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Unterschätzt

Renault überarbeitet den Golf-Konkurrenten Mégane und spendiert ihm einen interessanten Antrieb. Dass es ein Plug-in-Hybrid ist: Ehrensache. Aber seiner ist speziell und macht den Kompaktwagen noch attraktiver.


Datum:
02.11.2020
Autor:
mb
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Zum Marktstart des überarbeiteten Renault Mégane gibt es eine Neuigkeit, die Dienstwagenfahrende freuen wird: Den Kombi - traditionell Grandtour genannt - gibt es von nun an mit neu entwickeltem Hybridantrieb E-Tech Plug-in 160.

Damit gesellen sich sicherlich ein paar mehr zu den sieben Millionen Mégane, die weltweit seit 1995 verkauft wurden. Damit steht der Mégane nach Renault-Angaben noch immer weit oben in der Verkaufshitliste der europäischen Kompaktklasse. Dass dieser Renault überarbeitet wurde, sehen nur Mégane-Kenner. Hier ein bisschen Schminke um die Augen, dort die mittlerweile omnipräsenten Laufband-Blinker am Heck. Das war es mehr oder weniger. Macht aber auch nichts, denn nach wie vor wirkt der mittlerweile in vierter Generation produzierte Kompakt-Renault frisch. 2016 kam die aktuelle Version auf den Markt - und jetzt eben das Update.

Elektrifiziertes Herz

Wichtigste Neuerung: der Stecker. Der - vielen Dank nach Frankreich - auf der richtigen Seite, nämlich rechts, platziert wurde. Dafür musste sogar der Benzin-Stutzen auf die linke Seite wandern. In dem Zuge wurde das Kraftstoffreservoir auf 39 Liter dezimiert. Das war nötig, damit die Batterie und weitere Elektro-Zutaten Platz unter der Rückbank und dem Kofferraum finden. Durch den gut 100 Kilogramm schweren 10 kW/h speichernden Akku schrumpft die Ladekapazität auf knapp 400 Liter. Ein zweites Fach im Kofferraum gibt es nicht mehr. Zudem erhöht sich das Gesamtgewicht auf rund 1,7 Tonnen. Letztere fallen beim Fahren nicht negativ ins Gewicht. Der Mégane E-Tech fährt behände und zackig, federt trotz der Optionsbereifung in 18 Zoll angenehm straff und satt. Die Abstimmung ist ordentlich.

Wer es innerstädtisch drauf anlegt, soll 65 Kilometer elektrisch fahren können. Auf unserer Tour über Land, durch Ortschaften und auf der Autobahn hielt die Batterie respektable 49 Kilometer durch, was auch der guten Rekuperationsfähigkeit zuzuschreiben ist. Via "B-Modus" am Schalthebel lässt sich diese verstärken. Eilige stromern mit bis zu 135 km/h - dann allerdings keine 20 Kilometer weit. Der 1,6-Liter Saug-Benziner (91 PS) agiert in Harmonie mit einem ins Getriebe integrierten E-Motor (67 PS) und einem als Startergenerator fungierenden zweiten E-Motörchen. 158 PS bringt das Konglomerat auf die Straße.

Freie Fahrt

Verschiedene Fahrmodi erlauben das Aufsparen von Energie, um beispielsweise in eine Umweltzone (London) kosten- und emissionsfrei fahren zu können. Sogar das Laden des Akkus unterwegs mittels Benzin ist möglich. Eine gute Idee? Nein. Den Akku mit Benzin zu laden, ist die ineffizienteste Version des Ladens. Am Stecker sollen die Batterien nach fünf Stunden an der 230-Volt-Steckdose oder innerhalb von drei Stunden an der Wallbox voll sein. Knapp 4 kW lässt der Onboardlader somit pro Stunde in die Akkus. Nicht viel, aber für die Akkugröße reicht es allemal - ob dafür eine Wallbox nötig ist, muss jeder selbst entscheiden.

Wer mit leerem Akku human unterwegs ist, könnte mit rund sechs Litern auf 100 Kilometer auskommen, vielleicht auch ein paar Zehntel weniger, wenn sehr sachte gefahren wird. Schnellfahren ist mit dem Mégane Phev eh nicht wirklich möglich. So lässt er sich beim Sprint von 0 - 100 km/h mit knapp zehn Sekunden viel Zeit und bei 183 km/h ist bereits Feierabend. Für die meisten Länder kein Problem - in Deutschland bald sicherlich auch keins mehr. So liegt die bevorzugte Reisegeschwindigkeit bei etwa 130 km/h. Dann ist der Wagen sehr leise, wozu die Multi-Mode-Automatik beiträgt, die im Grunde wie eine stufenlose Automatik agiert und somit kein Freund hektischer Gangart ist - das passt zum Charakter -, sofern man nicht die sportliche Ausstattung RS-Line wählt. Die besitzt komfortable und körperumschließende Sportsitze mit integrierten Kopfstützen vorne. Diese haben jedoch so ausgeprägte Sitzwangen, dass daran - je nach Sitzposition - die Ellenbogen beim Lenken anstoßen. Daher lautet unsere Empfehlung "Intense". Hinten sitzt es sich hoch, was Sitzriesen stören könnte - vor allem in Verbindung mit dem großen Panorama-Schiebedach. Ansonsten ist die Bewegungsfreiheit "klassenüblich" - die Materialanmutung und sichtbare Verarbeitungsqualität ebenfalls.

Sicherheitstechnisch ist der Mégane mit dem Autobahn- und Stauassistenten (ab Intense) auf dem Stand der Technik. Auf Schnellstraßen erkennt er Fahrbahnmarkierungen und kann zeitweise die "Lenkarbeit" übernehmen. Das Abbremsen bis zum Stillstand gehört ebenso dazu wie die neue Fußgängererkennung. Ob die auch bei Nacht funktioniert, konnten wir ebenso wenig testen, wie die neuen Voll-LED-Scheinwerfer, die im Mégane, wie bei allen anderen neuen Renault, stets zum Serienumfang gehören. Mit 30 Watt sollen sie die Fahrbahn zuverlässig ausleuchten, eine Matrixfunktion gibt es nicht.

Für alle, die Wert auf eine Vielfahrer-Ausstattung legen, sei die Business-Edition ans Herz gelegt. Preislich mit der Ausstattungslinie ZEN vergleichbar, bietet sie für Gewerbekunden sinnvolle Features wie Parkpiepser vorne, Anklappspiegel, Navi mit Echtzeit-Staudaten (für drei Jahre kostenfrei) und Nebelscheinwerfer. Was generell fehlt? Nicht viel, das Induktivladen des Smartphones aber in jedem Fall.

Renault Mégane Grandtour E-Tech Plug-in 160

Preis ab: 29.403 EuroR4/1.598 | 116 kW/158 PS | 349 Nm 9,8 s | 183 km/hReichweite: 54 WLTP-KilometerBatteriekapazität: 9,8 kWhLadezeit bei 2,3-kW-Steckdose: 5 Std.Verbrauch WLTP: 1,3 S + 9,8 kWh auf den ersten 100 Kilometern | 29 g/km 4.626 x 1.814 x 1.449 mm | 389 - 1.372HK: 18 | TK: 21 | VK: 21Wartung: 2 Jahre/30.000 kmGarantie: 3 Jahre/100.000 km sowie 8 Jahre/160.000 auf den Akku Alle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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