Fuhrparkporträt EnBW: Veränderungen gehören dazu

05.01.2026 10:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
EnBW Fuhrpark
Stromerfuhrpark bei EnBW.
© Foto: Annemarie Schneider

Der Energieversorger EnBW hat in Sachen Mobilität immer wieder neue Lösungen und Dienste ausgelotet. Gesetzt ist die Elektrifizierung des Fuhrparks. Zeit für eine Rückschau auf einige Marksteine und einen Ausblick auf kommende Projekte.

Wirtschaftskrisen, technische Innovationen, neue gesetzliche Regelungen: Solche Ereignisse stehen oft am Anfang von Veränderungsprozessen. Das gilt auch für den Bereich der betrieblichen Mobilität, die zuvorderst Mitarbeitern und Unternehmen Nutzen stiften soll. Immer wieder müssen sich Firmen daher fragen, wohin sie wollen und bereit sein, die Richtung nachzujustieren. Dass dabei die Ziele beweglich sind, spiegelt sich im Mobilitätsmanagement der vergangenen Jahrzehnte wider. Beispiel: der Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW).

EnBW: Wandel im Teamwork

Dort ist das Wachstum der Flotte von rund 3.600 Einheiten in 2015 auf inzwischen rund 5.400 etwa mit der Einführung neuer Dienste, anderer Beschaffungswege und der Elektrifizierung eng einhergegangen. Die Dynamik managen Norman Scheck, Teamleiter Mobilitätsmanagement, und Vanessa Hindinger, Teamleiterin Mobilität, indem sie mit ihren beiden Mannschaften Hand in Hand arbeiten. Während ersterer sich mit einer 22-köpfigen Crew um die Beschaffung und alle Belange rund um den Fuhrpark kümmert, wuppt zweite mit zehn Beschäftigten drei Themen: die rund 200 Pool-Fahrzeuge, die interne Ladeinfrastruktur und das Business Travel Management.

Als interne Dienstleister fungieren außerdem zwei Kfz-Werkstätten an den Standorten in Esslingen und Biberach, die unter anderem Inspektionen im Nahbereich und Arbeiten an den Sonderfahrzeugen übernehmen. Fünf Werkstätten an anderen Standorten hat EnBW seit 2009 geschlossen. Ansonsten ist das Fuhrparkmanagement bei steigender Zahl an Firmenwagen und Aufgaben konstant geblieben.

Gesteigerter dezentraler Bedarf

Treiber des Wachstums sind der Ausbau des Geschäftes mit erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarparks sowie von Ladeinfrastruktur in Deutschland und andere Projekte, die den Bedarf an Firmenwagen erhöhen. EnBW-Personal ist infolgedessen mehr dezentral aktiv als vor 20 Jahren. Norman Scheck schätzt, dass daher etwa 20 Prozent der Kfz vorwiegend außerhalb von Baden-Württemberg laufen.

Mit der Expansion entsteht auch eine eigene Ladeinfrastruktur an den Präsenzen vor Ort. „Rund 1.400 Ladepunkte an 135 Standorten sind bereits installiert, damit Betriebsfahrzeuge, zugeordnete Dienstwagen, Poolfahrzeuge und private E-Autos von Angestellten laden können", sagt Vanessa Hindinger. „Jedes Jahr bauen wir für rund zwei Millionen Euro unser eigenes, intern genutztes AC-Ladenetz weiter aus.“

Kür ist dabei die Abstimmung mit dem Fuhrparkmanagement. „Idealerweise stehen die Ladepunkte, wenn wir neue BEV oder PHEV an den jeweiligen Standorten in Betrieb nehmen“, so Norman Scheck. Damit aber jederzeit und in jeder Situation geladen werden kann, geht die Elektrifizierung neben dem Laden am Arbeitsplatz mit Lade-Lösungen inklusive Abrechnung für Zuhause und der EnBW Mobility+-Ladekarte für unterwegs einher.


Das ist EnBW

Der Energieversorger mit Sitz in Karlsruhe zählt insgesamt rund 30.400 Beschäftigte, die 2024 einen Umsatz von rund 34,5 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Am Standort in Stuttgart arbeiten rund 2.000 Angestellte. Derzeit betreibt das Unternehmen rund 7.000 Schnellladepunkte für Kunden, die bis 2030 auf 20.000 im Bundesgebiet steigen sollen. Das sogenannte EnBW HyperNetz umfasst rund 800.000 Ladepunkte, auch Ladepunkte hunderter anderer Betreiber und in 17 europäischen Ländern. Freie Ladepunkte und Preise sind mit der EnBW Mobility+-App abrufbar.



EnBW: Elektrifizierung der Flotte

Inzwischen sind die rund 2.500 Pkw, unter die alle Fahrzeuge bis 2,8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht (zGG) fallen, großteils elektrifiziert. Scheck zählt rund 1.600 BEV und 500 PHEV. Er betont: „Wir peilen hier in den kommenden Jahren die 100 Prozent an.“ Die rund 200 Pool-Fahrzeuge sind bis auf zwei Transporter alle Stromer.

Ein Teil der leichten Nutzfahrzeuge ist ebenfalls batteriebetrieben. Modelle mit Verbrenner werden möglichst durch den ID.Buzz ersetzt. Davon sind gegenwärtig rund 200 im Fuhrpark. Hinzu kommen rund 40 Ford E-Transit. „Mit steigender Reichweite, größerer Anhängerlast und Allradantrieb können wir auch die Transporterflotte elektrifizieren“, so der Teamleiter Mobilitätsmanagement.

Vom Test in den Alltagsbetrieb

Dass die Elektrifizierung in der DNA des Unternehmens liegt, hat sich schon vor fast 25 Jahren im Fuhrpark widergespiegelt. Damals hat EnBW als Vorreiter einen der ersten Toyota Prius aufgenommen. Der PHEV hat viele Jahre seine Dienste verrichtet. „Erst 2020 haben wir uns vom letzten Toyota Prius getrennt, mit dem bis dahin mit der originalen Fahrbatterie eine Laufleistung von fast 200.000 Kilometern absolviert wurde“, hat Scheck auf Nachfrage nach dem Verbleib und den Erfahrungswerten recherchiert. „Lediglich die Starterbatterie mussten wir hin und wieder wechseln.“

Neue Beschaffungsstrategien

Veränderungen gab es im Laufe der Jahre mit dem Zuwachs an Finanzierungsformen auch in der Beschaffung. Erster Kurswechsel 1999 beim bis dahin vollständig gekauften Fuhrpark: Die zugeordneten Dienstwagen werden seither geleast. Diese aktuell rund 800 Pkw sind im klassischen Kilometerleasing inklusive Wartung und Verschleiß geleast. Die Betriebsfahrzeuge hat EnBW lange Zeit auch klassisch geleast. Vor etwa acht Jahren kam hier ein Umschwenken: Die Fahrzeuge werden nun seit einer europaweiten Ausschreibung möglichst via Flex Lease von Holman, damals noch Ari Fleet, bezogen. Über 70 Prozent laufen derzeit über das Modell. „Es wird noch eine leichte Verschiebung zugunsten von Flex Lease geben“, so Scheck. Ist der Zeitpunkt der Vollamortisation der Fahrzeuge erreicht, vermarktet EnBW die Fahrzeuge über einen Dienstleister oder fährt sie weiter.

Weitere 20 Prozent der Firmenwagen sind bei VW Leasing unter Vertrag. Das sind vorwiegend zugeordnete Dienstwagen. Pkw bis 2,8 Tonnen zGG werden dabei für vier Jahre mit Laufleistungen zwischen 25.000 und 40.000 Kilometern pro Jahr und Nutzfahrzeuge für fünf Jahre mit Laufleistungen zwischen 15.000 bis 20.000 jährlich geleast. Die restlichen Kfz wie Sonderfahrzeuge befinden sich nach wie vor im Eigentum.

Car Policy bei EnBW: Nur BEV und PHEV

Zugleich hat die Elektrifizierung eine neue Car Policy für die User-Chooser gebracht. Mittlerweile ist nur noch die Bestellung von BEV und PHEV erlaubt, wobei erstere über die Referenzleasingrate stärker gefördert werden. „Rund 70 Prozent der Neubestellungen sind daher BEV“, so Scheck. Als Dienstwagen sind Modelle der Marken Audi, BMW, Cupra, Mercedes-Benz, Seat, Škoda und VW zugelassen. Auch einige Modelle von Hyundai und Volvo befinden sich im Fuhrpark.

Flankiert wird die Konzentration auf Stromer durch die Digitalisierung der Prozesse im Dienstwagensegment. Mit einem Car-Konfigurator inklusive Bestellprozess können die Zugangsberechtigten nun ihre BEV oder PHEV gemäß der Car Policy konfigurieren und bestellen. Das macht das vormals nötige Einholen von Einzelangeboten hinfällig und entlastet das Flottenmanagement enorm.


Justierte Servicebausteine

Denn das Mobilitätsmanagement ist unter anderem mit der Abwicklung und Organisation der Servicebausteine und komplexer werdender Regelungen etwa rund um die Ladungssicherung und Fahrereinweisungen mehr beschäftigt. Während bei Wartung und Verschleiß überwiegend die Partner der Captive und damit Marken-Autohäuser angefahren werden, gibt es etwa im Räder-/Reifen-Management verschiedene Optionen.

Zum einen übernehmen hier teilweise die zwei eigenen Werkstätten, zum anderen über Rahmenverträge Autohausgruppen wie zum Beispiel Graf Hardenberg und bundesweit Dienstleister wie ATU, Euromaster und Pneuhage. Schadenmanagement und Rückgabe obliegt dem Team im Haus. „Wir tauschen rund 800 Fahrzeuge jährlich aus. Das permanente Tracking und gegebenenfalls Nachverhandlungen bei Reklamationen machen die internen Fachkräfte dafür mehrfach bezahlt“, sagt Scheck. Diese Prozesse sind eingespielt.

Aktuelle Herausforderungen bei EnBW

Nichtsdestotrotz hat EnBW ab und an Herausforderungen zu bewerkstelligen, jüngst rund um die Ladeinfrastruktur in Stuttgart. Hier entstand mit der Sanierung des Parkhauses ein Engpass, als rund 160 Ladepunkte für einige Wochen nicht zur Verfügung standen. „Wir mussten jede Nacht unsere rund 80 Pool-Fahrzeuge zu unserem Schnelladepark bringen, laden und wieder zurückparken. Das hat aber gut funktioniert“, erzählt Vanessa Hindinger.

Eine andere Aufgabe, welche die Teamleiterin allerdings noch länger begleiten wird, ist die Schulung der Belegschaft rund um das Thema Mobilität. Der Fokus richtet sich auf die Elektrifizierung. „Wir wollen möglichst viele der rund 30.000 Kolleginnen und Kollegen schulen. Dazu finden bis Ende des Jahres Roadshows an sechs Standorten statt“, so Hindinger. Für diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, soll es zusätzlich eine Online-Veranstaltung geben. Sie ergänzt: „Wie in jedem anderen Unternehmen, müssen und wollen wir die Belegschaft bei der Transformation mitnehmen. Informationen und Anlaufstationen für Fragen rund um die Mobilität sind dafür essenziell.“

Künftige Projekte von EnBW

Norman Scheck und Vanessa Hindinger arbeiten außerdem an neuen Projekten. Der Teamleiter Mobilitätsmanagement ist zum einen mit der Umstellung vom analogen auf das elektronische Fahrtenbuch beschäftigt, für das gerade eine Ausschreibung läuft. Parallel sucht er nach anderen digitalen Tools, mit denen Fahrer etwa eine Unfallmeldung senden oder Termine in Werkstätten direkt in einem Buchungs-Tool vereinbaren können.

Auf der Agenda von Vanessa Hindinger steht derzeit die automatische Schlüsselausgabe für die Pool-Fahrzeuge oben. „Wahrscheinlich wird es eine App-Lösung werden“, so die Teamleiterin Mobilität. Ein weiteres Thema ist der Einsatz von KI, um FAQ rund um die E-Mobilität zu beantworten.

Norman Scheck ist auch mittendrin in den Tests von E-Lkw größer 5,5 Tonnen zGG. EnBW hat viele Lkw mit Kran, die Kooperationspartner Palfinger aufbaut. Dort hat er erste Lösungen gesehen, die ihn überzeugt haben.

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