmen. Laut Michael Opitz führen diverse Gründe dazu, dass Menschen Hilfe beantragen - Tendenz steigend: "Die Komplexität des Lebens und die mediale Vielfalt nehmen zu, auch die ständige Verfügbarkeit von Drogen aller Art verursachen viele Psychosen und daraus folgende Persönlichkeitsstörungen. Und Corona und Quarantänemaßnahmen funktionierten wie ein Katalysator für Störungen, die schon existierten, aber bis dato durch Ablenkung im Alltag kompensiert wurden."


asd RD GmbH | Flotte

  • Kauffuhrpark: 45 Pkw (33 Verbrenner, 12 E-Autos)
  • Modelle (Verbrenner): Skoda Citigo, VW Up, Fiat Panda, Renault Twingo
  • Modelle (E-Fzg.): VW E-Up, Skoda Citigo e iV, Seat Mii electric
  • 8 Ladepunkte (1 x VW-Wallbox "Elli"/22 kW, 7 x Wallbox "Wallbe"/11 kW)
  • Haltedauer: 3 bis 4 Jahre (Verbrenner) bzw. ca. 5 Jahre (E-Autos)
  • Laufleistung: bis zu 15.000 km pro Jahr und Fahrzeug (eigene Dienstfahrzeuge der Geschäftsfführung: bis zu 25.000 km)



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