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Auf dem kleinen Dienstweg

Der Taycan ist eine Wucht. Hauptkritikpunkt war und ist seine relative geringe Reichweite, die allerdings kaum ins Gewicht fällt, wenn die Ladesäulen mitspielen.


Datum:
02.11.2020
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Wie passt Porsches Top-Stromer in den Fahreralltag? Der 4S, das dritte und deutlich günstigste Derivat des E-Schwabens (ab 89.484 Euro), passt preislich nur in die Geschäftsführer-Ebene, aber er zieht die Menschen an. Das wird bei der Ausfahrt deutlich, sobald er im öffentlichen Raum steht - um zu laden in diesem Fall. Selbst diese kurze Zeit - dank des Ionity-Schnellladers, brachte die Kaffeepause den Akku von 37 auf 95 Prozent, also auf gut 350 Kilometer Reichweite - reichte aus, um zahlreiche Interessenten ans Auto zu locken. Gesprächsstoff bietet der Schwabe genug.

Da ist natürlich das sportliche Erbe und die Frage, wie dies zu einer noch deutlich endlichen Batterie-Kapazität passt? Die Zuffenhausener finden, dass Performance vor Reichweite gehört und packten dies genauso ins Lastenheft des Taycans, der bereits im Herbst 2019 debütierte. Entsprechend moderat ist der Radius, aber brachial die Durchsetzungskraft. Je nach Konfiguration der Batterie stehen 435 bis 530 PS (mit Overboost) einer Reichweite nach WLTP von 335 bis 464 Kilometern gegenüber, das Ergebnis einer Rechnung mit der Kapazität von 79,2 bis 93,4 kWh (jeweils brutto) im Nenner.

Die smarte Reichweite

Deshalb spricht Porsche auch von der "smarten Reichweite" und trifft damit den Punkt: Wie Tesla beweist, ist das reibungslose und im Zweifel auch schnelle Füllen der Lithium-Ionen-Zellen der Scheideweg, an dem sich "gut" und "weniger gut" im Fahr- und damit im Ladealltag trennen.

Die Alltags- und Reisetauglichkeit stellen die Schwaben mit der 800-Volt-Infrastruktur sicher, die theoretisch bis zu 350 kW in die Batterie-Pakete pumpt. Der Energiefluss ist dabei ununterbrochen - so schnell wie die Energie rausgefahren ist, so schnell wird sie wieder reingeladen. In der Theorie. Bislang geben die Schnelllader für den Taycan maximal 270 kW ab und wer auf den heimischen Wechselstrom-Lader vertraut, brauchte bislang die Geduld von 11-kW-Schüben. Mit dem Modelljahr 2021 wächst der On-Board-AC-Lader auf 22 kW an. Mit der Gleichstrom-DC-Power wächst im Optimalzustand alle fünf Minuten der Aktionsradius um bis zu 100 Kilometer. Wer mit fünf Prozent Restreichweite das Ionity-Kabel zückt, soll laut der VW-Tochter nach etwas über 22 Minuten schon wieder bei 80 Prozent Kapazität liegen.

Ob der E-Rennwagen dann 25 oder 30 kWh verbraucht - man kann fast von verschwendet reden, wenn man andere E-Autos sieht, die nahezu mit einem guten Drittel davon haushalten können -, hängt davon ab, ob man den Taycan als E-Mobil oder als Porsche sieht und bewegt.

Dass er mehr das Zweite ist, erfährt zunächst der Fuß, der sich noch an zwei Pedalen abarbeiten darf. One-Pedal-Driving, also die Umkehr des Energieflusses, sobald man vom Gaspedal geht, gibt es im Taycan nicht. Dafür rekuperiert der Sportwagen sobald das Bremspedal gedrückt wird mit maximal 265 Kilowatt, was immens ist. Aber hier entscheidet eben der Fahrer und nicht das Auto, wie sich die Verzögerung anfühlt. Umgekehrt gilt dies natürlich auch fürs Beschleunigen. Der Mitnickfaktor ist - wie zu erwarten war und wie es dennoch nur wenige Sport-Stromer aktuell hinbekommen - extrem hoch.

Das luftgefederte Fahrwerk, das sich dank der Smart-Lift-Funktion an wiederkehrenden Routenpunkten (Ausfahrt aus der Firmentiefgarage etc.) automatisch hebt, sorgt für ein innerliches Gleiten, während die Umgebung vorbeijagt - binnen vier Sekunden liegen 100 km/h an.

Die Lift-Version gibt es ebenso als downloadfähige Funktion wie die Servo-Lenkung plus, die aktive Spurführung oder das aktive Kurvenlicht. Diese sollen Over-the-Air aufgespielt werden können, ohne dass wie bei den letzten größeren Updates die Werkstatt angesteuert werden muss. Für den Fahralltag hilfreich wird das Head-up-Display werden, das mit dem neuen Modelljahr erhältlich ist.

Jung, weiblich, Neuling

Auch lohnt der Blick auf den Fahrer selbst, denn mit dem Voll-Stromer hat Porsche seine Klientel jünger und weiblicher gemacht sowie gut 30 Prozent an Neukunden gewonnen, erklären die Süddeutschen stolz. Was den Porsche-Novizen wohl als Erstes auffallen wird, sind die bescheidenen Sichtverhältnisse im Super-Sportwagen. Der Blick nach draußen fällt über die Seitenspiegel leichter als durch die Heckscheibe, dafür ist ja die Rückfahrkamera da. Am Sitzkomfort gibt es indes nichts zu deuteln. Auch die Rücksitzbank ist top. Zudem ist der Kofferraum tiefer als man zunächst vermutet. Mit 400 Litern fällt er durchaus reisetauglich aus. Und die Reise führt dann oft von Ladesäule zu Ladesäule, wobei es an der Front zwei Steckplätze gibt, die sich erhaben öffnen. Das fummeln nach Ladekarte oder App entfällt an den Ionity-Säulen demnächst, denn mit "Plug & Charge" soll das pure Stecken reichen, damit Auto und Ladesäule kommunizieren und den Energietransfer starten.

Eng dürfte es dabei künftig an manchen Autobahn-Lade-Stationen werden, denn Porsche rechnet damit, dass pro Jahr gut 20.000 Taycan lossurren werden. Spätestens beim nächste Pfeil im E-Köcher sollte die Ladeinfrastruktur stehen. Denn mit dem Macan steht ein ausgesprochener Flottenliebling als Nächstes in der Schlange jener, die beweisen wollen, wie Porsche-Stromer in den Fahralltag passen. rs

Porsche Taycan 4S

Alle Preise netto zzgl. UmsatzsteuerPreis: ab 89.484 EuroE-Motor | 320 kW/390 kW (Overboost) | 640 Nm (Launch Control) 1-Gang (Vorderachse), 2-Gang (Hinterachse) 250 km/h | 4 s | 26,2 kWh | 0 g | A+Batterie-Kapazität: 79,2 kWhReichweite: 335 - 408 km (WLTP) 4.963 x 1.966 x 1.379 mm | 407 lHK: 20 | TK: 30 | VK: 28Wartung: 2 Jahre oder 30.000 kmGarantie: 2 Jahre

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