Wasserstoff-Pilotprojekt: Emissionsfrei Abschleppen

22.06.2026 14:39 Uhr | Lesezeit: 2 min
Abschleppen
Der Verkehrsclub AVC hat einen Abschleppwagen mit Wasserstoffantrieb in den Dienst gestellt.
© Foto: ACV

Bundesweit verantworten Pannendienste im Einsatz mehr als 50.000 Tonnen an CO2-Emissionen. Ein Kölner Automobilclub will das ändern. Ein kleines bisschen.

Als erster deutscher Automobilclub setzt der ACV (Automobil-Club Verkehr) im Raum Köln einen Abschleppwagen mit Wasserstoff-Brennstoffzelle im Regelbetrieb ein. Das Fahrzeug auf Mercedes-Atego-Basis ist mit einer Reichweite von bis zu 450 Kilometern je Tankladung und einer Betankungszeit von etwa 15 Minuten auf den Dauereinsatz ausgelegt. Den emissionsfrei fahrenden Prototyp betreibt ab sofort der örtliche Partnerbetrieb LS Pannenservice. Wissenschaftlich begleitet wird das Pilotprojekt von der Technischen Hochschule Köln.

Der Brennstoffzellen-Lkw kombiniert einen Antrieb mit einer Leistung von 200 kW und 3.100 Newtonmetern Drehmoment mit einer 80-kW-Brennstoffzelle sowie einer 133-kWh-Speicherbatterie. Sechs 350-bar-Tanks fassen insgesamt 30 Kilogramm Wasserstoff. Zum Abschleppen dient ein hydraulisches Schiebeplateau mit vier Tonnen Tragkraft und zwei Tonnen Hublast. Im Hängerbetrieb sind bis zu 24 Tonnen zulässig.

Mit Wasserstoff statt reiner Batterietechnik reagiere der Club auf die Anforderungen im Pannendienst, hieß es. Abschleppfahrzeuge legten täglich bis zu 400 Kilometer zurück. Selbst moderne batterieelektrische Lkw mit Reichweiten von 500 Kilometern je Akkuladung schieden vorerst aus, weil sich Ladepausen mit längeren Standzeiten im unplanbaren Rund-um-die-Uhr-Betrieb schwer einrichten ließen.

Wasserstoff-Infrastruktur überschaubar

Doch auch die Wasserstoff-Infrastruktur bleibt überschaubar. Gerade einmal 50 öffentlich zugängliche Anlagen sind laut Wasserstoffanbieter H2-Mobility derzeit am Netz, vor zwei Jahren waren es noch über 80. Weil sich der Ausbau zunehmend auf schwere Nutzfahrzeuge mit spezifischer Betankungstechnik konzentriert, reicht das Netz für den Einsatz eines Abschleppwagens dennoch aus - vor allem im Großraum Köln/Düsseldorf.

Bundesweit rechnet der Club mit rund drei Millionen Abschleppvorgängen pro Jahr, davon 60.000 bis 70.000 allein beim ACV. Insgesamt, so der Club, zeichnet die Branche für einen jährlichen Ausstoß von 53.100 Tonnen CO2 verantwortlich. Mit dem auf den Raum Köln begrenzten Pilotprojekt wolle man Erfahrungen sammeln und Wege finden, den CO2-Ausstoß auch in diesem Bereich zu senken. Eine echte Entlastung bringt das allerdings nur mit grünem Wasserstoff, der per Elektrolyse aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, davon ist nicht nur Deutschland bislang weit entfernt.


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