suchen
Ausgabe 08/2019

Tanken: Ja. Laden: na ja.

1180px 664px

© AUTOFLOTTE

Die Antriebsfrage wirbelt auch den Ort der heutigen Kraftstoffversorgung durcheinander. Für die hiesigen Tankkartenanbieter könnte der Mix der Zukunft aus Strom, E-Fuels, Wasserstoff und Otto/Diesel bestehen.

Volle Spannung in die Batterie: Was wie der Schlachtruf einiger großer Automobilhersteller klingt, kann an der mobilen Nahtstelle zu den konventionellen Modellen nicht ohne Widerhall bleiben. Wird die Zapfsäule nun langsam zum Ladepunkt?

Total zum Beispiel kooperiert mit der Shell-Tochter New Motion, was Zugang zu mehr als 100.000 öffentlichen Ladepunkten in 28 europäischen Ländern gibt. Shell betreibt den Umbau zur Mobilitätskarte selbst auf Hochtouren (siehe Autoflotte 4/2019, S. 26). "Wir erleben derzeit eine Transformation hin zu neuen Antriebsarten", konstatiert Marcel Heinze, Vertriebsmanager Tankstellen bei Baywa Energie. "Das wird in den nächsten Jahren zu Abschmelzungen bei den klassischen Kraftstoffen führen." Dennoch sieht er die Batterie-Refresher nicht als alleinige Heilsbringer: "Wir gehen in der Zukunft eher von einem Mix zwischen E-Mobilität, Wasserstoff, E-Fuels und klassischen Kraftstoffen aus." Dieser Mix ergibt sich schlichtweg aus dem mobilen Status quo in Deutschland, wie auch Avia-Geschäftsführer Holger Mark findet: "Aus Gründen der Versorgungssicherheit für den Bestand von aktuell über 47 Millionen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und der bislang nur sehr geringen Anzahl an E-Fahrzeugen in Deutschland kann auf absehbare Zeit sicherlich nur von einer Ergänzung von E-Ladesäulen an Tankstellen und keinesfalls von einer Umstellung oder Ablöse herkömmlicher Kraftstoffe gesprochen werden."

Vergesst die E-Fuels nicht

Potenzial sieht auch Mark in den synthetischen Kraftstoffen: "Eine Umstellung oder ein Ersatz würde langfristig das Pozential moderner synthetischer Kraftstoffe also E-Fuels ungenutzt lassen." Dem stimmt Oliver Reichert zu: "Aus unserer Sicht werden diese flüssigen Energieträger weiter an Bedeutung gewinnen und können so einen wichtigen Bestandteil in der künftigen Mobilitäts-Infrastruktur bilden", meint der Jet-Manager Retail Germany, der ökonomische und ökologische Vorteile in den aus regenativer Energie gewonnenen Flüssigkraftstoffen sieht. So kooperiert man mit dem Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti) und will im kommenden Jahr testweise in die E-Fuels-Vermarktung gehen.

Nadelöhr Netzausbau

In kleinen Schritten elektrifiziert sich auch die Deutsche Tamoil mit der Marke Hem. An rund 20 Stationen warten Schnelllader auf Kundschaft. Und mit dem Partner Allego sollen bald die ersten Säulen mit 350 Kilowattstunden-Power ans Netz gehen. Was vor allem die Groß-Stromer mit hoher Tageslaufleistung adressiert, denn Geschäftsführer Carsten Pohl weist darauf hin, dass Elektroautos mit Batterie vorzugsweise für den Stadtverkehr geeignet sind."In Fuhrparks für Außendienstler und Vielfahrer stellen sie momentan noch keine Alternative dar."

Das Ladeverhalten ist das eine, das Preisbewusstsein ist das andere, findet Ingo Meyer, Geschäftsführer Roadrunner Service. "Eine funktionierende Infrastruktur kann nur aufgebaut werden, wenn auch der Konsument bereit ist, die Mehrkosten, die hier entstehen, zu tragen. Auch ist ein national besseres Stromversorgungsnetz nicht kurzfristig umsetzbar." So ist auch er skeptisch, was eine komplette Ablösung der fossilen Brennstoffe an den Tankstellen in der kommenden Dekade anbelangt. Oft dienen die Ladesäulen an der Tankstelle eher der Imagepflege. "Denn sollte die E-Mobilität eine wirklich flächendeckende Mobilitätsalternative darstellen, dann wird das Laden eher nicht an der Tankstelle stattfinden", so Meyers Prognose.

Dem könnte ein weiteres Problem entgegenstehen, das auch Fuhrparkbetreiber beim Aufbau ihrer Ladeinfrastruktur bedenken sollten. "Wir beobachten beim Ausbau eigener E-Ladesäulen ein Netzproblem, welches es zu lösen gilt", mahnt Avia-Geschäftsführer Mark. "Bei einer Vielzahl von neuen Tankstellenprojekten sahen sich die Anbieter nicht in der Lage, Anschlüsse in der erforderlichen Leitungsgröße zur Verfügung zu stellen." Und plötzlich droht auch hier: Spannungsverlust.

360px 106px



Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2020 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Autoflotte Fuhrpark-Tag 2020

"Mut zum Downsizing"

Nach Ansicht des Verkehrsforschers Johannes Gruber können Lastenräder auch für vielfältige gewerbliche Zwecke pragmatisch und passgenau eingesetzt werden.


img
Peugeot-SUV

Bestellstart für 3008 Facelift

Anfang 2021 kommt der Peugeot 3008 in einer überarbeiteten Version in Deutschland auf den Markt. Jetzt haben die Franzosen die Preise verraten.


img
Gericht

Streckenradar südlich von Hannover rechtmäßig

Eine bewährte Methode so mancher Autofahrer: vor dem Blitzer auf die Bremse treten, danach weiter rasen. Südlich von Hannover soll das erste Streckenradar genau...


img
Vimcar-Geschäftsführer

"Fuhrpark der Zukunft ist automatisiert und ressourceneffizient"

Digitalisierung, verstärkte Halter-Nutzer-Kommunikation und Kostenreduktion durch Datenmanagement - Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider spricht in Zeiten der...


img
Markenvorschau DS

Im zweiten Anlauf zur elektrischen Avantgarde

Die PSA-Tochter DS hat ihr altes Portfolio ausgemustert und setzt in Zukunft stärker auf Eigenständigkeit. Alle Modelle erhalten elektrifizierte Varianten.