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Scooter im Leasing

Thomas Grübel ist E-Scooter-Pionier und will mit seiner Marke Govecs nun auch in der gewerblichen Mobilität heimisch werden. Wie das gehen soll, verrät er beim Firmenbesuch in München.


Datum:
01.03.2021
Autor:
Rocco Swantusch
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Die anbrechende Zeit der Elektromobilität kennt jetzt bereits viele Experten. Aber wahre Pioniere sind rar. Zweifelsohne passt das Label ideal ans Revers von Thomas Grübel. Dort steht allerdings bereits der Schriftzug Govecs - und das seit 2009.

Govecs, ein E-Roller-Hersteller mit Hauptsitz in München, liefert nicht allein die surrenden Scooter und Roller, sondern hat ein eigenes Service-Netz samt Sharing-Software aufgebaut, das für Sharing-Flottenbetreiber wie auch Lieferdienste heute schon das Rückgrat darstellt. Seit Kurzem rückt die betriebliche Mobilität in den Blick von Grübel. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen bieten die Süddeutschen ihr Zoom-Sharing jetzt auch Firmen an, die beispielsweise auf dem Großgelände oder zwischen Standorten Werkverkehre organisieren müssen und dafür nun wahlweise auch E-Roller oder E-Scooter einsetzen können. Das komplette System mit Zweirädern, Verwaltungs- und Buchungssoftware sowie Wartung und Service bringt dafür Govecs mit.

Bruttogehaltsumwandler

Beim zweiten Aufschlag in der Firmen-Mobilitäts-Welt geht es direkt um die Mitarbeiter, die über die bekannten Bruttogehaltsumwandlungsmodelle nun von Govecs Leasing-Scooter beziehen können. Was simpel klingt, ist Lohn langer Mühen. Wenn Grübel zur Kleinstmobilität seit gut 25 Jahren über praktische Erfahrungen verfügt - unter anderem als Firmengründer in Asien -, wurde das Wissen um die Fallstricke der Gehaltsumwandlung erst in den vergangenen zwei Jahren mühsam aufgebaut - einige Leasinggeber werden dies gut nachvollziehen können, denn selbst im Auto-Reich gelten diese Mitarbeiter-Goodies als aufwendig und rar. Das änderte sich mit dem Siegeszug des Dienstrads. Nach deren Modell agiert Govecs und hofft auf ähnlichen Boost. Die ersten fünf Rahmenverträge mit Firmen stehen.

Servicepartner nah beim Kunden

Der Mitarbeiter kann online auf der Seite govecs-scooter.com seinen E-Scooter konfigurieren und personalisieren, anhand seiner Gehaltsdaten die Ersparnis gegenüber dem regulären Barkauf berechnen und dann über die Personalabteilung das Go für die Bestellung einholen. In den 36 Leasing-Monaten ist das Mobilitäts-Paket samt Wartung und Versicherung inkludiert.

Den Service und wahlweise die Auslieferung übernehmen die aktuell sieben (künftig neun) eigenen Werkstätten sowie rund 80 externe Werkstatt-Partner. "Sollte dieses Netz für den Firmenkunden noch nicht ausreichen, akquirieren wir in der Nähe einen Service-Partner", betont der Govecs-CEO. Nach Ablauf der drei Jahre kann der Mitarbeiter das Fahrzeug auslösen oder er nimmt ein Neufahrzeug und setzt das Leasing fort.

Wie bei jedem anderen Puzzlestück im immer größeren Bild der Elektromobilität ist der erste Schritt - die erste Fahrt - der entscheidende. Dann werden die E-Scooter-Nutzer schnell von den Vorzügen der CO2-freien surrenden Fortbewegungsmittel angetan sein. Grübel kennt dies bereits seit 1997. Damals lebte der Unternehmer in Asien und gründete E-Max Hong Kong. 2008 verkaufte er die Firma, die mittlerweile in der Marke Vmoto aufgegangen ist.

Zurück in Deutschland, wollte er das B2B-E-Roller-Geschäft wachküssen helfen, also gründete er 2009 die Govecs GmbH. Der Start verlief zäh, denn wie Grübel erzählt, war die Technologie noch nicht so weit, um dem Anspruchsdenken in Europa gerecht werden zu können. So gilt als erster Meilenstein der Schritt nach Spanien. Dort kooperierte man 2012 mit dem Motorroller-Vermieter Cooltra. Bis 2014 blieb der Roller-Verleih das Stammgeschäft, gefertigt wurde damals bereits im eigenen Werk im polnischen Wroclaw. Dann, 2014 und 2015, griffen auch Sharing-Unternehmen zu den E-Rollern.

Telematik ermöglicht Sharing

Bis zum eigenen Sharing-Produkt (Zoom Partner-Sharing) dauerte es aber noch bis 2020. Die Erfahrungen aus der Auto-Sharing-Allianz von BMW und Daimler (heute Share now) zeigte, dass mit Stückzahlen von wenigen hundert Fahrzeugen in einer Großstadt, der Aufwand den Ertrag nicht decken wird. Dennoch wagte Grübel das Experiment mit ersten Sharing-Rollern, die man per App finden, freischalten und abrechnen konnte, ganz wie er es zuvor bei seinem Urlaub in Kalifornien selbst erlebt hat. Um dies zu können, erhielten von da an alle Govecs-Roller eine Telematik-Einheit, deren Daten in eine eigene Cloud sowie die eigene Software fließen.

Parallel programmierte man die eigene Software für die Flottensteuerung, wovon heute die B2B-Kunden profitieren, denn diese lässt sich per Schnittstelle in die vorhandenen Flottenmanagementsysteme integrieren. Der E-Scooter wird damit kein Fremdkörper für den Flottenmanager. Kunden können auch eine eigene App für die Roller-Nutzung erhalten und vorhandene Roller können nachgerüstet und ins System eingebunden werden. Grübel nennt dies, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll zu vernetzen. Dass man über eine App auch Fremdprodukte nutzen kann, ist für den Scooter-Pionier "der einzige Weg, wie man ein kundenorientiertes Ökosystem aufbaut, das sich für den Nutzer wie für den Betreiber rechnet."

Wie dies geht, zeigt sich in Stuttgart, wo im Frühjahr 2020 Zoom Sharing auf die Straße gebracht worden ist. Dieses Knowhow aus der Praxis gibt Grübel an interessierte Städte, Kommunen oder Flottenbetreiber weiter. "Alle zentralen Punkte des Flottenmanagements von Geofencing, Führerscheinkontrolle, Abrechnung, Hotline und Service nehmen wir dem Partner ab, wenn er dies möchte."

Neue Modelle durch Zukauf

Der Schritt in die baden-württembergische Landeshauptstadt passierte 2018, als man die dort ansässige Lifestyle-Marke Elmoto kaufte. Neben den beiden Produkten dem "Loop", ein L1e-E-Roller mit 45 km/h und 80 km Reichweite und dem "Kick"-Board - kam Entwicklungs-Know-how dazu. Der neueste Zögling, der Govecs Flex, wird wie der Elmoto Loop bei einem Partner in Spanien gefertigt. An ihm werden die Entwicklungsfortschritte unter E-Roller deutlich. "Die Energiedichte und letztlich auch die Preise für die Batterien haben sich so entwickelt, dass man mit leichteren Akkus und damit einem leichteren Fahrzeug weitere Strecken als bisher fahren kann", meint Grübel.

Die Akku-Thematik, der Pferdefuß bei jedem E-Mobil, löst Govecs beim Kick-Roller ziemlich smart. Der wird zwar in Asien gefertigt, aber die Batterien stammen vom deutschen Anbieter Einhell, der die gleichen Akkus in Gartengeräte packt. Diese Energiespeicher können für den Tret-Roller verwendet werden. Der Roller Govecs Flex verfügt über zwei größere Batterien, die separat herausnehmbar sind. Das macht ihn wartungsarm und langlebig. Dank der flexibel einsetzbaren Sitzbank und der Anbaumöglichkeit von Cargoboxen ist er für Lieferdienste perfekt - ein Segment, in dem man seit 2011 aktiv ist.

Und noch etwas ist neu bei Govecs. "Die in der Produktion entstandenen Kohlendioxidmengen können wir mittels Kompensationsprojekten von Climate Partner ausgleichen. Die Fahrzeuge, die wir an Privat- und Delivery-Kunden verkaufen, werden direkt von uns ausgeglichen. Und Zoom-Sharing-Kunden können nun ebenfalls kompensieren", freut sich Grübel. Mindestens so wichtig wie CO2-Flotten-Ziele ist die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und damit die Servicequalität des Partners.

Service auch für Fahrrad-Flotten

Hierfür übernahm Govecs im April 2020 einen Service-Dienstleister. Neben den eigenen sind auch Fremdprodukte und selbst Fahrräder gern gesehen, wie Grübel ausführt:"Wir bieten auch bundesweit Serviceleistungen für Fahrradflotten im B2B-Bereich an." Den Kern bilden die aktuell sieben bundesweit verstreuten und dank eigener Service-Transporter im Radius von jeweils gut 100 Kilometern aktiven Werkstätten. Hannover und Leipzig sollen noch in diesem Jahr zum Netz hinzukommen.

Gerade der Standort in Sachsen ist gefragt, da das wohl bekannteste Zwei-Rad-Produkt der Marke dort ein großer Imageträger ist - die E-Schwalbe. Grübel erinnert sich: "2014 als wir entschieden haben, auf den Privatkundenmarkt zu gehen, wollten wir ein cooles, eigenes Produkt platzieren. Eine eigene Marke selbst aufzubauen, wäre zu teuer gewesen, also haben wir nach alten Roller-Marken geschaut, deren Markenrechte frei waren."

So landete man bei der Zweirad-Ikone Schwalbe. Einst in Suhl als Teil der legendären "Vogel-Familie" mit Spatz, Star und Sperber gefertigt, wurde sie auch jenseits der innerdeutschen Mauer zum Begriff für Zweirad-Enthusiasten. Nach der Wende wurden die Markenrechte frei. Also griff Grübel zu und sorgte für ein Revival. Nun als Groß-Scooter (L1e-Variante mit 45 km/h oder bis zu 90 km/h schnell und wirklich Platz für zwei Passagiere) mit E-Antrieb. Dass der Kunde Emmy die Schwalbe dann als Sharing-Version anbieten würde, war zunächst nicht geplant. Aber Govecs steht eben auch für Überraschungen.

So baute Grübel 1997 den ersten in Europa zugelassenen E-Tret-Roller, der immer noch im Münchner Büro seinen Platz findet und sich beachtliche 3.500 Mal verkaufte. Den ersten Sharing-fähigen Roller brachte Grübel direkt im Herzen der Bewegung, in San Francisco, unter und nun wartet auf den Pionier die nächste Aufgabe, der Schritt in die betriebliche Mobilität- das Timing dafür könnte kaum besser sein.

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