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Kühlen, bis der Arzt kommt

E-Mobile brennen nicht häufiger als Fahrzeuge mit anderen Antrieben. Aber wenn es zum Brand der Batterie kommt, sind die Folgen teils dramatisch. Vorbereitung für Retter, Abschlepper und Werkstatt hilft.


Datum:
14.12.2020
Autor:
Dietmar Winkler
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Berichte über die Folgen von Bränden bei Elektrofahrzeugen sind teilweise dramatisch und lassen nichts Gutes erwarten, wenn sich die Technik erst mal verbreitet. Immerhin soll es bis 2030 nach den Plänen der Bundesregierung hierzulande bis zu zehn Millionen E-Fahrzeuge geben.

Kommt es nach einem Unfall zum thermischen Durchgehen (Thermal Runaway) der energiegeladenen Akkus, ist das Löschen des Brandes kaum möglich. Die Feuerwehr setzt daher auf das Kühlen der Batterie mit großen Mengen Wasser. Rolf Erbe, Brandoberamtsrat bei der Berliner Feuerwehr, verweist auf die beschränkte Einsatzerfahrung bei Bränden mit Elektrofahrzeugen hin. Während die Löscharbeiten bei herkömmlichen Fahrzeugen eher Routine seien, könne die Feuerwehr dann bei brennenden Batterien nicht auf den gleichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Die Schlagzeilen in der Presse, die häufig ein Bild von hilflosen und überforderten Rettungskräften zeichneten, seien aber fehl am Platz. "Es ist nicht so, dass man brennende E-Fahrzeuge nicht unter Kontrolle bekommen könnte", betont der Brandexperte.

Gutes Abschneiden im Crashtest

Der ADAC beobachtet den Hochlauf der Elektromobilität vor allem auch aus Verbrauchersicht. Beim Thema Brandgefahr ist der Automobilclub nicht beunruhigt."Es gibt keine sachlichen und objektiven Hinweise, dass E-Autos hinsichtlich der Gefahren bei Unfall, Panne oder im Brandfall als kritischer einzustufen wären als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor", erklärt Matthias Vogt, Referent Fahrzeugtechnik Elektromobilität beim ADAC. Der Automobilclub hat E-Mobile im Crashtest für gut befunden:"Beim Crashtest schneiden Elektroautos nicht schlechter ab als herkömmliche Fahrzeuge - ganz im Gegenteil", heißt es in einer Mitteilung zum Test des neuen Porsche Taycan. Die Strukturen der Batterie blieben bei allen vier Euro-NCAP-Crashversuchen intakt.

Problematisch sind aus Sicht der Feuerwehr Unfallszenarien, bei denen das Fahrzeug stark verformt wird, beispielsweise bei seitlichem Aufprall an einen Baum. "Bei E-Antrieben müssen wir immer zuerst das Fahrzeug stromlos schalten, denn wir wissen nie, ob das Fahrzeug dies automatisch getan hat. Es gibt auch keine Möglichkeit, das von außen zu erkennen", erläutert Brandexperte Rolf Erbe. Nachdem das Fahrzeug stromlos geschaltet wurde, wird auf jeden Fall geprüft, ob die Batterie beschädigt ist, sich durch Beschädigungen erwärmt oder Elektrolyt aus der Batterie entweicht. Wenn die Batterie einmal in Brand geraten ist, kann man den Vorgang nicht direkt stoppen. Rolf Erbe: "Dann bleibt uns nur, die Batterie zu kühlen."

Abschleppdienste in Sorge

Problematisch für Abschleppdienste: Eine defekte Batterie kann auch nach mehreren Tagen noch in Brand geraten oder sich erneut entzünden. Bergungsdienste sind entsprechend geschult, aber theoretisch lässt sich nicht ausschließen, dass die Batterie auf dem Abschleppfahrzeug noch mal in Brand gerät. Wegen der fortdauernden Brandgefahr verlangen Automobilhersteller von ihren Händlern, für Unfallfahrzeuge einen Quarantäneplatz im Freien vorzuhalten. In der Broschüre "Ihr Weg zur Elektromobilität", die Volkswagen an Servicepartner geschickt hat, verlangt der Hersteller neben speziell geschultem Personal und sicher ausgelegten Hochvolt-Arbeitsplätzen auch einen speziell geschulten Hochvolt-Experten im Betrieb, der in der Lage ist, kritische Batterien zu verpacken. Jeder Servicepartner muss zudem eine Quarantänefläche mit "ausreichendem Abstand zum Schutz von Gebäuden, anderen Fahrzeugen, Batterien und Gefahrenquellen" bereithalten.

Die Prüforganisation TÜV Süd sieht keinen Grund, Alarm zu schlagen. Florian Hockel von TÜV Süd Product Service testet Endverbraucherprodukte und kennt sich aus mit Lithium-Ionen-Batterien. Hockel und sein Team prüfen rund 800 neu entwickelte Akkus jedes Jahr auf Hitze- sowie Kälteresistenz, Stabilität und Leistung. "Es ist wie bei allen neuen Produkten - je mehr auf den Markt kommen, desto mehr passiert dann auch. Bei Elektroautos ist die Anzahl der Vorfälle im Vergleich zur Anzahl an Produkten nach unseren Beobachtungen aber verschwindend gering."

Aus Sicht der Prüforganisation sind die vorhandenen Vorschriften auf jeden Fall umfassend. In welchem Zustand sich eine Batterie nach einem Unfall befindet, ist dann allerdings nicht leicht festzustellen: "Man kann anhand des Lade- und Entladeverhaltens sowie der Zelltemperatur in entsprechenden fachbetrieblichen Einrichtungen herausfinden, ob Zellen Schaden genommen haben. Dazu ist aber spezielles Equipment notwendig, das ist sicher nicht flächendeckend in jeder Werkstatt verfügbar."

Serie: Brandgefahr E-Mobil

Teil 1: Brand auf der AutobahnTeil 2: Wie sich die Feuerwehr vorbereitetTeil 3: Schadengutachten

Abschleppen, Transportieren, Pannenhilfe und Verwahrung - so macht man es richtig

Was ist beim Verladen eines Elektro-/Plug-in-Hybrid-Fahrzeuges nach einem Unfall zu beachten?- Vor dem Verladen sollte das Hochvolt-System deaktiviert sein (z. B. Zündung ausschalten, ggf. vorhandene Trennstelle nutzen, Zwölf-Volt-Batterie abklemmen).- Bei der Übergabe an Bergeunternehmer muss die Feuerwehr die Antriebsart des Fahrzeugs und die erfolgten Maßnahmen (z. B. Hochvolt-Deaktivierung) mitteilen. Insbesondere ist auf eine mögliche Gefährdung durch beschädigte Hochvolt-Komponenten oder mit Wasser in Berührung gekommene Hochvolt-Komponenten hinzuweisen.- Für das Verladen und den Transport sind nationale Vorschriften/Normen zu beachten (DGUV Information 214-010, 205-022 sowie 200-005 und DGUV Information 214-081 sowie die ADR-Vorschriften).- Ergänzende Hinweise finden sich in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs bzw. dem Rettungsdatenblatt (Rettungskarte).- Beim Heben mit einem Kran/Wagenheber und bei Arbeiten mit einer Seilwinde oder beim Verladen ist darauf zu achten, dass keine Hochvolt-Komponenten beschädigt werden.Was ist beim Abschleppen von verunfallten Elektro-/Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen zu beachten?- Ein Fahrzeugtransport sollte grundsätzlich mit einem Plateaufahrzeug bzw. gemäß Herstellervorgaben erfolgen.- Beim Abschleppen in der Hubbrille kann es zu Schäden am Elektro-/Hybridsystem kommen, wenn die Antriebsachse(n) auf der Straße verbleibt/verbleiben.- Fahrzeuge mit beschädigtem Hochvolt-Energiespeicher sollten möglichst zur nächstgelegenen geeigneten Fachwerkstatt bzw. zu einem sicheren Verwahrort transportiert werden.Wie müssen verunfallte Elektro-/Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge abgestellt und verwahrt werden?- Verunfallte Elektro-Fahrzeuge und Phev sind, wie konventionelle Fahrzeuge, aus Brandschutzgründen in einem abgesperrten Bereich auf einem Abstellplatz im Freien mit ausreichenden Abständen zu anderen Fahrzeugen, Gebäuden, brennbaren Gegenständen und brennbaren Untergründen abzustellen.- Ein Abstellen eines Fahrzeugs mit beschädigtem Hochvolt-System in einer geschlossenen Halle wird in keinem Fall empfohlen.- Herstellerspezifische Hinweise (z. B. Rettungsdatenblätter) sind zu beachten.- Alternativ können verunfallte Fahrzeuge in dafür vorgesehenen Brandschutzsystemen abgestellt werden.- Abgestellte verunfallte Elektro-/Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit der Witterung direkt ausgesetzten Hochvolt-Komponenten sind mit einer wetterfesten Plane abzudecken.Quelle: VDA

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