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Chinesische Autobauer in Deutschland: Gekommen, um zu bleiben

 Wey Coffee 01: SUV mit Plug-in-Hybridantrieb und Premium-Anspruch
© Foto: IAA Mobility

Chinesische Hersteller haben sich schon einmal auf dem deutschen Automarkt die Finger verbrannt. Jetzt sind sie zurück und haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.


Datum:
14.01.2022
Autor:
SP-X
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Verführerisch günstige Autos mit Extras garniert – so haben es in den 70er-Jahren die Japaner und in den 90er-Jahren die Koreaner geschafft, sich als feste Größen auf dem deutschen Automarkt zu etablieren. Ein erster Anlauf chinesischer Hersteller in den Nullerjahren nach ähnlichem Rezept scheiterte hingegen kläglich. Dennoch wächst seit einigen Jahren die Zahl chinesischer Anbieter, die ihre Modelle in Europa und Deutschland verkaufen. Für 2022 haben sich sogar mehrere Automarken aus dem Reich der Mitte ankündigt.

Das neue Engagement folgt nach Einschätzung von Experten allerdings einer Strategie der langsamen Schritte mit jedoch langfristigen Zielen. "Natürlich wachsen die Bäume auch 2022 für die Chinesen in Deutschland nicht in den Himmel, aber es wird ein wichtiges Jahr, um sich strategisch und in der Bekanntheit breit zu machen", schätzt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer die mittelfristigen Chancen chinesischer Autobauer ein. Mit wesentlich attraktiveren, elektrisch angetriebenen Autos und smarten Vertriebsmodellen dürfte es ihnen dieses Mal gelingen, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren.

Rückblickend wirkt der erste Anlauf in Jahren 2006 ff. erschreckend plump. Der längst wieder verschwundene Hersteller Shuanghuan brachte etwa über den windigen Importeur China Automobile einen X5-Klon mit dem unangenehm prahlerischen Namen CEO nach Deutschland, um dort nach bereits kurzer Zeit unfassbare Schwächen zu offenbaren. Wenige 10.000 Kilometer Fahrleistung reichten, bis sich in der Blechhaut der wenigen verkauften Exemplare Spaltmaße zeigten, in denen ganze Mao-Bibeln verschwinden konnten. Im Wortsinn krachend gescheitert sind auch Landwind und Brilliance, deren Autos der ADAC mit jeweils niederschmetterten Ergebnissen gegen die Wand hat fahren lassen.

Mächtig dazugelernt

Seither hat sich produktseitig jedoch vieles verändert. Hersteller in China haben auch dank des Know-how-Transfers durch viele Joint Ventures mächtig dazugelernt. Mittlerweile werden in China in vielen Fällen für den Weltmarkt vorgesehene Modelle auch global entwickelt. Mehrere Hersteller aus der Volksrepublik eröffneten in den vergangenen Jahren überdies Entwicklungs- und Designzentren unter anderem in Deutschland. Neben der Expertise aus Europa werden außerdem noch europäische Markenidentitäten dafür genutzt, China-Autos salonfähig zu machen.


China-Autos für den deutschen Markt

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Genau mit diesem Rezept ist allerdings der Versuch einer Wiederbelebung der Marke Borgward gescheitet. Die SUV-Modelle auf alter Saab-Plattform wurden mit moderner Technik und zeitgemäßen Design aus Deutschland sowie dem Borgward-Rhombus in durchaus vielversprechender Weise aufgepeppt. Doch dem Mutterkonzern Foton fehlte für das Europa-Abenteuer letztlich der finanzielle Atem. Nur eine Handvoll BX-7 hat es nach Deutschland geschafft. Seit 2020 ist es still um die Marke geworden.

Als wesentlich nachhaltiger erweist sich die Strategie des Geely-Konzerns, der sich bereits 2010 mit der Übernahme von Volvo sein Eintrittsticket für den europäischen Markt gesichert hat. Neben dem wohlklingenden Namen, Premium-Technologie und Produktionsanlagen haben die Schweden gleich noch ein Händlernetz mit in die Ehe eingebracht. An Volvo- und neuerdings auch Polestar-Modelle mit schwedischer Identität und chinesischer Herkunft haben wir uns schon gewöhnt. Ebenfalls mit Europa-Identität wird Geely künftig die frisch aus dem Daimler-Konzern ausgliederte Marke Smart nutzen. Die hat mittlerweile ihren Firmensitz als neue Smart Automobile im chinesischen Ningbo. Vor dort soll ein kompaktes SUV-Modell mit batterieelektrischem Antrieb bereits Anfang 2023 als waschechter Smart nach Europa kommen.

Doch Geely setzt nicht nur auf die Übernahme bekannter Fabrikate. Mit Lynk & Co hat der Autokonzern eine ganz eigene Marke ins Leben gerufen, die zudem auf ein noch junges Vertriebskonzept setzt. Derzeit wird mit dem 01 ein Schwestermodell des Volvo XC40 vornehmlich im Abonnement vertrieben. Abos könnten für Newcomer aus China ein ohnehin bevorzugtes Konzept werden, das einen Markteinstieg ohne große Investitionshürden ermöglicht.

"Auto-Abos erlauben völlig neue Möglichkeiten für junge Unternehmen"

Dudenhöffer erwartet daher, dass die aktuell großen Umwälzungsprozesse in der Branche den Chinesen in die Karten spielen werden: "Die Zeiten, dass man mit Macht und hohen Budgets Autohändler eingesetzt hat sind vorbei. Auto-Abos reduzieren die Vertriebskosten enorm und erlauben völlig neue Möglichkeiten für junge Unternehmen. Der Auto-Abo-Markt wird einer der ganz großen Treiber der Veränderung des Markts. Und Auto-Abos sind ein hervorragendes Instrument, um Newcomern den schnellen Einstieg in den Markt zu erlauben. Alle Risiken werden dem Kunden abgenommen. Damit haben junge und neue Marken sehr große Vorteile."

Bereits einige Jahre vor Geely hat SAIC, in diesem Jahr auf Rang 60 der größten Unternehmen der Welt vorgerückt, unter dem Deckmantel einer europäischen Marke den Weg nach Westen gefunden. Schon 2007 hat sich der Konzern die Markenrechte des britischen Traditionsherstellers MG einverleibt. Ein dazugehöriges Werk in Birmingham wurde zunächst zur Endmontage für in China produzierte Autos genutzt, die dem britischen Markt vorbehalten blieben. Doch seit Ende 2019 wird auch in Kontinentaleuropa verkauft. Erst in Holland, danach in Norwegen und Deutschland. Mittlerweile bietet MG hierzulande vier Baureihen an. Neben einem SUV mit Plug-in-Hybridantrieb gibt es noch zwei Elektro-SUV und den Elektro-Kombi MG5. In diesem Jahr konnte MG Motors seinen Absatz in Europa vervielfachen, per Ende September waren es nach Unternehmensangaben bereits knapp 40.000 Autos. Bis 2025 will man sechsstellige Stückzahlen erreichen.

Doch längst ist das Selbstbewusstsein der Hersteller aus China so groß, mit eigenen Marken in Europa und Deutschland reüssieren zu wollen. Zu den ersten Anbietern mit rein chinesischer Identität gehört etwa Aiways, der seit Oktober 2020 das Elektro-SUV U5 in Deutschland über die Elektrohandelskette Euronics vertreibt. Der Stromer ist gewiss kein Gamechanger, doch sein ansprechendes Design, ein geräumiger Innenraum sowie der im Verhältnis zu Leistung und Reichweite interessante Preis wecken offensichtlich Interesse. Rund 3.000 Exemplare hat Aiways vom U5 in diesem Jahr europaweit verkaufen können. 2022 kommt mit dem U6 das zweite Modell.

Ebenfalls frisch in Europa gestartet ist Nio. Dieses Jahr wurde in Norwegen der Anfang gemacht. Der 2014 gegründete Elektroauto-Hersteller will sich als Lifestyle- und Premium-Marke positionieren. Noch bleiben die Verkaufszahlen bescheiden. Doch Nio will bereits nächstes Jahr deutlich expandieren – auch nach Deutschland. Optisch und technisch brauchen Modelle wie der ES6, ES8 oder ET7 keinen Vergleich zu scheuen. Eine Besonderheit der ohnehin schon reichweitenstarken Stromer von Nio ist ihr Batterietauschsystem, das in China bereits über mehrere tausend Stationen verfügt und auch in Europa die Langstreckennutzung vereinfachen dürfte. In Deutschland sollen ebenfalls Nios Tauschstationen unter anderem an Shell-Tankstellen errichtet werden. 

Norwegen als Sprungbrett

Norwegen ist für E-Auto-Start-ups als Sprungbrett nach Europa beliebt, da hier rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf hohe Förderung, Kaufkraft und Nachfrage treffen. Diesen Umstand macht sich auch Xpeng für sein 2020 eingeläutetes Europa-Abenteuer zunutze. Wie Nio setzt Xpeng auf eine Premium-Positionierung und noble Modelle mit viel Leistung und Reichweite. Frisch gestartet ist die sportliche Limousine P7, die sich als interessante Alternative zu Teslas Model S empfiehlt. Xpeng hat außerdem ein Headquarter in Amsterdam eröffnet. 

Definitiv nächstes Jahr will Great Wall Motors in Deutschland mit den beiden Marken Ora und Wey antreten. Auf der IAA in München präsentierten sich beide Marken mit jeweils eigenen und großen Ständen. Ora bietet rein elektrisch angetriebene Lifestyle-Kompakte mit Porsche/Mini-Flair. Great Wall will in Europa eine Produktionsstätte aufbauen und bis 2025 fünf Ora-Modelle einführen. Den Anfang macht der rund 30.000 Euro teure und 4,24 Meter lange Fünftürer Cat 01 mit 126 kW / 171 PS starkem E-Antrieb und 400 Kilometer Reichweite.

Wey setzt auf luxuriöse SUV wie den Coffee 01 mit Plug-in-Hybridantrieb. Ein erster Wey-Showroom soll, wie die Europazentrale, in München entstehen. Neun weitere City-Stores, zehn Pop-up-Läden und 60 Service-Stationen sind geplant. Eine erste europäische Fertigungsstätte ist im Bau. Nach einem kurzfristigen Abenteuer klingt das nicht. (SP-X)


Smart Concept #1

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