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Fahrbericht Range Rover Velar

Englischer Porsche-Jäger

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Ab sofort steht mit dem Velar eine vierte Range-Rover-Baureihe beim Händler.
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Land Rover baut die Range Rover-Reihe aus: Der Velar zielt mit bekannt guter Geländegängigkeit, dynamischen On-Road-Talenten und einem modernen Bedienkonzept genau in Richtung Porsche Macan.

Von Michael Gebhardt/SP-X

Geld verdienen geht in der Automobilbranche derzeit am besten mit SUV. Kein Wunder also, dass Land Rover Oberwasser hat: Die Kunden kommen zuhauf in die Schauräume und die Geschäfte der Briten entwickeln sich prächtig. Damit sich zukünftig noch mehr Käufer von den englischen Geländegängern angesprochen fühlen, wird das Angebot ausgebaut. Ab sofort steht mit dem Velar die vierte Range-Rover-Baureihe beim Händler, und zielt mit Netto-Preisen ab 47.395 Euro unter anderem auf die Kundschaft, die bislang in Zuffenhausen zugeschlagen hat.

Anders als die etwas robuster anmutenden Land-Rover-Modelle setzen die Range Rover auf Luxus, Stil und Sportlichkeit. Vor allem der neue Velar will als Dynamiker bei den Kunden punkten. Ein Anspruch, der schon optisch deutlich wird: Die markentypische Formensprache wurde nochmal verfeinert, die Scheinwerfer mit LED-Technik und auf Wunsch ultrahellem Fernlicht sind schmaler, die Kanten schärfer, das Dach tiefer. Obwohl er mit stolzen 4,80 Meter Länge nur fünf Zentimeter kürzer ist als der Range Rover Sport, sieht der Velar deutlich durchtrainierter aus. Und trotz des flachen Dachverlaufs sitzt es sich im Fond recht ordentlich; dahinter ist Patz für bis zu 673 Liter Gepäck (1.731 bei umgeklappter Rückbank). Wer will, kann für bis zu 2.500 Euro (netto) Aufpreis auf Stoffsitzen Platz nehmen, die den Range zum "vegetarischen" SUV machen. Land Rover verzichtet dabei nicht nur auf Tierhäute, sondern setzt auch auf Wiederverwertung: Die zusammen mit dem dänischen Hersteller Kvadrat entwickelte Ausstattung arbeitet mit Veloureinsätzen aus recycelten Plastikflaschen.

Einen großen Sprung macht der Velar beim Bedienkonzept. Schon vor einiger Zeit haben die Briten mit dem Touch-Pro-System zahlreiche Tasten verbannt und die Funktionen in einem breiten Zehn-Zoll-Touchscreen gebündelt; außerdem gibt es auf Wunsch ein volldigitales Kombiinstrument. Jetzt legen sie nochmal nach, und bringen in der Mittelkonsole (serienmäßig!) einen zweiten berührungsempfindlichen Bildschirm, der nun unter anderem die Klimasteuerung und die Fahrprogramm-Auswahl vereint. Richtige Tasten gibt es kaum mehr, allerdings hat sich Land Rover zwei echte Drehregler bewahrt, die je nach gewähltem Menü ihre Funktion wechseln. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man die Bedienung des neuen Infotainmentsystems raus, etwas länger braucht man, bis man mit den ebenfalls überarbeiteten Lenkradtasten klarkommt: Sie reagieren nicht mehr nur auf Drücken, sondern auch auf Berührung.

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Je drei Benziner und Diesel

So neu die Technik im Innenraum ist, so bekannt sind die Motoren: Je drei Benziner und Diesel stehen zur Wahl, die mit 132 kW / 180 PS bis 280 kW / 380 PS kaum einen Leistungswunsch offenlassen. Allerdings wiegt der Velar leer auch immer über 1,8 Tonnen, und nur der drei Liter große V6-Benziner (ab 56.386 Euro netto) schafft es, in den elektrischen Begrenzer bei 250 km/h zu fahren. Auf Landstraßentempo schubst er das SUV in kurzweiligen 5,7 Sekunden. Der ebenfalls drei Liter große Sechszylinder-Diesel (55.798 Euro netto) braucht für diese Übung zwar eine knappe Sekunde länger und kommt auch" nur" auf 241 km/h, wirkt im Antritt aber merklich kräftiger. Schließlich kitzelt sein Twinturbo schon bei 1.500 Touren 700 Newtonmeter heraus, während der Kompressor nicht mehr als 450 Newtonmeter aus dem Otto quetschen kann. Während sich der Selbstzünder mit sechseinhalb Litern begnügen soll, schlürft der Benziner mindestens drei Liter mehr Sprit pro 100 Kilometer – der gut 60 Liter große Tank will also häufig gefüllt werden.

Unter den Top-Modellen angesiedelt sind jeweils zwei Zweiliter-Vierzylinder, die Basis-Versionen mit 180-Diesel-PS oder 200-Benzin-Pferdchen beginnen preislich beide bei 47.395 Euro netto. Mit knapp unter sechs beziehungsweise acht Liter Verbrauch sind allerdings auch die Einsteiger nicht sonderlich sparsam. Achtgang-Automatik und Allradantrieb sind immer dabei. Selbstbewusst: Mit der höchsten der insgesamt vier Ausstattungslinien (HSE) und dem R-Dynamic-Paket, das dem Velar dank größerer Lufteinlässe und schwarzer Spiegelkappen einen böseren Auftritt verleiht, lässt sich der Grundpreis problemlos auf über 76.000 Euro netto treiben.

Zahlreiche Helferlein

Dass der Velar im Gelände eine gute Figur macht, kann man bei Land Rover erwarten. Auch der neueste Streich ist sich nicht zu fein, das schicke Blechkleid im Matsch schmutzig zu machen, durch Wasserläufe zu waten oder über Felsen zu klettern. Zahlreiche Helferlein – Rund-um-Kameras, Wassertiefen-Messer oder ein Geländetempomat – helfen dem Fahrer dabei, sicher über Stock und Stein zu manövrieren. Neu ist eine spezielle Offroad-Anzeige im Head-up-Display, die den Fahrer mit Lenkwinkel und anderen Daten direkt im Blickfeld versorgt. Onroad dagegen beschränkt sich Land Rover auf die derzeit marktüblichen Assistenten wie Spurhalter, Tot-Winkel-Warner oder Abstandstempomat – wirklich teilautonome Funktionen fehlen ebenso, wie Fortschritte in Sachen Elektrifizierung: Der Velar beherrscht weder die 48-Volt-Technik noch ist eine Hybrid-Version geplant.

Dafür aber überzeugt er auf dem Asphalt mit tadellosem Fahrverhalten und lässt sich im Dynamik-Modus mit gestrafften Dämpfern trotz seiner Masse ausgesprochen sportlich bewegen. Vielleicht nicht ganz so knackig wie ein Porsche Macan, aber aktive Fahrer kommen durchaus auf ihre Kosten – und zwar ohne dabei Rückenschmerzen in Kauf nehmen zu müssen. Zumindest die bei den zur ersten Testfahrt bereitstehenden Sechszylindern serienmäßige Luftfederung neutralisiert auch in der Sportstellung Unebenheiten noch sauber und bügelt im Komfortmodus die Straße ordentlich glatt.

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