Doppelter Paukenschlag
Aufgepasst | Der neue Mazda 6 Kombi sieht verdammt gut aus und kostet – anders als sonst üblich – exakt so viel wie die Limousine.
— In der automobilen Mittelklasse bedeutet Flotte überwiegend Kombi. Ein ganz besonderes Exemplar dieser stückzahlträchtigen Zunft hat ab Anfang Februar nächsten Jahres Mazda im Programm.
Sexy, hip, markant, stylisch, extravagant, dynamisch, elegant, charaktervoll, unkonventionell, muskulös und schick: Bei der 4,80 Meter langen Kombiversion des neuen Sechsers treffen all diese noch so verschiedenen Attribute irgendwie ins Schwarze. Kurz und gut: ein Auto, das sich auf den ersten Blick wohltuend von der Masse abhebt und spontan all diejenigen ansprechen dürfte, die gesteigerten Wert auf ein etwas anderes Blechkleid legen.
Dazu gesellt sich ein attraktives, fast schon unmoralisches Angebot. Denn: Die Japaner bieten den Kombi exakt zum gleichen Preis an wie die zeitgleich erscheinende Limousine. Man darf gespannt sein, ob, und wenn ja, wie schnell, diese kundenfreundliche Gleichpreisstrategie Nachahmer finden wird. Dass Mazda die Konkurrenz damit gehörig unter Druck setzt, ist jedenfalls klar.
Viel Platz | Unabhängig vom optisch „etwas anderen“ Auftritt – schnell auf Wohlgefallen dürfte das großzügige Platzangebot und der – speziell vorne – bequeme Einstieg stoßen. Besonders bemerkenswert ist die fast schon opulente Knie- und Beinfreiheit auf der bequemen Rückbank in Reihe zwei.
Einen deutlichen Fortschritt zum Vorgänger offenbaren auch die neuen Vordersitze. Verlängerte Sitzpolster und Rückenlehnen, gepaart mit einer ordentlichen Seitenführung und einem großzügigen Verstellbereich, bieten eine solide Basis für entspannte Langstreckenfahrten.
Nicht gerade berauschend: die Sicht nach schräg hinten. Ein Problem, das der Mazda 6 Kombi aber mit vielen seiner Wettbewerber teilt.
Praktische Details | Mit 522 Litern ist der breite und gut nutzbare Gepäckraum des Mazda 6 Kombi in seiner Klasse volumenmäßig sicherlich nicht der Größte, wartet dafür aber neben einer hoch öffnenden Heckklappe mit einer ganzen Reihe praktischer Details auf. So schwingt die Laderaumabdeckung beim Öffnen der Heckklappe wie beim CX-5 automatisch mit nach oben und gibt so den kompletten Laderaum frei. In Verbindung mit der angenehm niedrigen Ladekante macht dies das Be- und Entladen besonders einfach. Bei Bedarf kann sie zudem einfach und schnell demontiert und in einem eigens dafür vorgesehenen Fach unter dem Laderaumboden verstaut werden.
Wie beim Vorgänger lassen sich die im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen – bequem mit einem Handgriff – auch vom Laderaum aus entriegeln und umlegen. Dadurch entsteht eine fast ebene und 1,87 Meter lange Ladefläche mit 1.664 Litern Fassungsvermögen. Ein leicht aufspannbares Laderaumtrennnetz gibt es natürlich auch. Es „sitzt“ hinter der Laderaumabdeckung in einer separaten Kassette.
Alles perfekt, könnte man meinen. Nicht ganz, denn was fehlt, ist ein Komfort-Feature, das immer mehr Dienstwagenfahrer zu schätzen wissen: eine elektrisch zu betätigende Heckklappe. Nicht ganz schlüssig und nachvollziehbar ist zudem die Tatsache, dass die Japaner beim Sechser-Kombi auf die beim CX-5 vorgelebte „maximale Flexibilität“, sprich auf eine im Verhältnis 40:20:40 dreigeteilte Lehne verzichtet haben.
Konventionell | Für eine klassische Note haben sich die Japaner bei der Cockpitgestaltung entschieden. Motto: klare, symmetrische Instrumente, einfache Bedienung und gelungene Ergonomie. Infos wie Verbrauch und Außentemperatur werden im 3,5-Zoll-Display des Bordcomputers im Kombiinstument angezeigt, Infos zum Navi- und Audiosystem auf dem zentralen, gut im Blick liegenden Touchscreen-Monitor, dessen Größe freilich mit 5,8 Zoll vergleichsweise bescheiden ausfällt.
Neu ist der „Multi Command Dreh-Drücksteller“ mit diversen Direktwahltasten hinter dem Schalthebel, über den sich die meisten Funktionen einfach und selbsterklärend steuern lassen. Verarbeitung und Materialgüte entsprechen dem gängigen Klassenstandard. Angenehm: die Vielzahl von Verstaumöglichkeiten inklusive Platz für jeweils eine Ein-Liter-PET-Flasche in den Türen.
Die finale Serienausstattung – es stehen die drei Varianten Prime-Line, Center-Line und Sports-Line zur Wahl – gibt Mazda erst am 19. November bekannt. Ab diesem Zeitpunkt können Kombi und Limousine auch bestellt werden. Neu und definitv verfügbar: Sicherheitssysteme wie adaptive Geschwindigkeitsregelung mit radargestützter Distanzregelung, City-Notbremsassistent sowie Spurwechsel-, Spurhalte- und zudem Fernlichtassistent.
Klasse Diesel | Bei den Motoren kommen vom Start weg drei Benziner und zwei, bereits die Euro-6-Abgasnorm erfüllende Diesel zum Einsatz. Alle sind mit einem blitzschnell arbeitenden Start-Stopp-System ausgestattet.
Die aus dem CX-5 bekannten 2,2-Liter-Selbstzünder mit 150 PS und 175 PS, auf die laut René Bock, Leiter Fleet & Remarketing bei Mazda Motors, im Flottenbereich rund 75 Prozent des Absatzes entfallen dürften, werden in ihren Sparbemühungen ab Werk zudem zusätzlich vom neuen regenerativen Bremsenergierückgewinnungssystem i-ELOOP unterstützt. Resultat: ein Normverbrauch von nur 4,4 Litern (CO2: 116 g/km) bzw. 4,6 Litern (CO2: 121 g/km).
Die beiden spontan, ja fast gierig am Gas hängenden Vierzylinder sind jedoch nicht nur vorbildlich sparsam, sondern auch ausgesprochen drehfreudig und durchzugsstark. So wirft bereits die „kleine“ Ausführung stramme 380 Nm in die Waagschale, die „große“ sogar 420 Nm. Angenehm ist auch ihre im positiven Sinn unspektakuläre, herrlich gleichmäßige Kraftentfaltung. Dazu arbeitet das Duo in allen Lebenslagen leise und kultiviert.
Leistungsmäßig reicht bereits die 150-PS-Version in jeder Beziehung dicke aus, zumal die 25-PS-Mehrleistung der Topversion rein gefühlsmäßig in der Praxis nicht nennenswert zu spüren ist. René Bock rechnet mit einem Zweidrittel-Anteil des „kleinen Selbstzünders“ am Diesel-Volumen.
Die passende Ergänzung dazu liefert Mazda in Form eines knackigen und präzisen Sechsgangschaltgetriebes mit kurzen Wegen und ideal positioniertem Schaltknauf. Der Roadster MX-5 lässt grüßen! Alternativ dazu gibt es – für das Flottengeschäft enorm wichtig und bislang für die Diesel nicht erhältlich – eine flott und weich schaltende Sechsstufenautomatik. Prognostizierter Anteil des Selbstschalters im Flottenbereich: etwa 40 Prozent bei der 150-PS-Version und rund 65 Prozent bei der „großen“ 175-PS-Ausführung.
Gelungene Abstimmung | Einen guten und schlüssigen Eindruck hinterlässt das sportlich, aber keinesfalls zu hart abgestimmte Fahrwerk. Stets um einen weichen Abrollkomfort bemüht, pariert die Federung die meisten Schlaglöcher und Querfugen ohne störende Erschütterungen souverän.
Die optionale, beim 175-PS-Diesel serienmäßige 19-Zoll-Bereifung allerdings schmälert den Federungskomfort spürbar. Schönheit hat – wie so oft im Leben – also auch hier ihren Preis.
Davon abgesehen glänzt der Japaner mit agilem Handling sowie hoher Spurtreue und Lenkpräzision. Ebenso gefallen kann die direkte und gefühlvoll agierende Servolenkung. Summa summarum ein Typ für gleichsam gelassene wie sportliche Fahrweise.
Fazit | Ein gelungenes Auto, dieser Mazda 6 Kombi. Prickelndes Design, viel Platz, praktische Details sowie sparsame und kräftige Selbstzünder. Auch die Preise – soweit zum jetzigen Zeitpunkt bekannt – passen. Der Sechser hat in jeder Beziehung das Zeug dazu, nahtlos an den Erfolg seines SUV-Bruders CX-5 anzuknüpfen. | mmd
2.0 Skyactive-G ab 21.000 EuroR4/1.998 cm3 | 107 kW/145 PS | 210 Nm/4.000 U/min 6-Gang | 9,6 s | 206 km/h | 5,6 S | 131 g/km
2.0 Skyactive-G k. A.R4/1.998 cm3 | 121 kW/165 PS | 210 Nm/4.000 U/min 6-Gang | 9,1 s | 214 km/h | 6,0 S | 139 g/km
2.5 Skyactive-G i-ELOOP k. A.R4/2.488 cm3 | 141 kW/192 PS | 256 Nm/3.250 U/min 6-Gang | 7,9 s | 220 km/h | 6,4 S | 150 g/km
2.2 Skyactive-D i-ELOOP ab 23.941 EuroR4/2.191 cm3 | 110 kW/150 PS | 380 Nm/2.000 U/min 6-Gang | 9,1 s | 210 km/h | 4,4 D | 116 g/km
2.2 Skyactive-D i-ELOOP k. A.R4/2.191 cm3 | 129 kW/175 PS | 420 Nm/2.000 U/min 6-Gang | 7,9 s | 221 km/h | 4,6 D | 121 g/km
4.800 x 1.840 x 1.480 mm | 522–1.664 Liter
Wartung: alle 20.000 km oder einmal jährlich
Ausstattung: Prime-Line | Center-Line | Sports-Line