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Fahrbericht Chevrolet Corvette Stingray

Eine Ikone erfindet sich neu

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Die achte Auflage der Corvette macht vieles anders als ihre Vorgänger.
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Die Corvette ist ein amerikanischer Sportwagen-Mythos, der in Europa sieben Generationen lang allerdings nicht wirklich zog. Die achte Auflage macht vieles anders als ihre Vorgänger. Reicht das, um mit den europäischen Platzhaltern nun auf Augenhöhe zu fahren?

Fast zwei Jahre nach dem Marktstart in den USA kommt die achte Generation der Corvette jetzt auch offiziell nach Europa. Eine wenige Exemplare konnte der aufmerksame Betrachter allerdings schon auf deutschen Straßen bewundern – als importierte US-Exemplare. Hierzulande startet der Sportwagen-Klassiker jetzt zu Preisen ab 73.025 Euro für das Coupé und 78.487 Euro netto für das Cabriolet (Convertible).

Der neuen Corvette wird weiterhin der Nachsatz "Stingray" (Stachelrochen) angehängt, aber das ist fast schon das Einzige, was beim Wechsel auf die achte Generation geblieben ist. Nie zuvor seit der Erstvorstellung im Jahr 1953 waren die Veränderungen größer. Okay, der Zweisitzer wird auch weiterhin von einem Achtzylinder (Small Block) angetrieben und die wie immer glasfaserverstärkte Kunststoffkarosserie ist genauso gesetzt wie die das herausnehmbare Targadach des Coupés. Ansonsten aber ist vieles anders, einiges sogar völlig neu.

Erstmals findet man etwa den V8 nicht mehr unter einer langen Motorhaube, das Aggregat mit einer Leistung von 354 kW / 482 PS sitzt nun vielmehr hinter dem Fahrer. Dort ist es zudem spektakulär unter einer durchsichtigen Fiberglas-Haube zu sehen, allerdings nur beim Coupé. Diese Änderung hat Auswirkungen auf das Design des Sportwagens. So ist das Armaturenbrett, und mit ihm Fahrer und Beifahrer, um 42 Zentimeter nach vorne gerückt. Die Fronthaube wird logischerweise kürzer, fällt von der großen Windschutzscheibe steil zum flach angeordneten Kühlergrill ab und wird durch vier Karosseriefalzen geprägt. Die im Vergleich dazu höher positionierten, relativ mächtigen Scheinwerfer laufen im Stil der Zeit seitlich in den Kotflügeln aus. Insgesamt erinnert die Vorderansicht ein klein wenig an Ferrari, zumal, wenn man den Stachelrochen in Rot bestellt.   

Hinten blickt man links und rechts auf je zwei mächtige Endrohre, darüber sitzen große Luftauslässe. Während die flach stehende Windschutzscheibe sehr groß ausfällt, sind die Seitenfenster eher klein geraten und die Heckscheibe ist sogar regelrecht winzig. So winzig, dass man dem Fahrer eine bessere Sicht nach hinten ermöglichen wollte – in Form eines Kamera-Rückspiegels, man kann allerdings auch auf "normale" Sicht umstellen.

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Eine Corvette kauft man sich wegen des hemmungslosen Designs, aber wohl vor allem wegen des Antriebs. Hinter dem Rücken des Fahrers arbeitet der Achtzylinder mit seinem fast schon archaischen Hubraum von 6,2 Litern. Dessen Drehmoment von 613 Newtonmetern wird direkt an die Hinterachse geleitet. Erstmals kommt zur Kraftübertragung ein achtgängiges Doppelkupplungsgetriebe zum Einsatz.

Den Tankwart freut's

Ein Blick in die Daten und zu den Fahrwerten: Die 296 km/h Spitze und die 3,5 Sekunden Spurtzeit glauben wir gerne, auch ohne, dass wir eine Chance zur Überprüfung hatten, die 12,1 Liter Durchschnittsverbrauch aber eher weniger. Wer Corvette fährt, muss dem Tankwart Umsatz gönnen können und den CO2-Ausstoß ein Stück weit ignorieren. Beziehungsweise sich auf wenige Genusskilometer im Jahr beschränken.  

Denn Spaß macht die Corvette allemal, sogar mehr Spaß als je zuvor. Der optisch seit fast 60 Jahren in ihrer Zeit immer schicke Chevrolet, hat von Generation zu Generation auch als Sportwagen gewonnen, ohne aber in seinen Fahreigenschaften an den europäischen Ikonen wie Ferrari oder Porsche kratzen zu können. Zu sehr war das Modell stets auf amerikanische Straßen, amerikanische Tempolimits und amerikanische Fahrertypen ausgelegt.

Ganz ist auch die neue Corvette jetzt noch nicht in der alten Welt angekommen. So zeigte sich das in Europa serienmäßige Performance-Fahrwerk auf Kurvenfahrt dem mächtigen Drehmoment nicht immer gewachsen und tendierte vor allem bei Nässe zum Ausbrechen, was allerdings durch das ESP schnell unterbunden wurde. Die Lenkung dagegen ist vielleicht allzu spitz ausgelegt, was das Fahrzeug überaus nervös reagieren lässt. Die Brembo-Bremsen überzeugen, könnten dem Fahrer aber durchaus noch mehr Rückmeldung vermitteln. Immer dabei sind ein elektronisches Sperrdifferential und ein spezielles Kühlsystem sowie Hochleistungsreifen von Michelin (vorn: 245/35 ZR 19, hinten: 305/30 ZR 20).  

Trotzdem überzeugt der Amerikaner, vor allem im Vergleich zum Vorgänger, vor allem wenn die Straße trocken ist. Der bärige Small Block entwickelt stets mehr als genug Leistung und Drehmoment, auch aus dem Drehzahlkeller, die aufmerksame Doppelkupplung lässt kaum Raum für Kritik. Trotz des dank Kunststoff-Chassis geringen Gewichts (1.530 kg) werden allerdings Praxisverbräuche von weiter über 14 Litern die Regel sein.

Der Innenraum überrascht positiv

Zu den positiven Überraschungen zählt der Innenraum, der zwar eng, aber deutlich wertiger ausfällt, als man es von US-Modellen noch vor wenigen Jahren gewohnt war. Das Cockpit ist selberverständlich digital eingerichtet, ein 12 Zoll großer Bildschirm beherbergt das Infotainment-System. Ob das oben und unten abgeflachte Lenkrad sein musste, würden wir unter Geschmackssache abhaken.  

Die in Kentucky gebaute Corvette kostet in der US-Ausführung dort ab 60.000 Dollar. Die europäischen Versionen bieten an Ausstattung einiges mehr und sind zudem (siehe oben) auf unsere Straßenverhältnisse angepasst. Im Vergleich zu Porsche, Ferrari oder Lamborghini bleibt die Corvette damit ein Schnäppchen. Und wem der Preis zu günstig oder die Leistung noch zu schwächlich ist: Ende Oktober schiebt Chevrolet die Supersport-Version Z06 nach, mit etwas hubraumschwächerem, aber modernerem Motor und kolportieren 650 PS Leistung.

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