Der tägliche berufliche Weg der Fuhrparkleiter ist oft steinig, denn alle Firmen schauen auf die Kosten – und der Fuhrpark ist in vielen Unternehmen der zweitgrößte Kostenblock nach dem Lohn. Gleichzeitig schränken Regularien (ESG-Report, HR-Vorgaben etc.) die Spielräume der Fuhrparkverantwortlichen ein. Da hilft es, bekannte Wege zu verlassen, Dinge neu zu denken oder kurz gesagt: bekannte Muster aufzubrechen. Einen Aufbruch, der auch für die Autoflotte eine Premiere darstellte, erfuhren die Teilnehmer des Fuhrparktags Ende September am Bilster Berg. Denn statt auf die Rennstrecke führte der fahraktive Teil der „Toyota Business x Autoflotte Experience“ über einen Offroad-Pfad in Sichtweite des 4,2 Kilometer langen Race-Tracks und sorgte allein deshalb schon für einen Perspektivwechsel.
Bereits zur Begrüßung machte Holger Kiener, Director Kinto & Fleet Sales bei Toyota Deutschland, deutlich, wohin die Reise gehen soll: Toyota versteht sich längst nicht mehr nur als Fahrzeughersteller, sondern als ganzheitlicher Mobilitätspartner für Unternehmen und Flottenbetreiber. Unter dem Dach von „Toyota Business“ werden Fahrzeuge, Finanzdienstleistungen, Versicherung, Mobilitätsangebote wie Auto-Abos und Leasinglösungen gebündelt. Das Ziel ist, ein zentraler Ansprechpartner für Flottenkunden zu sein, unabhängig davon, ob sie einen Hybrid-Pkw, einen Transporter oder ein flexibles Auto-Abo benötigen. Und zwar für Lexus wie für Toyota, für Pkw wie für Pick-ups und Transporter.
Autoflotte Fuhrpark-Tag mit Toyota 2026
Toyota Multi-Path: Alle Antriebsarten am Start
Dabei setzt Toyota weiterhin konsequent auf seine Multi-Path-Strategie. Das Motto lautet Antriebsoffenheit. Hybrid, Plug-in-Hybrid, batterieelektrische Fahrzeuge, Verbrenner und Wasserstoffmodelle sollen je nach Einsatzbereich die passende Lösung bieten. Einen Ausblick auf die nahe Zukunft gaben die zwei Prototypen des H2-Hilux, der die Wasserstofftechnik des Mirai in ein Pick-up-Gewand übernimmt. Aus UK wurden diese Unikate extra an den Bilster Berg gebracht, denn die Serienmodelle werden erst 2028 auf die Straße kommen.
Nach dem Blick auf die Produkt- und Mobilitätswelt von Toyota ging es um die betriebswirtschaftliche Perspektive – dem heißen Eisen in Zeiten der Kraftstoffhöchstpreise. Marc-Oliver Prinzing, Geschäftsführer von Carmacon und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Betriebliche Mobilität (BBM), stellte eine provokante These auf: Der Fuhrpark könne mehr Gewinn bringen als der Vertrieb. Hintergrund seien enorme Effizienzpotenziale, die in vielen Unternehmen unentdeckt bleiben. Prinzing zeigte auf, dass viele Unternehmen ihre tatsächlichen Fuhrparkkosten nur unzureichend kennen.
Toyota Hilux Test (2026)
Lediglich 57 Prozent erfassen ihre Gesamtkosten, nur 26 Prozent kalkulieren auf Basis eines vollständigen Total Cost of Ownership (TCO), und gerade einmal 38 Prozent können ihre Kostenstruktur präzise benennen, lautet sein Befund mit Blick auf eine BBM-Benchmark-Analyse. Besonders kritisch seien dabei die versteckten Prozesskosten. Verwaltung, Abstimmungen, Fahrzeugbeschaffung und Datensilos verursachten erhebliche Aufwendungen, die in klassischen Kostenbetrachtungen oft nicht auftauchten. Die eigentlichen Probleme seien weniger fehlende Daten als deren mangelnde Verknüpfung. Verantwortlichkeiten seien häufig verteilt, während eine ganzheitliche Steuerung fehle.
Vier Fuhrpark-Hebel für Manager
Gleichzeitig steigen die Kosten nahezu aller Flottenbestandteile. Versicherungen, Reparaturen, Gebrauchtwagenpreise und Neufahrzeuge haben sich in den vergangenen Jahren deutlich stärker verteuert als die allgemeine Inflation. Seine Kernaussage: Schon eine Reduzierung der Flottenkosten um fünf Prozent könne erhebliche Ergebniswirkungen entfalten. Dafür braucht es vier zentrale Hebel: Transparenz schaffen, Prozesse sichtbar machen, Standards etablieren und die Rolle des Fuhrparkmanagements aufwerten. Sein Fazit fiel deutlich aus: „Der Fuhrpark ist oft der einzige Millionenbereich im Unternehmen, der mit Excel und Bauchgefühl gesteuert wird.“
Den Zukunftsausblick übernahm anschließend Ralph Müller, Pressesprecher Technik und leichte Nutzfahrzeuge bei Toyota Deutschland. Er zeigte auf, warum Toyota weiterhin auf technologische Vielfalt setzt und die rein batterieelektrische Mobilität nicht als einzig möglichen Weg betrachtet. Bestandteil der Strategie sind Hybrid-, Plug-in-Hybrid-, Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge sowie perspektivisch auch E-Fuels und Wasserstoffverbrenner. Ein zentrales Thema war die Rohstofffrage. Toyota argumentiert hier, dass die verfügbaren Batterierohstoffe möglichst effizient eingesetzt werden sollten. Statt eine große Batterie in einem einzigen Elektrofahrzeug zu verbauen, könnten mehrere Hybrid- oder Plug-in-Hybridfahrzeuge einen breiteren Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten.
Eine Toyota-Besonderheit ist dabei der eigene Brennstoffzellenantrieb, der nach dem Mirai bald auch im Hilux angewandt wird. Beim Thema Wasserstoffantrieb kooperiert man etwa mit BMW, um die H2-Kompetenz breiter in das Pkw-Segment einfließen lassen zu können. Mit Daimler Truck, Mitsubishi Fuso, Volvo Trucks und Hino gibt es wiederum enge Bindungen, um die Brennstoffzelle im Güterverkehr als Alternative aufzubauen. Parallel müssen natürlich auch die H2-Tankstellen entstehen. Hier findet laut Müller gerade eine neue Justierung des Netzes statt. Einige Tankstellen gehen vom Netz, neue kommen in den Gegenden hinzu, in denen das Thema vorangetrieben wird. Es tut sich hier also auch etwas.
Emotionale Flotte bei Toyota
Als Schnittstelle zwischen zuverlässiger Technik, günstiger TCO und einem emotionalen Fuhrpark kann der Rennsport dienen. Die Rallye-Legende und Markenbotschafterin Isolde Holderied gab einen persönlichen Einblick, wie sie als Frau im Rallye-Sport Fuß fasste und mit Mut, Durchhaltevermögen und Leidenschaft große Erfolge einfuhr und immer noch aktiv ist. Diesen Elan nahmen die Fuhrparkverantwortlichen am Nachmittag mit auf den Offroad-Parcours des Bilster Bergs, auf dem sich der neue Hilux auch als reiner E-Pick-up beweisen konnte.
Parallel ging es mit einer großen Range von Toyota- und Lexus-Modellen auf die Straße. Der Lexus LC 500, der Toyota Supra oder der GR Yaris waren ebenso oft vergriffen wie der Lexus ES oder der neue RAV 4. Die ausgestellten Ausbaulösungen der Transporter-Flotte rundeten die Gesamtschau ab. Toyota ist halt längst breiter aufgestellt, als man vielerorts glaubt.