Wir drehen die Zeit zurück: Frühjahr 2016, Seat präsentiert den Ateca. Ein nicht einmal 4,40 Meter langes Kompakt-SUV, wie es im Buche steht. Gefällig und dennoch wiedererkennbar gezeichnet, ziemlich perfekte Raumökonomie und eine Antriebsvielfalt, die fast jeden glücklich machte – fast.
Cupra Ateca VZ
Ateca: Zehn Jahre im Markt
Spulen wir wieder ins Jetzt: Seat Ateca 2026, noch immer identisch (okay, ein kleines Facelift gab es 2020) und gefällig, mehr denn je wiedererkennbar, perfekte Raumökonomie nach wie vor und noch immer mit einer Antriebsvielfalt, die – zumindest die Verbrennerfraktion – fast glücklich machen kann. Vermutlich war auch aus Seat-Sicht der Ateca so ein Musterschüler, dass sich die Spanier bei der Gründung der Marke Cupra dachten: „Das isser, der erste Cupra.“
Die eigenständige Marke Cupra wurde Anfang 2018 gegründet und Ende 2018 stand das erste Cupra-Modell beim Händler, eben der Cupra Ateca. Ein sanft modifizierter Seat mit Bums. Vorerst gab es den ersten Cupra mit genau einem Motor: 1.984 Kubikzentimeter Hubraum, vier Zylinder, Turbolader, 300 PS Leistung und 400 Newtonmeter Drehmoment. Anno 2018 war das ein Statement – vor allem in seinem Segment. 2026 kann man über diese Werte nur noch schmunzeln. Kompakt-SUV haben nicht selten 400 und mehr PS. Manchmal noch erzeugt durch einen Verbrennungsmotor (Mercedes GLA 45 S mit 421 PS), oft mittels Elektrokraft (Genesis GV60, 490 PS).
Und dennoch beeindruckt der Cupra Ateca nach wie vor mit genau diesem einen Motor. Warum? Weil das im tschechischen Kwasny (im Škoda-Werk) produzierte SUV auf der einen Seite aus der Zeit gefallen scheint und auf der anderen doch so gut hineinpasst. Mal ehrlich: Wer braucht 300 PS? Kein Mensch. Und dennoch dürfte die Motorleistung aller neu zugelassenen Pkw in Deutschland im Jahr 2025 bei etwa 180 PS liegen – im Durchschnitt.
Gucken wir uns den Cupra Ateca als VZ mal genauer an. Den Namenszusatz VZ (steht für veloz = schnell) bekam der Cupra, weil er seit dem Facelift 2020 auch als TDI und TSI mit minimal 150 PS zu haben war/ist und einen 190er-TSI gibt es noch immer. Allen gemein ist: no electrification. Nicht einmal einen Mildhybrid hat der Ateca bekommen – auch im Seat nicht. An den maximal 300 PS hat sich hingegen auch nichts geändert, wenngleich der Cupra Formentor und die Konzerngeschwister mit dem Zweiliter-TSI mittlerweile bis zu 333 PS leisten.
Cupra Ateca VZ: schnell und doch komfortabel
Auf die 33 PS verzichten wir gern. Denn auch so geht es dank 7-Gang-DSG vehement ab Start vorwärts. Verteilt werden die maximal 400 Newtonmeter Kraft je nach Bedarf auf Vorder- und Hinterräder. 50:50 lautet der größte Spagat, den die Lamellenkupplungen des Allradlers ermöglichen. Damit ist Schlupf fast nie ein Thema. Und wenn doch, mit deaktiviertem ASR und ESP und viel Spaß. Fahrdynamisch merkt man dem Ateca an, dass es ein SUV aus der „Gründerzeit“ ist. Er ist zwar bei Bedarf auf dem Rundkurs s..schnell, zeigt das aber auch deutlich mit seiner Schlagseite, je nach Kurvenradius. Auf weit gezogenen Landstraßenkurven und der Autobahn fühlt er sich am wohlsten. Dank serienmäßig adaptivem Fahrwerk kann der Ateca viel wegstecken und bietet trotz der aufpreispflichtigen 20-Zoll-Räder (35er-Querschnitt) ein Maß an Langstreckenkomfort, das man ihm eher nicht zugetraut hätte.
Das DSG, bedienbar mit den heute vermissten, klassischen Automatikwählhebeln mit fühlbaren Rastpositionen und zusätzlich Flügelchen hinterm Lenkrad, schaltet zwar manchmal verzögert oder zu hektisch, doch im manuellen Schaltmodus gelingt es easy, die Schaltintelligenz mit der eigenen zu überstimmen. Das endet meist darin, dass man ab 120 km/h den sechsten oder siebten Gang fährt und somit vielleicht doch noch das eine oder andere Quäntchen Superplus einspart. Denn eins ist gewiss: Ein Kostverächter ist der Cupra Ateca VZ keineswegs. Bereits der Normverbrauch kündigt es an: 9,2 Liter. Autsch. Diesen Wert erreicht man zwar bei Schleichfahrt, doch wer schleichen will, sollte den 150-PS-TSI wählen. Am anderen Ende der Skala kann man spielend die 16 Liter übersteigen. Der 55-Liter-Tank hilft dann auch nicht unbedingt, längere Etappen zu schaffen, als es mit einem E-Auto machbar ist.
Ordentlich gemachter Innenraum im Ateca VZ
Dabei sind längere Etappen grundsätzlich kein Problem für den Ateca VZ. Die Sitzposition ist zwar ungewohnt hoch, die Sitze aber trotz „fehlender“ Schenkelauflagen gut justierbar. Das Platzangebot gehört für die Abmessungen zu den besten überhaupt und so ist ein nicht einmal 4,40 Meter kompaktes Automobil ein perfektes Familienauto. Zudem sind die Materialien prima, die Verarbeitung solide und die Bedienung: vergleichsweise einfach. Drehrollen im Lenkrad, echte Tasten daneben, Spiegelverstellung wie eh und je und auch in der Mittelkonsole lässt sich alles zum Thema Temperatur haptisch bedienen.
Das Infotainmentmenü ist angegraut, das stört in dem Fall aber weniger, als die überfüllten Systeme der Neuzeit verwirren können. Was fehlt, ist lediglich eine Lautstärketaste im Infotainmentsystem. Da toucht der Beifahrer auch mal daneben. In den vielfach individualisierbaren Displays dürften die Schriften etwas größer sein. Der Infoscreen lässt sich auf Fingertipp für Nachtfahrten einfach schwarzschalten und geht beim Annähern automatisch wieder an. Etwas (zu) redundant sind die Möglichkeiten, den Fahrmodus zu ändern: Cupra-Knopf unten im Lenkrad (kostet horrende 820 Euro extra), Touchdisplay und fetter Drehdrücksteller auf der Mittelkonsole. Ganz vorn in der Mittelkonsole befindet sich die nicht belüftete Induktiv-Ladeschale fürs Smartphone-Laden. Meistens lädt dieses jedoch nicht, da es einfach zu heiß wird (drei verschiedene Handys getestet). Daher lieber den USB-C-Stecker nutzen, das belastet den Akku weniger.