Mehr Kontrolle, weniger Kosten: Das kann das neue Fleet Portal von Ionity

25.03.2026 10:47 Uhr | Lesezeit: 5 min
Ionity Fleet
Flotten unter Strom: Ionity öffnet einen direkten Zugang zu ultraschnellem Laden.
© Foto: Ionity

Ionity steigt mit einem eigenen Flottenportal in den Markt ein – auf Wunsch vieler Kunden, die direkten Zugang zu ultraschnellem Laden und mehr Kontrolle über ihre E‑Fahrzeuge suchen. Ein Gespräch mit Damla Godefroy, Senior Product Manager Ionity Fleet.

Warum steigt Ionity jetzt selbst in Flottenmanagement-Funktionen ein, obwohl dieser Markt bisher vor allem von Mobility-Service-Providern besetzt wird?

Damla Godefroy: Wir reagieren damit vor allem auf konkrete Nachfrage von Kundenseite. Viele Flottenbetreiber wünschen sich einen direkten Zugang zu Ionity, da sie mit der Netzabdeckung und der Ladequalität sehr zufrieden sind, aber nicht zwingend das umfassende Leistungsangebot klassischer Mobility-Service-Provider benötigen.

Mit Ionity Fleet und unserem Fleet Portal bieten wir daher eine schlankere, direkte Lösung, die sich auf das Wesentliche konzentriert: ultraschnelles, zuverlässiges Laden sowie die Verwaltung von Flotten, Ladekarten und Ladeberechtigungen. Unternehmen erhalten so mehr Kontrolle und Transparenz, ohne zusätzliche Komplexität oder Kosten. Gleichzeitig adressiert unser Fleet Portal die wachsenden organisatorischen Anforderungen elektrifizierter Flotten – insbesondere dann, wenn mehrere Fahrzeuge im Einsatz sind oder grenzüberschreitend geladen wird. Unser Ziel ist es, den administrativen Aufwand zu reduzieren und die Steuerung von Nutzung und Kosten für Unternehmen deutlich zu vereinfachen.  

Können Sie die wesentlichen Funktionen des eigenen Flottenportals kurz umreißen?

Damla Godefroy: Das Ionity Fleet Portal dient als zentrale Steuerungs- und Verwaltungsplattform für das Laden von elektrische Firmenflotten. Über das Portal können Flottenmanager:innen Fahrzeuge registrieren, Ladekarten zuweisen und verwalten aber auch den Zugang zu Ladeinfrastruktur gezielt steuern.

Unter anderem lässt sich festlegen, in welchen Ländern oder an welchen Ladestationen Flotten laden dürfen. So können  Unternehmen beispielsweise bestimmen, ob ihre Fahrer:innen ausschließlich das Ionity-Netz nutzen oder zusätzlich auf ausgewählte Roamingpartner zugreifen dürfen.  Oder sie können einzelne Länder gezielt freischalten oder einschränken – etwa dort, wo höhere kWh-Preise gelten. Darüber hinaus bietet das Portal einen Überblick über sämtliche Ladevorgänge sowie gebündelte Rechnungen. Nutzungs- und Abrechnungsdaten können exportiert und für interne Auswertungen weiterverarbeitet werden. Auch administrative Aufgaben wie das Sperren oder Ersetzen verlorener Ladekarten lassen sich direkt im System erledigen.  

Können Flotten mit dem Portal nachweislich günstiger laden, oder handelt es sich primär um eine Verwaltungsplattform?

Damla Godefroy: Das Fleet Portal ist vor allem als Verwaltungs- und Kontrollinstrument konzipiert. Es hilft Unternehmen dabei, Ladeprozesse transparent zu organisieren und Kosten besser im Blick zu behalten. Ein Beispiel: Flottenmanager können den Energieverbrauch und die Kosten je Flotte, Fahrer:in oder Kostenstelle schnell und übersichtlich einsehen. So lassen sich Ausgaben ganz einfach zuordnen und steuern.

Wird es zusätzliche Flottentarife oder Mengenrabatte für Nutzer des Portals geben?

Damla Godefroy: Wir bieten für Flottenkunden bereits heute dedizierte und attraktive Fleet-Tarife mit einer klaren, verbrauchsabhängigen Preislogik. Über das Flottenportal können Manager selbst entscheiden, welcher Tarif je Fahrer:in oder Flotte am sinnvollsten ist. Mengenabhängige Preisstaffeln orientieren sich am monatlichen Ladevolumen der Flotte. Ziel ist es, insbesondere für größere und international aktive Flotten planbare und nachvollziehbare Konditionen zu schaffen, ohne die Tarifstruktur unnötig zu verkomplizieren.

Wie unterscheidet das Flottenportal zwischen Privatfahrten und Dienstfahrten?

Damla Godefroy: Im Fleet Portal werden ausschließlich Ladevorgänge erfasst, die über die dem Unternehmen zugeordneten Flottenkarten durchgeführt werden. Eine inhaltliche Unterscheidung zwischen privaten und dienstlichen Fahrten auf Basis von Fahrprofilen gibt es nicht. Private Ladevorgänge sind nicht Teil des Fleet Portals. Sofern sie über eine Flottenkarte erfolgen, liegt die Zuordnung und gegebenenfalls interne Abrechnung außerhalb des Portals in der Verantwortung des Unternehmens. Erfolgen private Ladevorgänge separat, können sie von den Nutzer:innen eigenständig über persönliche Verträge, beispielsweise in der Ionity App, abgewickelt werden.

Ist das Flottenportal Teil einer Strategie zur stärkeren Monetarisierung des Schnellladenetzes, nachdem der Ausbau sehr kapitalintensiv war?

Damla Godefroy, Senior Product Manager Ionity Fleet
© Foto: Ionity

Damla Godefroy: Das Fleet Portal ist in erster Linie eine Antwort auf die wachsende Nachfrage von Betreibern elektrischer Flotten. Der Fokus liegt auf Transparenz, Kontrolle und Skalierbarkeit. Langfristig trägt eine professionelle Flottenlösung natürlich dazu bei, das Schnellladenetz effizienter auszulasten und langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Im Zentrum steht dabei jedoch die Vereinfachung von Prozessen für Unternehmen. 

Wie ist der Umgang mit Blockiergebühren? Gibt es Unterschiede zwischen den eigenen Ladesäulen und jenen der Verbundpartner? Wie sehen diese gegebenenfalls aus?

Damla Godefroy: Wir erheben an unseren eigenen Standorten derzeit keine Blockiergebühren. Für Flottenkunden bedeutet das maximale Kostentransparenz und Planungssicherheit, da keine Zusatzkosten durch Standzeiten entstehen. Bei der Nutzung von Partnernetzen über unser Roamingangebot können zusätzliche Preiskomponenten wie Blockiergebühren anfallen.

 Kann ich aktuell oder perspektivisch als Unternehmen, das einen eigenen Stromvertrag hat, diese Konditionen ins Ionity-Netz mitnehmen?

Damla Godefroy: Aktuell ist es nicht möglich, eigene Stromlieferverträge oder individuelle Energiepreise in das Ionity-Netz einzubringen. Als Betreiber der Ladeinfrastruktur stellen wir an allen Standorten 100 Prozent erneuerbaren Strom bereit. Der Vorteil für Flotten liegt dabei in einer einheitlichen Preis- und Vertragslogik über Ländergrenzen hinweg, unabhängig von lokalen Strommärkten oder Lieferanten.  

Werden Flotten Zugriff auf detaillierte Daten und APIs erhalten, um Lade- und Energiedaten in ihre eigenen Systeme zu integrieren?

Damla Godefroy: Wir planen das Fleet Portal künftig stärker mit bestehenden Fuhrparkmanagement-Systemen zu verzahnen. In einer nächsten Entwicklungsphase soll es deshalb Schnittstellen geben, über die Unternehmen Daten aus dem Portal in ihre eigenen Systeme integrieren können. Bereits heute lassen sich Nutzungs- und Abrechnungsdaten exportieren, beispielsweise für interne Auswertungen oder Buchhaltungsprozesse. Perspektivisch soll das Portal jedoch weiter ausgebaut werden und zu einer umfassenderen Plattform für das Management elektrischer Flotten in Europa werden. 

Können über das Flottenportal auch die privaten Wallboxen der Dienstwagenfahrer abgerechnet werden, damit der Fuhrparkleiter nur ein Tool hat, um alle Stromabrechnungen im Blick zu haben?

Damla Godefroy: Derzeit konzentriert sich das Fleet Portal auf das öffentliche Schnellladen im Ionity -Netz sowie bei ausgewählten Partnern. Die Abrechnung privater Wallboxen der Mitarbeiter:innen ist aktuell nicht Teil des Angebots. Wir fokussieren uns bewusst auf den Bereich Langstrecke und öffentliches Schnellladen, wo der größte organisatorische Mehrwert für international eingesetzte Flotten entsteht. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die RFID-Ladekarte nach kurzer Prüfung, auch für das Laden im privaten Umfeld freizuschalten, so dass Fahrer:innen nur eine Karte mitführen müssen.

Kann ich als Fuhrparkleiter über Ionity die Ladekabelprüfung der Ladekabel meiner Dienstwagenfahrer durchführen lassen? Was würde das pro Kabelprüfung kosten?

Damla Godefroy: Nein. Alle Ionity-Schnellladesäulen sind mit fest installierten Ladekabel ausgestattet – aus diesem Grund benötigen die Kund:innen an Ionity-Ladesäulen keine extern mitgeführten Ladekabel. Ionity bietet deshalb aktuell keine Services zur Prüfung von Ladekabeln oder anderen fahrzeugseitigen Komponenten an. Diese Leistungen liegen weiterhin im Verantwortungsbereich der Fahrzeughalter:innen, Leasinggesellschaften oder spezialisierten Dienstleister.  

Ionity ist ein Premium-Ladepartner. Wann sieht man das auch bei Services, die mit der Fahrzeugpflege zu tun haben? Luftdruck prüfen, Scheibenreinigen etc.

Damla Godefroy: Der Premium-Anspruch von Ionity zeigt sich primär in der Ladeleistung, der Standortqualität und der Zuverlässigkeit des Netzes. Zusatzservices wie Fahrzeugpflege oder technische Checks gehören aktuell nicht zum Leistungsumfang.  

Wie läuft die Mehrwertsteuerrückerstattung innerhalb der EU-Länder und innerhalb der Nicht-EU-Länder im Verbund?

Damla Godefroy: Ionity stellt Flottenkunden monatliche, gebündelte Rechnungen aus, aufgeschlüsselt nach Ländern in denen geladen wurde. Für Ladevorgänge im Inland fällt die jeweilige Mehrwertsteuer an, während grenzüberschreitende Ladevorgänge in der Regel ohne Ausweis von Mehrwertsteuer abgerechnet werden. Damit erhalten Unternehmen eine saubere Grundlage für die umsatzsteuerliche Behandlung und eine mögliche Vorsteuererstattung. 

Die konkrete Rückerstattung der Mehrwertsteuer erfolgt jedoch nicht durch Ionity selbst, sondern über die jeweiligen nationalen Steuerverfahren oder spezialisierte Dienstleister. Innerhalb der EU gelten andere Regelungen als in Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz oder Norwegen, was Unternehmen bei der Abwicklung berücksichtigen müssen.   Außerdem setzt sich Ionity für Erleichterungen des derzeit herausfordernden EU-Mehrwertsteuersystems für das grenzüberschreitende Laden von Elektrofahrzeugen ein. In der entsprechenden Arbeitsgruppe des europäischen Verbands versuchen wir seit 2022 das Bewusstsein für das Thema Mehrwertsteuer und EV-Laden bei wichtigen politischen Entscheidungsträger:innen auf EU- und Mitgliedstaatenebene zu schärfen; Rahmenbedingungen zu erläutern, Bedürfnisse der Branche zu skizzieren und Lösungen bereitzustellen. 

Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktsituation an Schnelllademöglichkeiten in Autobahnnähe in Deutschland und den Nachbarländern?

Damla Godefroy: In den vergangenen Jahren hat sich die Anzahl von Schnellladepunkten entlang der Hauptverkehrsachsen deutlich erhöht, sowohl in Deutschland als auch in den angrenzenden Ländern. Im Durchschnitt findet man alle 120 – 150 Kilometer eine Ionity-Schnellladesäule. Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Autos allgemein steigt gleichzeitig die Nutzung dieser Infrastruktur deutlich an und es wird weiter in den Ausbau leistungsstarker Infrastruktur investiert. 

Im europäischen Vergleich zeigt sich dabei ein unterschiedlicher Entwicklungsstand. Während einige Nachbarländer entlang stark frequentierter Reiserouten bereits gut ausgebaut sind, bestehen in anderen Regionen wie Osteuropa – in denen die Elektromobilität noch weniger verbreitet ist – weiterhin Unterschiede bei Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit.

Unabhängig davon verschiebt sich der Blick der Nutzer:innen zunehmend weg von der reinen Standortanzahl. Entscheidend ist vielmehr, ob Schnellladen entlang der Autobahnen im Alltag zuverlässig funktioniert, auch zu Spitzenzeiten ausreichend Kapazität bietet und über Ländergrenzen hinweg eine konsistente Nutzungserfahrung ermöglicht. Netze wie Ionity, die diese Qualitätsanforderungen dauerhaft erfüllen, haben sich deshalb im europäischen Markt bereits als Referenz für Schnellladen etabliert.


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