VMF-Branchenforum: Gebrauchte E -Autos rücken in den Fokus

03.05.2026 11:28 Uhr | Lesezeit: 3 min
VMF-Branchenforum 2026 bei Shell
Das 19. VMF-Branchenforum widmete sich der Frage, wie gebrauchte Elektrofahrzeuge wirtschaftlich erfolgreich bewertet, vermarktet und über mehrere Nutzungszyklen gesteuert werden können.
© Foto: VMF

Beim 19. Branchenforum des VMF in Hamburg diskutierte die Mobilitätsbranche über die nächste Reifestufe der Elektromobilität. Im Mittelpunkt stand das Remarketing gebrauchter Elektrofahrzeuge. Im Fokus dabei: Vertrauen, Batteriedaten und Restwertsteuerung.

Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge tritt in eine neue Phase ein. Mit steigenden Rückläuferzahlen aus Leasing‑ und Flottenverträgen wird das Remarketing batterieelektrischer Fahrzeuge zunehmend zum strategischen Thema. Beim 19. Branchenforum des Verbands markenunabhängiger Mobilitäts‑ und Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF) in Hamburg stand genau dieser Wandel im Mittelpunkt.

Vertreter aus Mobilitätswirtschaft, Beratung und Technologie diskutierten, wie sich gebrauchte Elektrofahrzeuge künftig marktgerecht bewerten, wirtschaftlich vermarkten und im Flottenmanagement steuern lassen. "Das 19. VMF Branchenforum führt betriebswirtschaftliche, datenbasierte und technische Perspektiven zusammen", sagte VMF‑Vorsitzender Frank Hägele zur Eröffnung.

Remarketing wird zum Steuerungsfeld

Eine zentrale Grundlage der Diskussion bildete die Deloitte‑Studie "Vermarktung von gebrauchten BEV‑Fahrzeugen – Chancen und Herausforderungen". Neben schwankenden Restwerten beeinflussen Förderlogiken, regulatorische Rahmenbedingungen und aggressive Neuwagenangebote die Preisbildung. In einzelnen Fällen sind geförderte Neufahrzeuge günstiger als junge Gebrauchte – mit unmittelbaren Folgen für das Remarketing.

"Wer gebrauchte BEV künftig erfolgreich vermarkten will, muss Vertrauen erzeugen, Restwerte steuern und Absatzmärkte und ‑Kanäle aktiv orchestrieren", sagte Ingo Schmuckall, Partner bei Deloitte.

Laut Studie wirkt sich mangelnde Transparenz direkt auf die Zahlungsbereitschaft der Käufer aus. Unsicherheiten über Batteriezustand, Restwert, Wartungskosten oder Ladeinfrastruktur bremsen den Markt. Transparenz müsse daher integraler Bestandteil des Produkts werden, nicht nur der Vermarktung. Batteriezertifikate, SoH‑Nachweise, nachvollziehbare Zustandsbeschreibungen und Servicepakete entwickelten sich zu zentralen Vermarktungshebeln.

Batterien robuster als vielfach angenommen

Einen datenbasierten Blick auf das Herzstück des Elektrofahrzeugs lieferten Markus Busch (Geotab) und Vivian Henke (Bosch). Sie zeigten, dass die Sorge um die Batterie oft größer ist als die tatsächliche technische Realität. Aus einer globalen Analyse von mehr als 22.700 Fahrzeugen ergibt sich laut Geotab eine durchschnittliche Batterie‑Degradation von rund 2,3 Prozent pro Jahr. Nach acht Jahren verbleiben im Schnitt noch 81,6 Prozent der ursprünglichen Kapazität. "Unsere Empfehlung: Den Batteriezustand bei Wiederverkauf zertifizieren lassen", sagte Henke. Faktoren wie Schnellladen, Klimaeinflüsse und Nutzung spielten eine wichtige Rolle für die Bewertung, seien aber beherrschbar.

Wie stark Restwerte aktuell unter Spannung stehen, verdeutlichte Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung bei der DAT. Förderprogramme und Herstelleraktionen wirkten unmittelbar auf den Gebrauchtwagenmarkt zurück und setzten neue Preiserwartungen. Für das Flotten‑ und Remarketinggeschäft bedeute das: Restwerte müssten schneller, aktiver und taktischer gesteuert werden als im Verbrennergeschäft.

Internationale Vermarktung gewinnt an Bedeutung

Ein weiterer Fokus lag auf den Absatzkanälen. Kai Siersleben, Geschäftsführer von Copart, machte deutlich, dass internationales Remarketing zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der wirtschaftliche Erfolg hänge nicht allein am Preis, sondern an der konsequenten Organisation der Vermarktung und der Reduzierung von Standzeiten.


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