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Das Steuergeschenk wird sauber

Gebrauchte E-Autos könnten Wegbereiter echter grüner Mobilität werden. Doch wieso sollte man sie leasen, wenn neue bezuschusst werden? Weil das der Unterschied zwischen grünem Anstrich und Grünsein ist.


Datum:
05.07.2021
Autor:
mb
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Der Begriff "kleine Flotten" ist dehnbar. Für einige bedeutet es fünf Fahrzeuge, für andere 50. Sicher ist, dass Firmen mit kleinen Flotten oft spontaner und flexibler agieren als Großflotten, wenngleich Arval die großen Flotten als "Treiber der E-Mobilität" sieht (siehe Seite 10/11). Oft sind kleinere Firmen aber die, die Nachhaltigkeitsthemen zur Maxime erkoren haben. Ethisch und moralisch korrektes Handeln wird zunehmend gelebt. Das fängt beim Ökostrom in der Firma an und hört bei der gesunden Kantine noch lange nicht auf. Auch das Mobilitätspaket wird inspiziert.

Und dabei wird zunehmend sichtbarer, dass auch der E-Antrieb - den nahezu jeder auf dem Radar hat - kein Allheilmittel ist. Und das, obwohl Elektroautos (Bev) ohne Wenn und Aber eine Option darstellen, Emissionen zu reduzieren. Doch die Herstellung eines E-Fahrzeugs vernichtet bekanntermaßen Ressourcen, die - je nach Berechnung - viele Zehntausend Kilometer der Nutzung mit Ökostrom bedingen, um im Vergleich zum Verbrenner in den "grünen Bereich" zu fahren. Da die Leasing-Laufzeit der meisten E-Autos mittlerweile auf 24 Monate taxiert ist, ist das in dieser Periode kaum möglich.

Saubermann: gebrauchte E-Autos

Würde man nun auf die Herstellung des Fahrzeugs verzichten, sähe die Sache bereits anders aus. Reduce, reuse und recycle sind daher Schlagworte, die zwar vermehrt im Orbit umherschwirren, nach denen aber noch nicht in nennenswerter Stückzahl gehandelt wird. Dabei könnte jeder seinen (unternehmerischen) CO2-Rucksack erleichtern, indem beispielsweise ein gebrauchtes E-Fahrzeug anstelle des neuen geleast wird. Denn das gebrauchte E-Auto ist bereits produziert, es existiert und ist nach nur 24 Monaten Erst-Leasing in noch immer exzellentem Zustand - auch technisch. Denn in seltenen Fällen werden mit ihnen 25.000 Kilometer und mehr pro Jahr gefahren. Hinzu kommt die Mär von den Technologiesprüngen. Diese existieren, doch es sind eher kleine Hopser. Zudem ist es "grünen Firmen" nicht immer wichtig, das Neueste zu nutzen.

Als Anreiz für die Dienstwagenberechtigten, ein gebrauchtes Elektrofahrzeug zu akzeptieren, sollte die 0,25%-Versteuerung ausreichen. Es wird lediglich ¼ des regulären Satzes berechnet. Klar, auch für ein neues E-Auto mit einem Bruttopreis von unter 60.000 Euro ist das so. Doch da sind wir wieder beim Grundsatz: was möchte ich bewirken? Wie wichtig ist mir ökologisches Handeln? Und: was kommt nach mir?

Als Contra-Argument beim Thema Gebraucht-Firmenwagen kommt häufig, dass es dann nicht "mein" Firmenwagen ist. Ja, er sieht unter Umständen nicht exakt so aus wie gewünscht. Dieser Aspekt tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Denn wer mal Tesla konfiguriert, merkt schnell, dass die Bezeichnung Konfigurator dick aufgetragen ist. Farbe (außen/innen), Räder, zwei Assistenzpakete und vielleicht noch die Anhängekupplung. Das war es mit dem Individualisieren. Und wer abermals ehrlich ist, wird merken, dass ein zwei Jahre altes Elektroauto mit 30.000 Kilometern noch immer Neuwagengeruch in sich tragen kann und sämtliche Bauteile neuwertig sind. Es gibt keine abgerauchte Kupplung, keinen schmierigen Motorraum und kaum Steinschläge an der Front.

Elektroautos bieten sich geradezu an, im Zweitleben in die echte Nachhaltigkeit zu fahren. Egal, ob als persönlicher Dienstwagen, als Poolfahrzeug oder im Carsharing- sowie Abo-Einsatz. Vor allem Letztgenannte erhalten meist eh wenig "Liebe" und werden oft unter der Prämisse günstig sowie unproblematisch genutzt. Und genau das tun Elektroautos, die sogar mit leerem Energiereservoir abgestellt werden können, denn sie füllen sich im Büro an der Wallbox von alleine wieder auf.

Zweit-Leasing beim E-Auto?

Doch wie sieht die Situation "draußen" aus. Können Firmen gebrauchte E-Autos leasen und damit das Elektroauto und dessen Nutzung umweltfreundlicher gestalten? Autoflotte hat nachgefragt.

Die Münchener BMW-Tochter Alphabet hat im Augenblick nichts im Portfolio. Und das, obwohl mit dem BMW i3 ein idealer Begleiter für genau diese Anwendung seit Jahren vorhanden wäre. Bei Daimler Mobility rechnet man erst in ein bis zwei Jahren mit einer größeren Zahl an Rückläufern, die dann als gebrauchte E-Autos "weitere Märkte erobern" könnten. Klar, bei Mercedes fing das E-Zeitalter erst mit dem EQC wirklich an. Die Stuttgarter prüfen aktuell drei Pilotmodelle zusammen mit Mercedes-Benz, von denen der Verkauf, das Leasing und die Finanzierung für gebrauchte Elektrofahrzeuge eins ist. Aber auch der Einsatz der "abgelegten" E-Modelle fürs Abo ist hier denkbar. Bereits heute sind viele Abo-Autos keine Neuwagen, sondern junge Gebrauchte. Aber Daimler Mobility sieht die Chancen der gebrauchten Bev auch im Miet- und Carsharingsektor, wo die Schwaben mit Share Now noch immer zusammen mit BMW aktiv sind.

Auch beim Leasingspezialisten Arval klingt es noch verhalten. So sagt Christian Schüßler, Director Strategic Partnerships bei den Oberhachingern: "Bezüglich gebrauchter Elektrofahrzeuge verhält es sich momentan so, dass die Anzahl der Rückläufer noch überschaubar ist. Wir bieten aktuell noch kein Gebrauchtwagen-Leasing an. Jedoch bedeutet das nicht, dass wir nicht auch in Deutschland künftig damit starten werden. In anderen Arval-Ländern gibt es das Produkt bereits. Dann gehören auch EVs zum Portfolio."

Und Karsten Rösel, Geschäftsführer der ALD, antwortet: "Naturgemäß sind die Stückzahlen aufgrund der geringen Anzahl an gebrauchten Elektrofahrzeugen noch überschaubar, wir erkennen aber deutlich, dass die Nachfrage höher als das Angebot ist. Bestärkt sind wir auch hier, qualitativ hochwertige Gebrauchtwagen anbieten zu können, die vor allem im Bereich Akkulebensdauer und Ladeleistung die Erwartungen unserer Kunden voll erfüllen. Hier kommt uns zugute, dass wir die Elektromobilität von Anfang an mit attraktiven Leasingangeboten unterstützt haben und nun bereits über breite Erfahrungen mit diesen Fahrzeugen verfügen."

VW Leasing in Führung

Alles auf eine Karte setzt bekanntermaßen Volkswagen beim Thema E. Und auch Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland von VW Leasing, wird konkret: "Das Verleasen von gebrauchten E-Fahrzeugen ist ein klarer Bestandteil unserer Gebrauchtwagen- und E-Mobilitätsstrategie. Noch in diesem Jahr werden wir die ersten jungen gebrauchten E-Fahrzeuge in der Leasingbörse der Marke Volkswagen Pkw anbieten. Dabei handelt es sich vorwiegend um ehemalige Geschäftswagen von Werksangehörigen mit einem Fahrzeugalter von maximal zwölf Monaten. Diese Fahrzeuge haben in der Regel Anspruch auf die staatliche Förderung für gebrauchte E-Fahrzeuge. Allerdings sprechen wir generell beim Gebrauchtleasing für E-Fahrzeuge von einem Markt, der derzeit noch nicht existiert. Denn der Großteil der E-Fahrzeuge befindet sich erst am Anfang des ersten Leasing-Lebenszyklus." Und ähnlich wie bei Daimler Mobility liegt der Grund auch bei VW in der mangelnden Verfügbarkeit gebrauchter E-Modelle."Bis diese Fahrzeuge in ihrer Gesamtheit als Gebrauchte wiedervermarktet werden müssen, werden noch etwa zwei Jahre vergehen."

Die Braunschweiger gehen davon aus, dass sie rund 60 Prozent der Leasingrückläufer auch im zweiten Leasingzyklus anbieten werden. Denn die Voraussage ist, dass "gebrauchte E-Fahrzeuge für viele Kunden genauso attraktiv sein werden wie gebrauchte Verbrenner."

Karsten Rösel ist das Thema Nachhaltigkeit nach eigenen Aussagen besonders wichtig, "weshalb wir den Mobilitätswandel auch in diesem Bereich aktiv mitgestalten. Wir bauen unser Angebot für Elektrofahrzeuge kontinuierlich aus und passen unsere Dienstleistungen an die Klimabedürfnisse und idealerweise am Kundenbedarf laufend an. Das Used Car-Leasing wird dabei im Mobilitätsmix eine gute Möglichkeit sein, unseren Kunden ein nachhaltiges Mobilitätsangebot auch bei Elektrofahrzeugen anzubieten. Bereits heute können unsere gewerblichen Kunden bei uns gebrauchte Elektrofahrzeuge leasen."

Beim flexiblen Mobilitätsangebot "ALD Flex" stellt Rösel bereits fest, dass die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen deutlich steigt. "Wir haben derzeit einige Tesla im Fahrzeugpool und planen zudem weitere EV-Fahrzeuge aufzunehmen. So bieten wir aktuell zum Beispiel auch schon Renault Zoe als Werkstattersatzwagen für unsere Partnerwerkstätten an.

Pragmatisch kann grün sein

Ganz pragmatisch geht Jochen Seitz, Geschäftsführung Raiffeisen-Impuls-Fuhrparkmanagement, mit dem Thema Zweit-Leasing um. Derzeit gehen in Vaterstetten nämlich 100 Prozent der E-Autos ins Zweit-Leasing. Der Grund fürs grüne Handeln liegt jedoch primär in den langen Lieferzeiten für neue E-Autos. Aber selbst wenn das so ist, hilft es, die Akzeptanz fürs E-Auto zu steigern und es hilft der Umwelt. Und Seitz betont:"Wir unterstützen jegliche nachhaltige Mobilitätsansätze. So ist beispielsweise unsere Kurz- und Langzeit-Interimflotte bereits zu einem sehr großen Teil auf E-Fahrzeuge umgestellt." Denn wer nur nach ökonomischen Prinzipien agiert, wird schnell merken, dass sich das Leasing eines gebrauchten E-Autos kaum "rechnet". Und Seitz teilt mit, dass der finanzielle Anreiz für Kunden aufgrund der sehr hohen Neufahrzeugförderungen oft das relevantere Steuerungselement ist. "Und diese Förderungen sind eben kontraproduktiv für das Gebrauchtwagensegment und deren Restwerteverläufen."

Villinger formuliert es etwas anders: "Die Raten für förderfähige junge, gebrauchte E-Fahrzeuge sind derzeit hochattraktiv. Wir gehen davon aus, dass wir unseren Kunden dauerhaft für gebrauchte E-Fahrzeuge attraktive Leasingraten anbieten können, die in einem angemessenen Verhältnis zu den Leasingraten für Neufahrzeuge stehen", was eben auch daran liegt, dass VW die gebrauchten E-Autos innerhalb von zwölf Monaten ins Zweit-Leasing gibt und sie damit noch immer förderfähig sind (Autoflotte 6/2021, Seite 15).

Den Haken mit der Förderung erwähnt auch Schüßler: "Auch gilt für die Nutzung von gebrauchten EVs die Umwelt-/Innovationsprämie nur eingeschränkt beziehungsweise nur für sehr junge Gebrauchtfahrzeuge. Das mache es im Vergleich zu einem Neuwagen nicht wirklich attraktiver." Karsten Rösel sieht hier Chancen:"Flexible und kostengünstige Angebote im Zweit-Leasing steigern das Interesse an Elektrofahrzeugen und erleichtern den Einstieg, gerade bei hochpreisigen Elektrofahrzeugen. Die lange Nutzungsdauer ist zudem positiv zu bewerten: Der positive Einfluss des Antriebs auf die Technikkosten wird bei langer Laufzeit ebenfalls besser da viele Bauteile bekanntermaßen weniger wartungsintensiv sind."

Reduce, reuse, recycle

Und damit sind wir wieder beim reduce,

reuse und recycle. Der Umweltschutz sei für viele Kunden ein wichtiges Thema. Der Wunsch nach klimaschonenden Mobilitätslösungen werde immer größer. Im Vordergrund stehen hier neben dem Umweltgedanken die direkte Verfügbarkeit und der gute Zustand des Fahrzeugs. "Wir befinden uns mitten im Mobilitätswandel. Durch eine Zweitnutzung der Elektrofahrzeuge kann zudem die Nachhaltigkeit der einzelnen Fahrzeuge deutlich gesteigert werden", heißt es unisono.

Ob all das den Gebrauchtwagenmarkt zu einem "Gamechanger" macht, wie Rösel ihn nennt, bleibt abzuwarten. Derzeit stehen wir noch am Anfang einer nachhaltigen Idee, die sich im Bewusstsein der Kunden verankern muss. Aber ebenso in den Köpfen der Politiker, in der Unternehmensführung und eben deren Fuhrparkbetreuenden. Oder letztendlich: bei jedem Einzelnen von uns allen, der das (Steuer-)Privileg erhält, einen Dienstwagen nutzen zu dürfen. Denn es muss nicht immer der neueste, schönste, beste und teuerste sein. Vor allem dann nicht, wenn man die 0,25-Prozent-Besteuerung mit ins Blickfeld nimmt. Dann tut es auch ein neuer, schöner, guter und treuer Gebrauchter.

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