Mercedes-Benz VLE (2026): Die neue V-Klasse muss sitzen

10.03.2026 19:15 Uhr | Lesezeit: 4 min
Mehr als 5,30 Meter lang, gut 1,90 Meter hoch und zwei Meter breit. Die neue "V-Klasse" wächst immens und bietet: viel Platz.
© Foto: Dirk Weyhenmeyer

Mercedes erneuert die V-Klasse. Den Start macht der Mercedes-Benz VLE elektrisch. Aber ein Diesel ist in Sichtweite – nicht nur für gewerbliche Kunden. Autoflotte saß im neuen „Benchmark-Transporter“ – VW Bus: warm anziehen.

Die neue „V-Klasse“ steht in den Startlöchern, und die muss laut internen Stimmen aus dem Mercedes-Benz-Vans-Lager „sitzen“. Damit der Ansturm auf die neue Mercedes VLE-Klasse, wie sie künftig heißen wird, nicht von Anfang an zu groß wird, starten die Stuttgarter mit dem "VLE Electric" – der luxuriösesten Art, elektrisch angetrieben, bis zu sieben Menschen zu befördern. Und beim ersten Probesitzen „auf den Fildern“ in einer Event-Halle der Sternmarke kamen definitiv Luxusgefühle auf.


Mercedes-Benz VLE (2026)

Mercedes-Benz VLE (2026) Bildergalerie

Mercedes-Benz VLE mit bester Aerodynamik im Segment

VLE, so heißt der im Sommer 2026 startende neue elektrisierte Reisedampfer. Transporter und elektrisch? Ja, die Zahl der Fans bleibt wohl nach wie vor überschaubar. VW erlebt das noch immer beim VW ID.Buzz, von dem 2025 lediglich 8.565 Einheiten neu zugelassen wurden. Der in der Langversion identisch lange VW Caddy kam auf mehr als die doppelte Zahl, der klassische „VW Transporter“ sogar auf 34.500 Zulassungen. Die Mercedes V-Klasse und der Vito zusammen schafften im selben Jahr rund 29.000 Einheiten. Mercedes-intern werden für die komplett neue V-Klasse ab 2027 – dem ersten vollen Verkaufsjahr aller Varianten – höhere Zahlen erhofft. Den neuen Mercedes VLE gibt es ab Sommer 2026, der Diesel auf identischer Plattform folgt mit rund einem halben Jahr Abstand.

Bei den Elektro-Transportern liegt das Effizienzproblem in der Natur der Dinge: hoher und breiter Aufbau, damit eine fette Stirnfläche und maue Aerodynamik. Letztere gibt Mercedes für den aalglatten VLE Electric bereits mit einem beachtenswerten Cw-Wert von 0,25 an – „Best in Class“, gemessen nach internationalen Standards. Zum Vergleich: Ein VW ID.7 Tourer schafft ebenfalls 0,25. Der Wert beeindruckt und mitverantwortlich für den Verbrauch von knapp unter 19 kWh pro 100 Kilometer nach WLTP und der dadurch generierten Reichweite von gut 700 Kilometern. Klar, dass die Front beim VLE Electric glattflächig und geschlossen ist. Diverse Inlays, die nach Chrom aussehen oder anders glänzende Akzente setzen sollen, wollen entweder mehr Luxus oder mehr Sportlichkeit vermitteln. Nachts wird illuminiert – großflächig, viel – wie es 2026 nicht anders zu erwarten ist.

Mercedes-Benz VLE wächst um bis zu 40 Zentimeter

Die Seitenlinie des VLE wirkt beruhigend und wenig auffällig. Wie sollte ein Transporter in der Silhouette auch anders gezeichnet sein, wenn er dem originären Segment-Ziel – Platzangebot – nahekommen will? Ein schönes Detail: Die mittleren Fenster haben keine „Öffnungsluke“ und sind nicht feststehend, sie lassen sich komplett versenken – erstmals im Segment. 19-Zoll-Alus sind beim Mercedes VLE Electric Standard, auf Wunsch gibt es bis zu 22-Zoll-Räder im markanten Monoblock-Design. Die Türgriffe sind glattflächig versenkt und fahren beim Annähern heraus. Das wird sich voraussichtlich 2027 ändern, wenn in China die neue Richtlinie eintritt, die ein direktes manuelles Greifen der Türöffner vorschreibt. Mercedes Vans ist vorbereitet und „wird liefern“. Zwei Schiebetüren sind serienmäßig, bei den Ausstellungsfahrzeugen war die elektrische Unterstützung obligatorisch.

Das Heck wirkt aufgeräumt. Je nach Land geht das LED-Band von der Designkante in der Heckklappe im großen Bogen auf die andere Seite. Die für die EU homologierten VLE werden das eher nicht besitzen. Dafür gibt es eine im Vergleich zum Vorgänger dezent niedrigere Ladekante. Dank Luftfederung (Option) kann sie nochmals zwei Zentimeter abgesenkt werden, was beim Autobahntempo automatisch passiert, um den Luftwiderstand zu minimieren. Aus „Normal-Null“ (192 Zentimeter) sind auch zwei Zentimeter nach oben möglich – gut für Stadtfahrten, Kopfparkmanöver und Tiefgarageneinfahrten. Mit 5,31 Metern Länge legt der VLE mächtig zu. Die kürzeste Version des Vorgängers maß 4,90 Meter, die Langversion 5,14. Damit passt der VLE nur bedingt in gängige Tiefgaragen – und auf die offiziellen Ladeplätze der Stadt München gar nicht. Später folgt sogar eine Langversion mit 5,48 Metern. Die Breite von zwei Metern (ohne Spiegel) macht Altstadtfahrten zur Tortur.

Fast 4.100 Liter Kofferraum

Das Größenwachstum kommt verständlicherweise dem Innenraum zugute. Bei einer Siebensitz-Bestuhlung passen noch immer fast 800 Liter hinten rein – dachhoch gepackt. Wer alles erstmal leerräumt, kann 4.078 Liter für den Luxusumzug einplanen. Eingepackt wird über das elektrisch unterstützte, aufschwingende „Hecktor“. Die Stehhöhe ist so groß, dass niederländische Durchschnittsmänner die Klappe als Regenschutz nutzen können. Wer nur schnell an den Kofferraum will, kann weiterhin die Scheibe separat öffnen.

Hinter der Heckscheibe verbergen sich diverse Sitzkonfigurationen (anfangs 6- und 7-Sitzer). Der Platz ist je nach Bestuhlung individuell portionierbar. Denn die Einzelsitze lassen sich kinderleicht auf den Schienen verschieben und an jeder Stelle fixieren – Rastpunkte gibt es nicht mehr. Das Gewicht der Sitze wurde gesenkt, es soll „um die 27 Kilogramm“ pro Einzelsitz betragen und damit bis zu fünf Kilogramm weniger als bislang. Der Gurt ist im Sitz integriert, was die volle Variabilität ermöglicht.

Wer den VLE Electric voll aufrüstet, bekommt ein Burmester-3D-Surround-Soundsystem mit 22 Lautsprechern. Mit im Paket ist ein im Dachspriegel versteckter 79-Zentimeter-Breitbildschirm, der als Split-Screen fungieren und per Sprachbedienung und Controller gesteuert werden kann. Oder man legt sich zurück in den Sessel und hat ein Kinoerlebnis über 31 Zoll inklusive Dolby-Atmos-Sound.

Kofferraumfoto vom Mercedes VLE
Riesig, das ist der Kofferraum des neuen Mercedes VLE, der ebenfalls sehr lang geworden ist.
© Foto: Dirk Weyhenmeyer

Alles erinnert an einen Pkw

In der ersten Sitzreihe fühlt sich alles nach hochwertigem Pkw an. Die Sitzposition mit vielfach verstellbarem Gestühl und einem großzügig verstellbaren Lenkrad ist in dieser Fahrzeugklasse herausragend. Optional gibt es Echtholz und drei Bildschirme. Im später kommenden Vito wird es ein einfacheres Dashboard geben. Rändelräder in der Mittelkonsole und am Lenkrad ergänzen die (nervigen) kapazitiven Touchflächen. Drei Mittelkonsolen sind ausstattungsabhängig wählbar. Es gibt die Grundausstattung (ohne Namen), die sportiven Varianten AMG-Line und AMG-Line-Plus sowie den „Luxustempel“ Exclusive.

Zum Marktstart gibt es zwei Antriebe: Den VLE 300 Electric mit 272 PS und Frontantrieb sowie den VLE 400 4Matic Electric mit 415 PS. Beide besitzen den 115-kWh-Akku, der beim Fronttriebler mehr als 700 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Die Allradversion steht in der Theorie etwa 70 Kilometer früher. Mit 200 kW Motorleistung beschleunigt der etwa 2,6 Tonnen schwere Stromer in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 und stellt bei 180 km/h den Drang nach mehr ein. Der Normverbrauch von knapp unter 19 kWh pro 100 Kilometer wird im Alltag kaum zu halten sein. Dank 800-Volt-Bordnetz (mit 400-Volt-Konverter) und 315 kW Ladeleistung ist der Riesen-Akku aber in unter 30 Minuten wieder von 10 auf 80 Prozent geladen. AC wird serienmäßig mit 22 kW geladen – erstklassig.


Mercedes-Benz VLE 300 (115 kWh)

Preis ab: ca. 94.000 € (brutto)
PSM-E-Motor | Frontantrieb
200 kW/272 PS | 435 Nm
9,5 s | 180 km/h
WLTP: 18,8 kWh | Reichweite: 700+ km
NMC-Akku (brutto): 115 kWh
Laden: AC 22 kW | DC 315 kW
Abmessungen: 5.309 x 1.999 x 1.916 mm
Kofferraum: 795–4.078 Liter
Service: 2 Jahre/40.000 km
Garantie: 2 Jahre | Akku: 8 Jahre/160.000 km

 



2,5 Tonnen Anhängelast

Bemerkenswert ist die Anhängelast von bis zu 2,5 Tonnen beim VLE 400 4Matic – 1,5 Tonnen mehr als beim VLE 300. Der „starke“ VLE beschleunigt auf Wunsch in nur 6,5 Sekunden auf Tempo 100. Dieser Allradspaß fängt allerdings bei rund 100.000 Euro (brutto) an. Dafür besitzt jeder VLE die Allradlenkung serienmäßig. Mit 11,6 Metern Wendekreis helfen die mit bis zu sieben Grad mitlenkenden Hinterräder, das Fahrzeug handlicher zu machen, was wir bei einer Mini-Runde im getarnten Prototypen erfahren konnten.

2027 soll ein VLE (vermutlich VLE 250 Electric) mit 80-kWh-LFP-Akku folgen, für zirka 68.000 Euro. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt: Der mit weißem Leder ausgestattete „Exclusive“ kommt auf rund 140.000 Euro. Wer jetzt schluckt, sieht die „Notwendigkeit“ eines solchen Modells nicht. Denn in einigen Regionen der Welt werden solche Luxus-Vans den klassischen Limousinen vorgezogen. In China gibt es mehrere Anbieter von Hyper-Vans, sogar Lexus hat seit 2020 einen am Start. Und den Lexus LM gibt es seit Ende 2023 sogar in Deutschland. Der mit einem 2,5-Liter-Vollhybriden angetriebene Luxusliner kostet ab 128.000 Euro und bietet auf 5,13 Metern ähnliche Annehmlichkeiten, sogar mit einer Trennwand und integriertem 48-Zoll-Bildschirm im Fond.

Hier wird die neue V-Klasse produziert

Die Individualisierungsmöglichkeiten sind beim Mercedes VLE immens. Der VLE und die nachfolgenden Derivate mit Verbrennermotor dürften erfolgsversprechender sein als viele bereits im Markt befindliche Modelle der Stuttgarter Pkw-Kollegen. Die Mercedes-Benz Vans GmbH stand zuletzt nach bereinigtem EBITDA deutlich besser da als die Pkw-Sparte. Doch die „Handwerker-Truppe“ ist sich im Klaren: Der neue VLE – in all ihren Facetten – „muss sitzen“. Ob das direkt mit dem VLE Electric gelingt, bleibt angesichts der Stimmung im elektrisierten Nutzfahrzeugbereich fraglich – vielleicht gibt die aktuelle Situation an den Tankstellen nochmal einen Push. So oder so dürfte die Zeit für Mercedes spielen, denn immer mehr Menschen steigen bereits aufgrund von Einfahrtsbeschränkungen und internem wie externem Druck auf E-Modelle um. Die V-Klasse (Vito und Viano) wird übrigens seit 1996 im baskischen Vitoria von (derzeit) 4.500 Mitarbeitern produziert. Zusätzlich soll der neue Mercedes-Transporter auch in Düsseldorf und im polnischen Jawor vom Band rollen.

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