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Audis Superschwergewicht

SUV-Coupés sind angesagt und die Klassen der Flachheck-Offroader vervielfachen sich. Nach dem Tesla Model X kommt nun der Audi E-Tron Sportback - nicht ganz so fancy, dafür dezenter.


Datum:
01.07.2020
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Klassische Coupés sind out. Zweitürer sind unpraktisch. Niedriges Einsteigen beschwerlich. BMW war mit dem X6 erster Europäer und setzte vor zwölf Jahren einen Trend. Mittlerweile ist die Vermählung aus praktischem SUV und elegantem Coupé Standard - mal mehr, mal weniger gelungen. Auch Audi hat das verstanden und Q3 Sportback sowie Q8 im Angebot.

Ein anderes Trendthema - gerade im Flottenbereich - ist die E-Mobilität. Dabei zieht neben (theoretisch) null Emissionen ebenso die günstigere Versteuerung. Audi hat seit gut einem Jahr den E-Tron im Programm. Ein E-SUV, das auf dem (25 Zentimeter kürzeren) Q5 basiert und damit vernünftige Platzverhältnisse im Inneren sicherstellt. Und jetzt, jetzt drücken die Bayern das Heck des 4,90-Meter-Elektro-SUV nach unten und geben ihm den Zusatz Sportback. Das klingt nicht nur dynamischer, es sieht auch so aus, fühlt sich so an und fährt sich so. Doch der Reihe nach.

Zwei Antriebe erhältlich

Der Audi E-Ttron S-Line Sportback 55 Quattro, so der sperrige Name des uns für die Testrunde zur Verfügung gestellten Elektro-SUV-Coupé, markiert aktuell die Obergrenze der Elektromobilität bei Audi. Antriebstechnisch bedeutet es, dass je ein Elektromotor für jede Achse zuständig ist und meistens lediglich der hintere verwendet wird. Das bedeutet auch, dass der Allradantrieb Quattro vollelektronisch und damit schneller als je zuvor reagieren kann.

Zwei Batteriegrößen

Den E-Tron Sportback gibt es mit zwei Akkugrößen und zwei Leistungsversprechen. Der "50 Quattro" besitzt eine 71-kWh-Batterie von der 64 kWh genutzt werden können. Der "55 Quattro" kann aus 95 kWh 86 herausholen. Der "Kleine" stemmt 540 Newtonmeter in den Asphalt, der Starke sogar 664 - jeweils in der Spitze, die nur zeitlich begrenzt abrufbar ist, aber gerade Überholvorgänge auf der Landstraße fast im Wimpernschlagtempo zulässt. 408 PS leistet der Superschwergewichtler beim Niedertreten des Fahrpedals. Nach 5,7 Sekunden fällt die Hunderter-Marke - gut eine Sekunde schneller als beim 100 Kilogramm leichteren (weil kleinere Batterie) und 100 PS schwächeren 50er. Knapp 2,6 Tonnen - wovon 700 dem Akkupack zugerechnet werden - wollen bewegt werden.

Um die Bewegung besser und systemideal zu dosieren, wäre das One-Pedal-Driving eine Möglichkeit gewesen. Wäre gewesen. So sind weiterhin maximal 0,3 g Rekuperationsverzögerung möglich, was laut Audi 90 Prozent aller Bremsvorgänge abdeckt und leidglich in zehn Prozent der Bremsungen das Stopppedal bedingt. Das Einpedalfahren ist gerade im Stadtverkehr eine Wohltat und macht einen großen Teil der Elektrofaszination aus.

Mit dem großen Akku kommt der Sportback bis zu 450 Kilometer - auf der Autobahn sind es rund 150 weniger. Nicht sehr viel für die bereitgestellte Batterieleistung, womit wir abermals beim Gewicht wären und der großen Stirnfläche. Immerhin ist die Aerodynamik herausragend. Mit den dürren Außenspiegel-Ärmchen, in denen sich die Rückblick-Kameras verstecken, sinkt der Cw-Wert auf fantastische 0,25. Diese Ärmchen müssten jedoch manuell eingeklappt werden. Elektrisches Anlegen gibt es nicht - für rund 1.700 Euro.

Bürozeiten reichen zum Vollladen

Geladen wird E-Tron mit bis zu 150 kW an den Superschnellladern (hier sollte ein Audi-Ladetarif dauerhaft gebucht werden, wenn die Langstrecke im Lastenheft steht). Unter der linken Ladeklappe befindet sich der CCS-Stecker. Einem nahezu leeren Akku wird damit in gut 30 Minuten wieder volle Kraft beschert. An einer 11-kW-Wallbox ist das Kraftpaket über Nacht (oder an einem normalen Arbeitstag im Büro) komplett gefüllt. Empfehlenswert ist der zweite AC-Ladeanschluss (11 kW) rechts vorn im Kotflügel.

Diese Kilogramm haben bekanntermaßen nicht nur Nachteile. Gewicht bringt Gelassenheit mit sich. Beim Sportback äußert sich diese in einem fabelhaften Fahrkomfort. Und das, obwohl der Testwagen mit den bei der Ausstattungslinie S-Line (plus 2.500 Euro) serienmäßigen 20-Zoll-Rädern ausgestattet war. Jedoch agiert die serienmäßig installierte Luftfederung gekonnt. Sie ist etwas straffer abgestimmt und harmoniert mit der Progressivlenkung exzellent. Mittels Luft kann der Ingolstädter um fünf Zentimeter angehoben oder um 2,6 Zentimeter abgesenkt werden, jeweils aus der Stellung "Normalnull". Nach ganz unten geht es ab Tempo 140 automatisch - der Aerodynamik wegen.

Das ist der beste Einsatzbereich dieses Elektrofahrzeugs. Autobahnfahrten mit rund 140 km/h. Denn der Schwergewichtler will auf mäandernden Landstraßen in die Kurven gezwungen werden. Der Wille, zum Kurvenaußenrand zu schielen, wird geräuschvoll mit wimmernden Reifen untermalt. Gut schallisoliert bekommt man davon innen jedoch kaum etwas mit. Denn ruhig, das ist der E-Tron - extrem ruhig. Bei Stadtfahrten stört daher ein Dauerpfeifen bei Last (also auch beim Rekuperieren) des E-Antriebs. Das Pfeifen hören sogar Hinterbänkler, die trotz des angeschrägten Hecks keine Platznot befürchten müssen. Selbst Großgewachsene passen rein.

Fein wie immer

Generell geht das Interieur als Wohlfühloase durch. Feines Leder und hochwertige Materialien spiegeln noch immer den Audi-Perfektionismus wider. Dass die Bayern vollends auf Touch-Elemente bei Infotainment und tief angebrachter Klimaregelung setzen, ist schade. So leidet die Bedienbarkeit. Schön wird es innen vor allem dann, wenn der zukünftige Besitzer beim Konfigurieren nochmals kräftig abhakt. Auch an den Stellen, die bei einem Grundpreis von mehr als 72.000 Euro das Häkchen ab Werk haben sollten. Welche? DAB-Radio, Rückfahrkamera oder in dieser Preisklasse - Matrixlicht (wenngleich der E-Tron für den Aufpreis noch exaktere Pixel-LED bereithält). Um nur einige zu nennen. Ebenso empfehlen wir das Bestellen der Akustikverglasung und die clevere Lösung fürs Handyladen namens Audi Phone Box sowie den bereits erwähnten Ladeanschluss auf der rechten Seite. Die virtuellen Außenspiegel zählen eher zu den Gimmicks. An die Position der Bildschirme oberhalb der Türöffner und an das neue "Rückblicken" muss man sich gewöhnen. Wer oft Fahrzeuge wechselt, sollte zuvor checken, ob das gefällt.

Ein Superschwergewicht ist der E-Tron Sportback auch aus anderer Sicht. Eher selten wird ein "55er" für unter 100.000 Euro (brutto) weggehen. Wie gut, dass er beim Versteuern einem Audi A4 nicht unähnlich ist und sich damit einiges relativiert. mb

0,25 vs.

0,5 % bei der Versteuerung, 100 km Reichweite, eine Sekunde beim Standardsprint, 10 km/h Differenz sowie rund 10.000 Euro netto: Der "kleine" Sportback ist der sinnvollere.

Audi E-Tron S-Line Sportback 55 Quattro

Preis ab: 72.353 EuroZwei Asynchron-Elektromotoren1-Gang-AT | 300 kW/408 PS 561 - 664 Nm200 km/h | 5,7 s | Wassergekühlter (19,6 Liter) Lithium-Ionen-Akku95 kWh (86 nutzbar) | WLTP 21,9 - 26 kWh/100 km | 0 g/km | Reichweite 369 - 446 km4.901 x 1.935 x 1.616 mm | 615 - 1.665 lHK: 20 | VK: 28 | TK: 27Wartung: 2 Jahre/30.000 kmGarantie: 2 Jahre/8 Jahre oder 160.000 km auf AkkuAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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