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Ein Jahr "stromern"

Zwölf Monate lang versah der Nissan E-NV 200 seinen Dienst in den Redaktionen der Springer Fachmedien München. Der Elektro-Transporter erwies sich als praktischer und flexibler einsetzbar, als im Vorfeld gedacht.


Datum:
01.10.2020
Autor:
J. Burgdorf
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Am Ende des Testjahrs lagen wir bei knapp 13.000 Kilometern - nicht üppig. Lag das etwa daran, dass sich das Jahrestestfahrzeug, der Nissan E-NV 200 Evalia, keiner Beliebtheit in der Redaktion erfreut hat? Im Gegenteil, teilweise standen die Kollegen buchstäblich Schlange ...

Dass eine solche entstand, lag am unserer Meinung nach größten Manko des vollelektrischen Nissan-Lastesels: Sein AC-Bordlader nimmt bestenfalls sechs Kilowatt auf. So bringt es wenig, in eine leistungsfähige 11-kW-Wallbox zu investieren, wie wir das taten - der Nissan kann diese geballte Power gar nicht verarbeiten. Die Folge: lange Ladezeiten. Hatte der Vornutzer den Stromvorrat der 40-kWh-Akkus, die Nissan seit 2018 verbaut, entsprechend ausgeschöpft, dauerte es einen ganzen Arbeitstag, bis "K-N 7081E" wieder zu hundert Prozent einsatzbereit in der Tiefgarage stand.

Das erfordert eine ausgeklügelte Disposition, schließlich hat längst nicht jeder Kollege die Möglichkeit, den Nissan bequem bei sich zu Hause über Nacht voll zu laden. Geschah dies an öffentlichen Säulen, lud sich auch stets etwas Angst auf, denn eine diebstahlvereitelnde Ladekabel-Verriegelung bietet der Nissan nicht.

Das ist aber auch schon alles, was wir dem "Majestic-Blue" lackierten Stromer wirklich negativ ankreiden können. Ansonsten verbessern die leistungsstärkeren Akkus, bezogen zum Vorgänger, mit vormals schmächtiger 24-kWh-Batterie den Aktionsradius deutlich.

Maximal 259 Kilometer

Wobei wir uns an dessen Grenzen langsam rantasteten - Stichwort Reichweitenangst. Mutige Kollegen wagten jedoch schon bald 150 Kilometer lange Dienstfahrten und schafften es mit beruhigendem Reichweitenpolster wieder zurück in die Redaktion. Am Ende lag das Maximum bei 259 Kilometern auf verschiedensten Straßen mit einer "Tankfüllung", gar nicht so weit entfernt von der 300-Kilometer-Werksangabe nach WLTP-Zyklus.

Nerven kostete dem Redakteur bei ebendieser Fahrt aber eine Tücke der Elektronik: Bei noch15 Kilometern Restreichweite springt die Anzeige plötzlich ohne Vorwarnung auf null. Die bis zum Ziel mit rettender Ladesäule noch zu fahrenden acht Kilometer wurden damit ziemlich aufregend. Kleiner Tipp: In einer solchen Situationen hilft das Aufrufen der Akku-Kapazitätsanzeige im Bordcomputer, die in dem Fall mit noch vier Prozent für Beruhigung sorgte.

Kilometerrekorde sind jedoch nur mit entsprechender Selbstdisziplin, bei angenehmen Temperaturen und im Stadteinsatz möglich. Denn das Nutzen von Heizung oder Klimaanlage bestraft der E-NV 200 mit bis zu einem Drittel Kilometerschwund. Zwar ist an kalten Tagen die Sitz- und Lenkradheizung, die Nissan serienmäßig spendiert, recht angenehm, trotzdem traten nicht wenige Redakteure ihren Dienst im E-NV 200 mit Mütze, Schal und Handschuhen bewaffnet an ...

Ansonsten lernten wir auf längeren Strecken schnell, uns auf der Autobahn besser an das Tempo von Omnibussen anzupassen und die beiden verschieden starken Rekuperationsmodi auf Landstraßen und in der City sinnvoll einzusetzen. Wer das beherzigt, kann im Stadtverkehr nahezu ohne den Einsatz der Betriebsbremse auskommen.

Apropos City-Verkehr: Dieser ist klar das bevorzugte Revier der Stromers. Nicht nur, weil das angesprochene Thema Reichweitenangst hier wegfällt. Es macht einfach Spaß, sich dank der kompakten Abmessungen des E-NV 200 noch in oder durch Lücken zu quetschen, vor denen andere Transporter und erst recht grobschlächtige SUV kapitulieren. Letztere konnten mitunter auch beim Ampelstart buchstäblich ihr blaues Wunder erleben, wenn der optisch unscheinbare K-N 7081E sein ab Stillstand voll anliegendes Drehmoment von 254 Nm präsentierte.

So kompakt die Außenmaße des Nissan ausfallen, so geräumig präsentiert er sich innen. Theoretisch wären 4,2 Kubikmeter Ladevolumen drin, würde Nissan die hinteren Sitze nicht lediglich klapp- und wickelbar ausführen. Ganz hinausschaffen lassen sie sich nur umständlich mit Werkzeug. Das erspart man sich besser. Hier

würden sich Mischnutzer über eine praktikablere Lösung freuen. Auch an der unwillig schließenden Heckklappe könnten die Japaner Hand anlegen, die beim Testfahrzeug einen kräftigen Schubser benötigte. Konstruktionsbedingt wohl wenig ausrichten ließe sich an der geringen Nutzlast des gut ausgestatteten Kombis. 435 Kilogramm sind für einen Transporter mit sieben Sitzplätzen auch in der kleineren Klasse nicht viel.

Vergleichsweise fair erscheint der Preis von 36.498 Euro, den Nissan für den gut ausgestatteten E-Van aufruft. Bei 7.840 Euro darunter startet der Kastenwagen. Inklusive sind die Nissan-typisch langen Garantien (fünf Jahre, acht Jahre Batterie) - und das Umweltgewissen.

21,3 kWh

elektrischen Strom ließ sich K-N 7081E durchschnittlich auf 100 Kilometer während der Dauertestdistanz schmecken.

Nissan E-NV 200 Evalia

Preis: 36.498 EuroSynchron-Wechselstrom-Elektromotor 80 kW/109 PS | 254 Nm | 123 km/hBatteriekapazität: 40 kW/h | Ladezeit: 2 (Chademo) bis 17 Stunden (230 V) Verbrauch: 25,9 kW/h (WLTP)Reichweite: 200 bis 300 km (WLTP) 4.560 x 1.755 x 1.845 mmWartung: jährlichGarantie: 5 Jahre/100.000 km 8 Jahre/160.000 km auf AkkuAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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