Teil 24: Ukraine: Dauerhaft unruhige Zeiten

14.12.2018 06:00 Uhr

Die Ukraine befindet sich seit vier Jahren in einem zu höchst politisch-militärisch geprägten Umfeld, das das Land nicht zur Ruhe kommen lässt. Als Flottenmarkt betrachtet ähnelt man den westlichen Nachbarn.

Zum Abschluss der Serie zum internationalen Flottenmanagement in Europa schauen wir in einen am Ostrand Europas gelegenen Markt, der durch kriegerische Auseinandersetzungen gelitten hat und immer noch stark beeinträchtigt wird. Da ist es verständlich, dass der Fokus nicht auf innovativen Technologien oder Flottenmanagement-Konzepten liegt.

Nachfolgend stellen wir im ersten Schritt den Fahrzeugmarkt in der Ukraine in Zahlen vor. Danach folgt ein Blick auf Besonderheiten und Unterschiede dieses Landes im Vergleich zu den europäischen Nachbarn. Abschließend schauen wir auf die Trends und Herausforderungen, die sich für die Flottenbetreiber in der Ukraine abzeichnen.

Der Fahrzeugmarkt

Auf den Straßen der Ukraine rollten in 2017 rund 8,4 Millionen Pkw. Gegenüber dem Vorjahr waren dies 1,6 Prozent mehr Fahrzeuge. Gegenüber 2014 und 2015 setzt damit wieder eine Erholung ein. In diesen Jahren war der Bestand sogar zurückgegangen - bedingt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in dem Land.

Rund 1,05 Millionen Pkw sind in gewerblicher Nutzung, also Firmenfahrzeuge. Damit ist das Segment mit zirka 13 Prozent des Gesamtbestands ein wichtiger Faktor. Die Bedeutung des Flottensegments wird noch deutlicher, wenn man den Anteil der Flottenfahrzeuge an den Neuzulassungen betrachtet: von 80.000 Personenwagen entfielen mehr als 24.000 auf Firmen. Das entspricht über 30 Prozent.

Neben den neuen Fahrzeugen werden auch in der Ukraine gebrauchte Fahrzeuge aus Drittländern erstmalig zugelassen. Im vergangenen Jahr waren dies mit über 50.000 Fahrzeugen 41 Prozent der Neuzulassungen, wie es der Verband der ukrainischen Motorfahrzeughersteller ausweist. Zu beachten ist hierbei, dass die Ukraine auch ein Fahrzeugproduzent ist. Allerdings hat diese unter den Entwicklungen im Kontext mit dem Konflikt mit Russland stark gelitten.

Von den im Jahr 2018 in der Ukraine neu zugelassenen Fahrzeugen waren rund 50 Prozent mit Dieselmotor ausgestattet. Laut den Statistiken des Verbands der Ukrainischen Motorfahrzeughersteller spielen alternative Antriebe aktuell keine Rolle in dem Flächenland, das beispielsweise deutlich größer als Frankreich ist.

Bunter Markenmix

Unter den beliebtesten Fahrzeugmarken bei den Neuzulassungen findet sich ein wahrer Blumenstrauß an europäischen und asiatischen Größen. Marktführer waren 2017 Renault und Toyota mit jeweils gut elf Prozent Marktanteil. Es folgen das Duo Kia und Volkswagen mit jeweils rund sieben Prozent und Skoda (zirka sechs Prozent). In der ersten Hälfte 2018 konnte sich Toyota mit 12,8 Prozent an die Spitze setzen, gleichauf gefolgt von Renault und Volkswagen (beide rund zehn Prozent) und dahinter Nissan und Skoda (jeweils leicht über sechs Prozent).

Leasing in der Ukraine

Der Firmenwagenmarkt in der Ukraine wird klar durch Kaufflotten bestimmt. Für diese Finanzierung entschieden sich Unternehmen mit 1,03 Millionen Fahrzeugen, also klar dem größten Teil der Geschäftsfahrzeuge. Sowohl Finanz- als auch operatives Leasing (Full-Service-Leasing) kommen lediglich auf einen Bestand von zirka 10.000 Fahrzeugen in den ukrainischen Flotten. Dies entspricht gerade jeweils rund einem Prozent des gewerblichen Fahrzeugbestands. Bei den Neuzulassungen im Jahr 2017 kamen diese Finanzierungsformen aber bereits auf einen Anteil von gut 25 Prozent. "Full-Service-Leasing ist in der Ukraine nicht wirklich im Trend. Die Kunden bevorzugen nach wie vor ausschließlich die Finanzierung, nur internationale Firmenkunden bevorzugen Full-Service-Leasing", erklärt Oksana Vinohradova, Manager Business Development Fleet and Retail bei der Porsche Bank."Innerhalb der Leasingformen ist das Finanzierungsleasing die bevorzugte Leasingart unter den Firmen, insbesondere bei Firmen mit ukrainischen Eigentümern. Es gibt einige Steuervorteile und die Aktivierung der Fahrzeuge in der Bilanz stellt kein Problem dar."

Trends und Unterschiede

Führender Anbieter im Fahrzeugleasing ist die First Leasing Company mit gut 1.600 Fahrzeugen im Portfolio, gefolgt von OTP Leasing (über 1.500 Pkw) und ULF (mehr als 1.200 Fahrzeuge; siehe Tabelle links). "Wesentlicher Unterschied zwischen der Ukraine und Europa ist, dass die Firmenwagenflotten ganz überwiegend aus gekauften Fahrzeugen bestehen. Ein modernes Flottenmanagement, das die verschiedenen Finanzierungsformen nutzt, entwickelt sich kaum", stellt Vinohradova fest und ergänzt:"Die größte Herausforderung besteht darin, dass sich das Land in einem andauernden Zustand kriegerischer Auseinandersetzungen befindet".

Thilo von Ulmenstein

Managing Partner bei Fleetcompetence Europe. Das Schweizer Beratungsunternehmen unterstützt mit seiner Expertise Unternehmen im Bereich Flotten- und Mobilitätsmanagement. Es ist mit einer Tochtergesellschaft auch in Deutschland aktiv.Weitere Informationen:www.fleetcompetence.com

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