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Jubiläum: Als Lauda noch vor Porsche warnte

Die aktuelle Version ist die sechste des Porsche 911 Turbo.
© Foto: Porsche


Datum:
05.06.2013
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Heute sind Turbos Leistungszauberer und Spirtsparer zugleich, gilt die Aufladung doch als Wunderwaffe für drehmomentstarke Downsizing-Motoren. Ganz anders vor vierzig Jahren bei der Vorstellung des weltweit ersten Sportwagens mit Turbomotor: Als neues Topmodell von Porsche sollte der 911 Turbo reinrassige Rennsporttechnik auf die Straße bringen.

Alles was damals zählte, war maximale Leistung und davon hatte der Turbo mit dem auffälligen Kennzeichen eines ausladenden Heckflügels so viel, dass selbst hartgesottene Porsche-Fans feuchte Hände bekamen: 260 PS aus drei Liter Hubraum ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von über 250 km/h und einen sensationellen Sprintwert von 5,2 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100.

Deutschlands Straßensportwagen

Genug Vmax für den Titel "Schnellster deutscher Straßensportwagen" und sogar ausreichend Temperament, um die meisten englischen und italienischen V12-Boliden auf Distanz zu halten. Im wirklichen Straßenleben war der wie alle Serien-Porsche voll alltagstaugliche Turbo ohnehin König der Überholspur, sofern er besonnen bewegt wurde. Denn andernfalls ließ der nach gewöhnungsbedürftiger Turbo-Gedenksekunde unvermittelt einsetzende raketengleiche Vorwärtsschub den stärksten Porsche leicht außer Rand und Band geraten. Durchaus ernst gemeint war daher damals Niki Laudas Empfehlung: "Der Laie sollte die Finger von diesem Auto lassen".

Ganz anders sahen das natürlich alle Fans, deren prominentester Vertreter Ferdinand Porsche war. Er bewegte seinen Turbo der ersten Serie problemfrei bis zum Juni 1980, um ihn dann ins Porsche-Werksmuseum zu integrieren. Bis dahin war es bei der IAA-Weltpremiere im Herbst 1973 aber noch ein weiter Weg. Damals ahnte noch niemand das Ausmaß des Turbo-Booms, den der Power-Porsche ab dem Folgejahr auslösen sollte.

Erfolglose Konkurrenz

Zwar waren aufgeladene Motoren im Rennsport nicht mehr außergewöhnlich, aber an Straßenfahrzeuge mit solchen Maschinen hatten sich bis dahin nur drei Marken gewagt. Erfolglos, egal ob Chevrolet (Corvair Spyder), Oldsmobile (F85 Turbo Jetfire) oder BMW (2002 Turbo). Hinzu kam die weltweite Ölkrise des Winters 1973/74 mit strikten Tempolimits auch auf deutschen Straßen.

Das alles schien das Feuer für den schnellsten Serien-Porsche aller Zeiten nur noch weiter zu schüren. Als Brandbeschleuniger wirkte außerdem der 911 Carrera RSR 2.1 Turbo, der im Juni 1974 als erster Rennwagen mit einem Abgasturbolader und 500 PS Leistung bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start ging. Unglaublich schien das Ergebnis des Coupés: Platz zwei und damit auf Anhieb eine Podestposition mitten in einer Phalanx aus Prototypen mit Rohrrahmenchassis und Formel-1-Triebwerken.

Der Turbo wird zur Serie

Beste Basis für einen Traumwagenstatus der Serienversion des 911 Turbo. Gleiches galt für die Preisliste des neuen Trumpfs jeden Autoquartetts. Sie begann bei 65.800 Mark und lag damit 50 Prozent über dem 911 Carrera. Eine Maßnahme, die die Nachfrage nur noch zu beflügeln schien, ebenso wie die von Porsche immer wieder gerne kommunizierte Liste prominenter Fahrer. Darunter Rennfahrer wie Jochen Mass, Jacky Ickx und Paul Pietsch oder die Rallye-Legende Walter Röhrl, aber auch Künstler wie Herbert von Karajan, Justus Frantz und Ray Parker jr.

Hinzu kam: Der Serien-Turbo startete ohne die von Konkurrenten prophezeite drastisch reduzierte Lebenserwartung der Motoren, dafür mit sensationeller Bremsanlage: Innenbelüftete Scheibenbremsen mit Aluminiumsätteln aus dem 917 Rennwagen bewirkten rekordverdächtig gute Verzögerungswerte. Abheben wollte der Turbo deshalb nur bei den Verkaufszahlen: Aus geplanten 400 Einheiten wurden rasch 1.000 und schließlich sogar 2.876 Hochleistungssportler.

300 PS ab 1977

Dann – im Jahre 1977 – lauteten die Schlagzeilen: "Der König ist tot, es lebe der König!". Mit Ladeluftkühlung und auf 3,3 Liter Hubraum vergrößerter Maschine erreichte der nun intern Typ 930 genannte Porsche 911 Turbo die magische Zahl von 300 PS. Marken-Weltmeister im Motorsport wurde einmal mehr der Porsche 935, der es dank Doppelturboladers sogar auf 630 PS brachte.

Passend zu den neuen öffentlichen Diskussionen um das Waldsterben wurden 1982 die bis dahin astronomisch hohen Norm-Verbrauchswerte des Turbos von 20 Litern im Stadtverkehr auf geringfügig sozialverträglichere 15,5 Liter reduziert. Wichtiger waren dem zahlungskräftigsten Porsche-Publikum wahrscheinlich die werksseitigen Fahrzeugveredlungen von Porsche Exclusive.

Wasser- statt luftgekühlt

Den Anfang machte der 911 Turbo "Flachbau" mit modischen Klappscheinwerfern, während von der 1991 lancierten neuen Elfer-Generation mit dem Code 964 besonders leistungsstarke Leichtbau-Turbo mit bis zu 381 PS Leistung als Sonderedition aufgelegt wurden. Ein Ausrufezeichen im Sportwagenbau setzte die Baureihe 993, die 1995 einen Biturbo als Topmodell erhielt.

Zwei kleine Turbolader tilgten endlich das berüchtigte Turboloch, Allradantrieb minderte Traktionsprobleme und mit erstmals über 400 PS (exakt 408 PS) kratzte das Coupé an der 300-km/h-Marke. Tempo machten inzwischen auch Targa und Cabrio, die es seit 1987 in Turbo-Spezifikation gab. Mit der Baureihe 996 wagte Porsche zehn Jahre später die Revolution im Typ 911: Der Boxer war nun wassergekühlt. Für viele Fans zunächst nicht akzeptabel, aber der Markt gab Porsche Recht. Die Serie 996 wurde zum Erfolg, vor allem wiederum als Turbo.

Jubilär ist die sechste Generation

Bei seiner Vorstellung im Februar 2000 wurde der Turbo in den USA mit dem Prädikat des "weltweit saubersten Automobils" ausgezeichnet und erhielt das begehrte Signet LEV (Low Emission Vehicle). Vierventiltechnik, Nockenwellenverstellung und Ventilhub-Umschaltung bewirkten geringere Emissionen, aber auch mehr Leistung. 420 PS ermöglichten eine Vmax von 305 km/h, nachdem die 100-km/h-Markierung innerhalb von 4,2 Sekunden passiert worden war.

Sogar der gefeierte Ferrari 550 Maranello hatte hier das Nachsehen. Das galt auch bei der Verzögerung, wo der 911 Turbo mit neuartigen Keramik-Verbundbremsscheiben Bestwerte erzielte. Das Bessere ist traditionell des Guten Feind und so gelang es dem 911 Turbo der Baureihe 997 sechs Jahre später als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Benzin-Direkteinspritzer und variabler Turboladergeometrie auch den Vier-Sekunden-Beschleunigungswert zu unterbieten.

Das 40. Jubliäum ihres Topmodells feiern die Zuffenhausener dagegen in diesem Jahr mit der sechsten Turbo-Generation. Noch stärker, noch schneller und noch agiler dank Allradlenkung kommt der jüngste Elfer daher. Alles ist neu und dennoch unverkennbar 911 Turbo. Damit der weltweit erste Turbo-Sportwagen nichts von seiner Faszination verliert und bei Sprintduellen auch die stärksten Ferrari fressen kann. (Wolfram Nickel/sp-x)


Porsche 911 Turbo S (2014)

Porsche 911 Turbo S (2014) Bildergalerie

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