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Faktencheck Tempolimit

Freiheit versus Sicherheit

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Erhöht dein Tempolimit die Sicherheit auf Autobahnen?
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Die Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen sind tief. Freiheit versus Sicherheit. Wissenschaftler fordern dringend eine Studie als Entscheidungsbasis.

Der Streit ums Tempolimit ist wieder einmal in vollem Gange. Der größte deutsche Automobilclub, der ADAC, lehnt neuerdings eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen nicht mehr grundsätzlich ab. Wenige Tage nach dem Start einer Kampagne der CSU gegen eine generelle Beschränkung auf 130 Kilometer pro Stunde konterte nun die Deutsche Umwelthilfe mit einer Online-Aktion für Tempo 120. Die Grünen fingen derweil Überlegungen eines Bundestagsabgeordneten eilig wieder ein, auch über Ausnahmen für Elektroautos von einem Tempolimit nachzudenken.

Behauptung: Ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen erhöht die Sicherheit.
Bewertung: Tendenziell richtig. Es gibt jedoch keine Studie für Deutschland, die das Ausmaß dieses Effektes allgemeingültig belegt.

Fakten: Das Autobahnnetz umfasst mit 13.000 Kilometern weniger als zwei Prozent aller Straßen in Deutschland. Allerdings werden dort rund ein Drittel aller jährlich gefahrenen Kilometer zurückgelegt. Bereits heute - ohne allgemeines Tempolimit - seien sie die sichersten Straßen, führen Tempolimit-Gegner an.

Autobahnen sind sicherste Straßen

Rein statistisch gesehen haben sie recht: 13 Prozent der Verkehrstoten entfielen 2018 auf Autobahnen, neun Prozent aller Schwerverletzten in Deutschland waren dort in Unfälle verwickelt. Allerdings gebe es keinen Gegenverkehr, wendet Wulf Hoffmann von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland ein. Autofahrer müssten auch nicht plötzlich mit Fußgängern oder Radfahrern rechnen. Leitplanken schützten seitlich vor Hindernissen. "Das wäre ja ein Ding, wenn das nicht die sichersten Straßen wären", so Hoffmann.

Der Unfallexperte ist der Ansicht, durch Tempo 130 werde die Verkehrssicherheit auf Autobahnen weiter verbessert. Modellrechnungen ließen den Schluss zu, dass es deutlich weniger Verkehrstote bei geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit gebe, so Hoffmann. Physikalisch betrachtet, ist dies nachvollziehbar: Je höher die Geschwindigkeit, desto länger ist der Bremsweg und heftiger die Wucht, mit der Fahrzeuge aufeinanderprallen.

Fakt ist jedoch auch: Auf Abschnitten ohne dauerhaftes Tempolimit - heute etwa 70 Prozent der Autobahnen - gibt es nicht überproportional viele tödliche Raser-Unfälle. Nach der Verkehrsstatistik war 2018 unangepasste Geschwindigkeit bei etwa jedem zweiten tödlichen Crash eine der Ursachen - egal ob mit oder ohne Tempolimit.

Umfassende Studie gibt es noch nicht

Eine umfassende Studie zu dem Thema gibt es in Deutschland bisher nicht. "Man hat mehrfach versucht, aus den Erfahrungen mit Tempolimits, die auf einzelnen Strecken angeordnet worden sind, auf die Wirkung eines generellen Tempolimits zu schließen", erklärt Verkehrsforscher Justin Geistefeldt von der Ruhr-Universität Bochum. Doch beträfen jene Geschwindigkeitsbeschränkungen meist gezielt unfallträchtige Strecken.

"Das heißt nicht, dass ich überzeugt bin, dass ein Tempolimit nichts bringt", betont Geistefeldt. So käme es vermutlich seltener zu Alleinunfällen von Rasern oder zu Crashs, bei denen die Beteiligten unterschiedlich schnell unterwegs sind. Dem Wissenschaftler fehlt ein groß angelegter Feldversuch, um eine aussagekräftige Bewertung vornehmen zu können.

Gleicher Meinung ist der Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Siegfried Brockmann spricht sich vehement für eine umfassende Studie aus. Allerdings ist die seiner Meinung nach nicht gewünscht. "Die Befürworter des Limits halten sie für Zeitverschwendung, und die Gegner sagen, es gibt kein Problem." Eine solche Maßnahme könne man nur mit der Zustimmung des Bundes und mindestens eines großen Bundeslandes durchführen. Dafür sieht Brockmann derzeit keine Chance.

Immerhin: Auch der ADAC spricht sich inzwischen dafür aus, die Auswirkungen eines Tempolimits in einer umfassenden Studie zu klären. Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Ansgar Staudinger, spricht bei diesem Thema sogar von einem "Forschungsloch". (dpa)

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