suchen
Fahrbericht Kia ProCeed

David ärgert Goliath

6
1180px 664px
Kia ProCeed: Rundlich-pummeliges Heck mit hohem Aufmerksamkeitswert.
©

Nach dem Kia Ceed Sportswagon bringen die Koreaner jetzt eine weitere Variante mit großer Heckklappe für die Kompakt-Familie. Das Kombi-Coupé ProCeed ist etwas teurer und eleganter als sein fünftüriges Schwestermodell und tritt gegen einen namhaften deutschen Gegner an.

Von Peter Maahn/SP-X

Schon mal was von einem Shooting Brake gehört? Wer sich nicht gerade bei alten englischen Kutschen auskennt, muss bei dieser Quizfrage wohl passen. Der historische Begriff für einen seitlich zur Hälfte offenen Pferdewagen, aus dem heraus die feine viktorianische Gesellschaft wie in einem rollenden Hochstand Jagd auf Wild machte, wurde wiederbelebt und in die moderne Autowelt übertragen. Auf den Mercedes CLA Shooting Brake zum Beispiel, den sportlichen Kombi der A-Klasse. Ihn hat sich Kia jetzt als Rivalen ausgeguckt.

Bildlich gesprochen schießen die Koraner nun aus so einem Shooting Brake heraus scharf in Richtung Stuttgart, bislang war der kompakte Mercedes CLA Shooting Brake ziemlich allein auf weiter Flur. Typische Merkmale einer solchen Art von Auto: auffallend schmale Seitenfenster mit durchgehend gerader unterer Kante, die oben von einem halbmondförmigen Rahmen überdacht wird. Gleichzeitig fällt das Dach gen Heck sanft, aber bestimmt ab. Die Krönung ist ein rundlich-pummeliges Heck mit hohem Aufmerksamkeitswert. Genau diese Erkennungszeichen finden sich beim Kia ProCeed wieder.

Schluss mit jäh abgehackten Kombi-Hinterteilen, dafür schwungvolle Eleganz als gutes Ende für ein 4,60 Meter langes Auto. Logisch, dass wegen der Schräge nicht soviel in den Laderaum gepackt werden kann, wie in den klassischen Kombi aus gleicher Familie. Mit 594 sind es aber nur 30 Liter weniger, die leicht verkraftet werden können. Der um vier Zentimeter längere Stuttgarter Shooting Brake packt sich 99 Liter weniger zwischen Rückbank und Heckscheibe.

Bildergalerie

Während Nutzer eines Kombi-Klassikers eher praktisch orientiert sind und oft eine größere Familie samt Krimskrams für den Wochenend-Ausflug zusteigen lassen, ist die Größe des Gepäckabteils für die Bedürfnisse der angestrebten Kundschaft des ProCeed sicher wichtig, aber nicht entscheidend. Sie freuen sich hingegen gleichermaßen an Form und Funktion. 

Schon der Grundpreis des ProCeed liegt mit rund 23.277 Euro netto über dem Kia-üblichen Kurs. Dafür ist die Basisvariante gespickt mit Extras: So sind elektronische Wächter für drohende Frontkollisionen, das Verlassen der Fahrspur oder zur Überwachung des Toten Winkels ebenso an Bord wie DAB-Radio, Abstandsradar, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera und vieles mehr. Das Navi-Paket, das neben der elektronischen Landkarte Verkehrszeichenerkennung und Soundsystem enthält, gibt es für 748 Euro netto.

Das Basismodell bewährt sich auf der ersten Ausfahrt rund um Barcelona auch in der Praxis. Der 1,4-Liter-Vierzylinder muss sich mit seinen 103 kW / 140 PS vor dem Einstiegs-Pendant bei Mercedes (90 kW / 122 PS) nicht verstecken. Der kleine Benziner hat mit dem fast 1,4-Tonnen-Kia keine Mühe, bringt seine Durchzugskraft schon bei recht niedriger Drehzahl zur Geltung, verlangt beim Beschleunigen allerdings recht früh den nächsthöheren Gang. Lenkung, Bremsen und Abstimmung des Fahrwerks lassen zwar keine Enttäuschung aufkommen, wer es aber der rasanten Optik entsprechend mit Sportlichkeit hält, sollte eher den stärkeren Benziner (150 kW / 204 PS) wählen - der GT ist 2.941 Euro netto teurer.

Einzige Makel sind das Spurhaltesystem und die Darstellung des 8-Zoll-Navis  

Der Basis-ProCeed, den wohl die meisten Kunden wählen, schwimmt klaglos und unaufgeregt im Verkehr mit und knackt auf Wunsch auf der Autobahn die 210-km/h-Grenze. Das Platzangebot auch auf der Rückbank, die makellose Verarbeitung sowie die verwendeten Materialien entsprechen dem ordentlichen Standard, den Kia-Fans an ihrer Marke schätzen. Insofern ist man mit der günstigsten Variante des Kombi-Coupés gut bedient. Lediglich das Spurhaltesystem nervt ständig durch Piepen, obwohl es auch automatisch zurück auf die eigene Spur lenkt, und auch die Darstellung des 8-Zoll-Navis überzeugt nicht restlos.

Natürlich muss sich Mercedes trotz des gelungenen Auftritt des neuen Rivalen und trotz eines um mehrere tausend Euro höheren Basispreises nicht unbedingt warm anziehen. Die Strahlkraft der Marke mit dem Stern und die technische Vorreiterrolle kann den Koreaner in Schach halten. Für designorientierte Kombi-Kunden ist der Proceed eine interessante neue Option. Interessenten eines Kia Ceed werden sich je zu 25 Prozent für den ProCeed oder den normalen Kombi entscheiden, rechnet der deutsche Kia-Chef Steffen Cost vor. Die andere Hälfte des Ceed-Absatzes entfällt auf die fünftürige Schrägheck-Limousine. 

360px 106px

Mehr

Mehr zum Thema Kia:





Fotos & Videos zum Thema Kia

img

Kia XCeed

img

Kia SP Signature / Mohave Masterpiece

img

Kia Imagine Concept

img

Kia Soul EV (2019)

img

Technik ändert Autodesign

img

Kia Ceed Sportswagon


Ihr Kommentar zum Artikel

© Copyright 2019 Autoflotte online

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

img
Unfallverhütungsvorschriften

Sicherheit geht vor

Den Kopf in den Sand stecken und eine drohende Gefahr nicht sehen wollen – das hat noch nie geholfen. "Wichtig ist es, die unternehmensspezifischen Risiken zu kennen...


img
Chevrolet Corvette C8 Stingray

Stilbruch mit Ansage

Große Leistung, kleiner Preis – die Neuauflage der Chevrolet Corvette bleibt sich in einigen Punkten treu. In anderen indes vollzieht sie eine radikale Kehrtwende,...


img
Neues VW-Getriebe

Die Handschaltung lebt

Um die Effizienz von Getrieben zu steigern, wurden in jüngster Zeit verstärkt Automatikgetriebe mit acht, neun oder zehn Gängen entwickelt. Doch auch klassische...


img
Renault-Topseller

Das kostet der neue Clio

Der Renault Clio kämpft um die Kleinwagenkrone in Europa. Entsprechend massentauglich fallen die Preise aus.


img
Fuhrparkmanagement

F+SC baut Netzwerk weiter aus

Mit den Autohäusern Wichert und Kuhn+Witte stärkt der händlereigene Fuhrparkdienstleister seine Aktivitäten in Norddeutschland.