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Duell unter Geschwistern

Mit dem Express und dem Kangoo Rapid hat Renault ab sofort zwei Alternativen im Segment der Kleintransporter. Ob man mit dem teureren, modernen Kangoo besser fährt, zeigt eine erste Gegenüberstellung.


Datum:
05.07.2021
Autor:
Jan Burgdorf
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Bis zu 3.160 Euro liegen zwischen dem neuen "Express" und dem neuen "Kangoo Rapid", mit denen das Renault-Nutzfahrzeugprogramm ab sofort zweigleisig das Segment der City-Vans bedient.

Wobei neu im Falle des Express relativ ist, denn auch wenn die Franzosen es per neuem Frontlook geschickt kaschieren, handelt es sich hier um nichts anderes als die Kastenwagen-Variante des bisherigen Dacia Dokker Express, der anders als die Pkw-Version bei uns eher wenig erfolgreich blieb. Daher wechselt er nun zum Mutterkonzern, auch, weil sich laut Renault-Angaben viele Flottenkunden diesen Schritt wünschten.

Was man von der Dacia-Tochter allerdings übernahm, ist der günstige Listenpreis, wodurch es in vielen Fällen zum Duell mit dem brandneuen Renault Kangoo Rapid kommen dürfte.

Doch spart der Transport-Unternehmer mit dem Express am falschen Ende, weil die Kangoo-Neukonstruktion deutliche Vorteile bietet? Das soll die erste Gegenüberstellung beider Newcomer zeigen.

Dass der Express beim Thema Ausstattung nicht zwingend in der zweiten Liga fährt, beweist die Gegenüberstellung der jeweiligen Basisversionen. Die eigentlich obligatorische Klimaanlage fehlt bei beiden in der Grundausstattung und muss für jeweils happige 1.000 Euro hinzugeordert werden. ESP, elektronische Bremskraftverteilung (EBV) und eine Trennwand fahren bei beiden Vans dagegen immer mit, ebenso unter anderem elektrische Fensterheber, ein Kunststoffbelag im Frachtraum sowie die Schiebetür rechts. Wobei der neue Kangoo Rapid hier eine Besonderheit mitbringt, zu der wir später kommen.

Beide fassen 3,3 Kubikmeter

Zunächst einmal werfen wir einen Blick in die Frachträume. Auch hier geht das Duell unentschieden aus - oder eben auch nicht. Denn beide laden mit 3,3 Kubikmetern zwar nominell gleich viel ein. Sollen aber Europaletten mit, so passen die nur im breiteren Kangoo-Laderaum quer zwischen die hinteren Radkästen.

Ebenso bleibt nur der Kangoo, wenn mehr Fracht geladen werden muss, denn nur ihn wird Renault im Laufe des Jahres alternativ als um 42 Zentimeter verlängerte Maxi-Variante anbieten, die dann 4,2 Kubikmeter Luft zwischen Trennwand und Heckflügeltüren lässt. Für manche Liefertour hilfreich, aber in erster Linie für Handwerker-Mobile entwickelt, kann zudem die pfiffige sogenannte "Sesam"-Ausführung (in Anspielung auf "Sesam, öffne dich") sein, die Renault als Option für den neuen Kangoo anbietet.

Bei ihr zauberten die Ingenieure auf der Beifahrerseite die B-Säule weg, was einen ungehinderten - in Zahlen 1,46 Meter breiten - Zugang zum Laderaum gewährt, der sich zudem, mittels klappbarem Beifahrersitz plus drehbarem Trenngitter, barrierefrei nach vorne erweitern lässt. Letztere beiden Optionen finden sich auch in den Express-Optionslisten, hier aber zwangsweise immer mit B-Säule.

Allerdings: Ordert man den Kangoo in der später folgenden Variante ohne Sesam-Option, was sicherlich auch einen entsprechenden Preisnachlass zur Folge hat, bietet überraschenderweise wieder der Express den um zehn Zentimeter breiteren seitlichen Zugang - und mit 71 Zentimetern laut Renault gleichfalls den breitesten am Markt.

Kangoo: besseres Fahrwerk

Auf der Straße spielt der Kangoo dafür die Karte seines jüngeren Alters aus. Er liegt aufgrund seiner breiteren Spur spürbar satter auf der Straße. Was nicht heißen soll, dass sich mit dem Komfort im Express nicht leben ließe, wo sein weicheres Fahrwerk die Karosserie bei plötzlichen Lastwechseln aber deutlich ins Schwanken bringt, reagiert der Kangoo völlig gelassen. Auch dessen Lenkung gefällt trotz ihrer Leichtgängigkeit dank besserer Direktheit.

Dagegen ist bei beiden Modellen die Bedienung von Audio und Navigation über den fummeligen Touchscreen nicht optimal gelöst. Selbst einfache Befehle wie Lautstärkeregelung werden damit zum Geduldsspiel, das im Kangoo trotzdem etwas besser gelingt, da der Bildschirm hier im oberen Teil der Mittelkonsole untergebracht ist.

Knackig schaltbare Getriebe

In deren unterem Teil greift der Fahrer zum kurzen Joystick des serienmäßigen Sechsgang-Getriebes, im Express sitzt der längere Schalthebel dagegen weiter unten. Was soll's, überraschend knackig schalten lassen sich beide manuellen Getriebe. Wer dennoch schalten lassen möchte, landet wieder zwangsweise beim Kangoo, denn nur für ihn wird später für einige Motorisierungen ein Siebengang-Automatikgetriebe zur Wahl stehen.

Bescheidener fällt auch das Motorenprogramm beim Express aus. Topdiesel ist die 95-PS-Variante des 1,5 Liter großen DCi-Diesels, die auch das Testfahrzeug antreibt. Der aufgeladene Common-Railer gefällt einmal mehr mit überdurchschnittlicher Elastizität, selbst aus dem Drehzahlkeller von 1.000/min rettet sich das Aggregat ohne Probleme. Das hat zur Folge, dass über Land trotz der 280 Kilogramm Testballast im Laderaum nicht der Wunsch nach mehr Leistung aufkommt, auf der Autobahn sieht das hingegen anders aus.

Wer Letztere vorrangig aufsucht, ist mit dem Kangoo daher nicht nur aufgrund seiner oben genannten Vorteile in Sachen Fahrbarkeit besser beraten. Denn nur für ihn wird es später den Selbstzünder, in beiden Vans nach Euro 6d-Temp eingestuft, mit langstreckentauglicheren, weil kräftigeren 115 Pferdestärken geben.

Soll der Renault-Van dagegen vorrangig von Einfahr-Restriktionen betroffene Innenstädte beliefern, kann durchaus auch der TCE-Benziner mit 1,3 Litern Hubraum eine Alternative darstellen. Dieses Turboaggregat steht beim Express mit 102 PS, beim Kangoo zusätzlich mit 130 PS zur Verfügung und gefällt neben seiner leisen und kultivierten Gangart mit kräftigem Schub schon bei 1.300 Touren. Auf der sanft gefahrenen Überland-Runde vermeldete der Bordcomputer zudem 7,9 Liter Super-Verbrauch.

Vollelektrisch ab 2022

Das zukunftsweisendere Konzept dürfte trotzdem die vollelektrische Kangoo-Variante sein, die Renault im Frühjahr 2022 nachschieben will. Bis zu 265 Kilometer Reichweite und der kräftige Elektro-Schub von 75 Kilowatt Leistung dürften den meisten Transporteuren völlig genügen. Dann wäre aber wieder einmal der Kangoo Rapid gesetzt, denn beim Express wird die Abkehr von fossilen Brennstoffen laut Renault-Aussage in diesem Lebenszyklus nicht mehr stattfinden.

Renault Kangoo Rapid

Motoren-AuswahlBenzin:Vierzylinder-Reihenmotor | Turbolader | Euro 6d-Temp mit Vierwege- Katalysator und Partikelfilter Hubraum: 1.333 cm³TCe 100 FAP:102 PS (75 kW) bei 4.500/min 200 Nm bei 1.500/minTCe 130 FAP:130 PS (96 kW) bei 4.500/min 240 Nm bei 1.500/minDiesel:Vierzylinder-Reihenmotor | Turbo- Common-Rail | Euro 6d-Temp mit SCR-Kat und PartikelfilterHubraum: 1.461 cm³DCI 75:75 PS (55 kW) bei 3.000/min 220 Nm bei 1.750/minDCI 95:95 PS (70 kW) bei 3.000/min 240 Nm bei 1.750/minDCI 115:115 PS (85 kW) bei 3.750/min 260 Nm bei 1.750/min

Renault Express

Motoren-AuswahlBenzin:Vierzylinder-Turbo | Euro 6d-Temp | Hubraum: 1.333 cm³TCe 100 FAP: 102 PS (75 kW) bei 4.500/min | 200 Nm bei 1.500/minDiesel:Vierzylinder-Turbo | Euro 6d-Temp | Hubraum: 1.461 cm³DCI 75: 75 PS (55 kW) bei 3.000/min 220 Nm bei 1.750/minDCI 95: 95 PS (70 kW) bei 3.000/min maximales Drehmoment: 240 Nm bei 1.750/min

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