Dienstlich stromern im Verbund
Eine E-Flotte, viele Nutzer | Green Fleet als Gemeinschaftsaufgabe: Im Forschungsprojekt Shared E-Fleet steht derzeit eine intelligent gesteuerte Elektroflotte, auf die mehrere Unternehmen zugreifen, auf dem Prüfstand.
— Anfang Juni fiel nach 18 Monaten Vorbereitung der Startschuss für die Pilotphase von Shared E-Fleet (siehe Kasten): 3.500 Mitarbeiter im „Stuttgarter Engineering Park“ (STEP) mit rund 120 Unternehmen können seither für die nächsten Monate auf einen Pool von vier BMW i3 zugreifen und dabei die vier Ladesäulen vor Ort nutzen. Sofern sich ihre Firma vorab für die geteilte Elektroflotte angemeldet und die einmalige Gebühr von 50 bis 1.000 Euro (je nach Anzahl der Mitarbeiter) entrichtet hat. Zwölf Unternehmen haben die Nutzungsverträge bisher unterzeichnet.
Fahren via Smartphone | Wie funktioniert dieses „Corporate Carsharing 2.0“? Um dienstlich zu stromern, müssen sich die Fahrer der teilnehmenden Unternehmen in einem Onlineportal registrieren und dort eine Fahrt buchen. Die i3 lassen sich über eine Schlüssel-App auf dem Smartphone öffnen und starten. An einem Tablet im Auto checkt man ein: Verifizierung als Benutzer, Bestätigung des Kilometerstandes und der Tatsache, einen Führerschein zu besitzen, los geht‘s.
Die von Carano entwickelte Buchungsplattform greift dabei auf die Daten der vom Fraunhofer IAO entwickelten Einsatzplanung zu, um anhand der Buchungszeiten, des Ladezustands und der Ladedauer der Batterie die freien Kapazitäten für den nächsten Nutzer zu errechnen.
Die Kostenstruktur sieht wie folgt aus: Neben einer Gebühr von zwei Euro pro Stunde, die bei jeder Buchung anfällt – es sei denn, man storniert 48 Stunden vor Fahrtbeginn –, fällt eine Gebühr nach genutzter Zeit (3 Euro/Std.) und gefahrenen Kilometern (0,18 Euro/km) an. 22 Kilometer in einer Stunde kosten demnach knapp neun Euro.
Eine Privatnutzung der Stromer ist für einen späteren Zeitpunkt bei Shared E-Fleet ebenfalls angedacht, derzeit werden allerdings noch steuerrechtliche Aspekte geprüft. „Außerdem steht für uns zunächst im Vordergrund, dass die Fahrzeuge für den Dienstgebrauch voll verfügbar sind und dafür nachts geladen werden“, berichtet Verena Pohl, Öffentlichkeitsarbeit Shared E-Fleet, Fraunhofer IAO.
Theoretisch machbar | Aber sind Firmen wirklich schon bereit für den Einsatz von Dienst-Elektrofahrzeugen im großen Stil eines unternehmensübergreifenden „E-Pools“? Das Fraunhofer IAO hat 145 potenzielle Anwender von E-Auto-Flotten in der Analyse-Phase von Shared E-Fleet zu ihren Einschätzungen und ihrem Bedarf befragt.
Das Ergebnis: Trotz einer positiven Einstellung gegenüber dem Thema Elektromobilität (85 Prozent) fühlen sich die meisten Befragten noch nicht ausreichend informiert. Auch das aktuelle Nutzungsverhalten bei Dienstfahrten wurde abgefragt. Dass die meisten demnach bei den Antwortenden innerstädtisch verlaufen (66 Prozent) und in 47 Prozent der Fälle unter 50 Kilometer betragen, passe ins Konzept einer E-Flotte, schlussfolgern die Studienmacher. Zwei Drittel der Dienstfahrten könnten demnach sinnvoll gestromert werden.
So weit die Theorie. Doch der entscheidende Unterschied zum klassischen Corporate Carsharing, bei dem teilweise auch Elektrofahrzeuge zur Wahl stehen – etwa bei AlphaCity, Daimler Fleet Management, Fleetster oder Sixt Corporate Carsharing: Die Flotte ist nicht exklusiv, mehrere Unternehmen greifen auf denselben Pool zu.
Das ist im Pilotbetrieb komfortabel, in dem das Fraunhofer IAO als Leasingnehmer fungiert. Für ein späteres Szenario nach der Testphase würde das bedeuten, dass Unternehmen entweder ihre E-Autos auch anderen zur Verfügung stellen. Oder dass man einen Poolbetreiber definiert, etwa in einem Technologiepark oder Industrieviertel. Für kleine Firmen ohne eigene Dienstwagen sicher eine interessante Option. Vielleicht ist das eben auch ein Weg von vielen, der zur Green Fleet führt: eine (E-)Flotte für viele. | Susanne Löw
Shared E-Fleet | In Kürze
Shared E-Fleet ist Teil des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprogramms „IKT für Elektromobilität II – Smart Car – Smart Grid – Smart Traffic“.
Das Ziel des Forschungsprojekts: ein intelligenter und damit effizienter Betrieb einer Elektroflotte über mehrere Unternehmen und Organisationen hinweg. Mit an Bord des Konsortiums sind Carano Software Solutions (Konsortialführer), Baimos Technologies, Marquardt, Siemens sowie TWT Science & Innovation als Industriepartner und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO (Stuttgart) und die Ludwig-Maximilians-Universität (München) als Forschungspartner.
Zentraler Punkt von Shared E-Fleet ist die Konzeption und Erprobung einer Cloud-basierten IKT-Lösung für Elektrofahrzeugflotten im Geschäftsumfeld, wobei vor allem kleine und mittlere Unternehmen in räumlicher Nähe im Fokus liegen, die eine „grüne“ Dienstwagenflotte gemeinsam nutzen wollen. Nach dem Startschuss im STEP folgen im Juli das Münchner Technologiezentrum (MTZ) und anschließend die Landeshauptstadt Magdeburg als weitere Standorte in der Testphase.