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Ich bin ein Handschmeichler

Wenn Land Rover eine Sache gut kann, ist es, Fahrzeuge zu evolutionieren. Dass das jedoch nicht das Einzige ist, was die Briten können, beweist der Range Rover Velar P400e.


Datum:
16.08.2021
Autor:
mb
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P400e heißt die Plug-in-Hybrid-Version des Range Rover Velar. Klar, Kritiker werden fragen, was diese Kombination soll. Der Velar ist kein Auto für den Stadtverkehr, wo die Phevs ihre Vorteile ausspielen können und emissionsfrei stromern. Aber, wie wir alle wissen, interessiert es die Käuferinnen und auch Käufer eher selten, ob ein Fahrzeug in die Stadt passt oder nicht.

Und genau aus dem Grund bietet sich der Velar P400e geradezu an, erste Wahl bei den User Choosern zu sein. Denn nicht nur die monatliche Belastung des eigenen Bankkontos wird minimiert, sondern auch die Emissionen auf der Kurzstrecke. 53 Kilometer dürfte diese nach WLTP-Lesart betragen. Diese Strecke schafft der Velar laut Land Rover elektrisch. Nötig ist dafür die 13,7-kWh-Batterie, die brutto etwas mehr als 17 kWh speichert. Ist die "Primär-Energie" erschöpft, setzt der Benziner ein. Der Vierzylinder soll sich auf den folgenden 47 Kilometern gut zwei Liter Superbenzin gönnen. Gelächter an. Gelächter aus.

Idealerweise fährt man den P400e also mit Strom, und zwar ausschließlich grünem. Das sollte anno 2021 in allen Büros und zuhause Standard sein, ist es aber nicht - leider. Wer doch lieber nur den Steuervorteil genießt (0,5-Prozent-Versteuerung), das Ladekabel nie anfasst und 300-Benzin-PS fürs Vorwärtskommen animiert, darf keine Verbrauchswunder erwarten. Selbst dann nicht, wenn im Hybridmodus gut 100-Elektro-PS hinzukommen. Auf der Langstrecke sind weniger als zehn Liter machbar.

Schnellladen beim Phev

Doch Land Rover macht eine Sache besser als fast alle anderen Anbieter von Plug-in-Hybriden. So gibt es bei den Engländern einen DC-Ladeanschluss. DC bedeutet Direct Current und übersetzt ganz einfach: Schnellladen. Mit bis zu 32 kW fließt der Strom in den Akku, wenn man - beispielsweise an der Autobahnraststätte - einen Stopp macht und den Velar während des Kaffeetankens an den Schnelllader anschließt. Rund 80 Prozent sind in 30 Minuten befüllt. Ab 22 kW fängt nach Definition übrigens das Schnellladen an. In jedem Fall hilft diese Möglichkeit, auch auf der Langstrecke ab und an Strom zu fassen. An der Wallbox in der "deutschen" Garage kommen dann - wie bei fast allen Phevs - nur rund 4 kW pro Stunde an. Das bedeutet, dass eine Vollladung etwa vier Stunden dauert - also perfekt für den halben Tag Büroarbeit.

Haben wir das Stromthema somit geklärt, geht es ans Fahren. Und das klappt sehr geschmeidig. 404 PS stellen die beiden Antriebe zur Verfügung und zudem mehr als 600 Newtonmeter Drehmoment. Das reicht für Fahrleistungen, die einem Sportwagen ebenbürtig sind und macht das Überholen auf der Landstraße zum Augenblick. Angenehm ist dabei, dass alles sehr unaufgeregt passiert. Die Achtgang-Automatik wirft den passenden Gang in Kürze rein und ist kaum spürbar. Anders die damit gesammelte Kraft, die wirkt ohne Ankündigung eher wie der Tritt ins Kreuz - trotz 2.250 Kilogramm Lebendgewicht.

Ruhe ist Trumpf

Diese Gangart passt aber nicht zum Gesamtambiente. Denn der Velar ist nach wie vor ein Mittelklasse-SUV, das Gelassenheit ausstrahlt. Außen gelingt das durch seine seit Markteinführung im Jahr 2017 unveränderte Handschmeichler-Optik mit langer Motorhaube und flacher Insassenkabine. Mit seinem Cw-Wert von bestenfalls 0,32 liegt er für ein SUV auch ganz gut im Wind. Kleinen Anteil daran haben wohl die versenkbaren Türgriffe, die ein netter Gag sind und im Alltag eher nerven.

Der durchaus imposante Auftritt zieht sich im Inneren durch und wird - je nach Ausstattung - verfeinert. Wer das Saubermann-Image vollenden möchte, kann beim Sitzbezug, Lenkrad und weiteren Haptik-Teilen auf Leder verzichten und "Premiumtextil" ordern. Dass das Paket 3.000 Euro extra kostet, sollte es einem Wert sein und ist bei einem Einstiegspreis von 60.000 Euro zweitrangig, zumal ja nur 0,5 Prozent versteuert werden müssen.

Dass sich die Zeiten ändern, merken Velar-Kenner beim Gangeinlegen. Erhob sich bislang ein Drehknauf aus den Tiefen der aufgeräumten Mittelkonsole, gibt es nun aus Designaspekten einen Rückschritt. Denn der Velar 2022 hat einen plumpen Wählhebel, der in der glatt geleckten Bedienlandschaft wie ein Fremdkörper wirkt. Besser bedienen lässt er sich auch nicht.

Neues im Innenraum

Die zwei Displays davor sind nach wie vor serienmäßig. Sauber gewischt sehen sie edel aus, doch ein Putztuch sollte in Griffweite liegen. Pivi nennt Land Rover das neue Infotainmentsystem, das sich einfacher bedienen lässt. Zwei Telefone sind parallel nutzbar. Updates können nun overthe-air (OTA) erfolgen, denn der Velar ist stets online. Ein neues 3D-Kamerasystem soll den Überblick verbessern, ebenso wie der bekannte Bildschirm-Innenspiegel mit Kamera in der Dachantenne. Hilfreich, wenn die Rückbank voll besetzt oder der Kofferraum dachhoch beladen ist.

Damit der Innenraum viren- und pollenarm bleibt, gibt es eine Luftionisierung. Beim Aussteigen dann aber bitte die FFP-2-Maske nicht vergessen. Sinnvoller erscheint die aktive Geräuschreduzierung, die Gegenschwingungen produziert und damit für mehr Ruhe im Innenraum sorgt. Dazu muss eines der drei Meridian Soundsysteme bestellt werden. Das kleinste für 480 Euro ist unsere Empfehlung. Dabei wird zwar auf den 3D-Surround-Sound verzichtet. Doch wer Musik genießt, wird dieses Feature nicht vermissen. Für alle, die bei all der Elektrifizierung und Digitalisierung nun den Diesel vermissen: den gibt es weiterhin. Mit vier und mit sechs Zylindern. Und das sind auch die richtigen für User Chooser mit mehr als 20.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr.

Range Rover Velar P400e

Preis ab: 59.616 EuroR4/1.997 | 221 kW/300 PS | 360 Nm 5,4 s | 209 km/hElektromotor: 105 kW/143 PSSystemleistung: 297 kW/404 PS 640 Newtonmeter ab 1.500Batteriekapazität: 13,7 kWh (netto)Reichweite: 53 WLTP-KilometerLadezeit: 30 min bis 80% an DC-Schnelllader | Verbrauch NEFZ: 2,3 S + 13,7 kWh auf den ersten 100 Kilometern | 52 g/km 4.797 x 2.041 x 1.683 mmKofferraumvolumen: 503 - 1.335 lHK: 23 | VK: 29 | TK: 30Wartung: 2 Jahre/34.000 kmGarantie: 3 Jahre/100.000 km bzw. 8 Jahre/160.000 km auf AkkuAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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