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Die Nachfrage explodiert

Hans Schep ist Fords Nutzfahrzeugchef in Europa. Autoflotte sprach mit dem Wirtschaftsingenieur über die E-Mobilität bei leichten Nutzfahrzeugen und die Vernetzung zwischen Fahrzeug, Fuhrparkleitern und Fahrern.


Datum:
01.03.2021
Autor:
mb
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Wir hatten kürzlich den Transit Custom Plug-in-Hybrid zum Test. Welche Kunden kaufen ihn?

Hans Schep: Sie implizieren mit Ihrer Frage zu Recht, dass insbesondere im Nutzfahrzeuggeschäft das Fahrzeug, also das Werkzeug des Unternehmens, auf den Anwendungsfall des Kunden zugeschnitten sein muss. Der Grund, warum wir den Transit Custom PHEV entwickelt haben, liegt in unserer Einschätzung, dass die Elektrifizierung mit Macht kommt, auch im Nutzfahrzeugbereich. Wir haben zudem gesehen, dass es eine Reihe von Kunden gibt, die keine festen Fahrzyklen haben und nicht wissen, wie viele Kilometer sie fahren müssen und dass es Anwendungsfälle gibt, bei denen man emissionsfrei fahren möchte - ohne Reichweitensorgen. Unser Ansatz war auch, dass wir nicht warten, bis wir die perfekte Antwort haben. Die Idee war, den Transit Custom PHEV zunächst in kleinen Stückzahlen auf den Markt zu bringen.

Mit welchem Ergebnis?

H. Schep: Wir haben gelernt, wie unsere Kunden ihre Fahrzeuge laden - an Schnell-Ladestationen, zuhause, im Firmendepot, was jeweils einen Unterschied macht. Seit Markteinführung registrieren wir ein wachsendes Interesse am Transit Custom PHEV. Von Kunden, die das Fahrzeug in Innenstädten ebenso nutzen wie außerhalb, und von Kunden, die ihre Flotte erneuern. Diese legen Wert auf einen niedrigen CO2-Fußabdruck, haben aber keine Fahrzyklen, die den voll elektrischen Einsatz ermöglichen. Natürlich achten sie auf die Betriebskosten. In London ist dieses Fahrzeug ein fantastischer Business Case, denn man vermeidet die City-Maut. Wir haben eine Menge Tests gemacht, um ein wirklich kundenrelevantes Gesamtpaket zu schnüren. Geo-Fencing funktioniert im Transit Custom PHEV wirklich gut und unsere Kunden nutzen es. Also bieten wir diese Funktion in diesem Modell jetzt serienmäßig an.

Mit Geo-Fencing könnte man festlegen, dass das Auto vor einem Krankenhaus automatisch in den Elektromodus geht?

H. Schep: Das Fahrzeug kennt seine Position und wechselt zum Beispiel bei der Einfahrt in eine Umweltzone automatisch in den E-Modus. Natürlich kann man zusätzlich eigene Geo-Fencing-Zonen festlegen.

Wie sieht es mit dem E-Transit aus?

H. Schep: Der E-Transit kommt im nächsten Frühjahr in Europa auf den Markt. Er wird ein wichtiges Fahrzeug für die ,Last Mile-Zustellung' und ist eine komplette Ford-Entwicklung. Die im Unterboden installierten Lithium-Ionen-Akkus haben eine Kapazität von 67 Kilowattstunden. Damit erzielt der E-Transit nach WLTP eine Reichweite von voraussichtlich bis zu 350 Kilometern. Hinzu kommen clevere Software-Lösungen für mehr Effizienz und eine Option, die das Fahrzeug zu einer mobilen Stromquelle für externe Werkzeuge macht. Abgerundet wird das Profil durch deutlich reduzierte Aufwendungen für Wartung und Service.

Refinanziert sich ein Phev oder E-Van durch niedrigere Wartungskosten?

H. Schep: Klar ist, dass immer mehr staatliche Stellen die Initiative ergreifen - ob Dieselfahrverbote, Emissionszonen oder Anreize für Null-Emissions-Fahrzeuge. Ungeachtet dessen ist die Wartung ein wichtiger Teil der Gesamtbetriebskosten. Nach unseren noch vorläufigen Berechnungen lassen sich die Betriebskosten des E-Transit im Vergleich zu den Diesel-Modellen voraussichtlich um rund 40 Prozent senken, was unter anderem auf den geringeren Wartungsbedarf von E-Motoren zurückzuführen ist. Dieser Vergleich basiert auf einer 3-Jahres-Periode mit 180.00 Kilometern und bezieht sich auf planmäßige und außerplanmäßige Wartungskosten. Aber was wirklich wichtig ist, ist der Wiederverkaufswert. Es wird also darauf ankommen, dass wir ein Ford-Ökosystem schaffen.

Einen Phev aufzuladen gelingt an der Steckdose. Beim E-Fahrzeug wird es mit all den Möglichkeiten und Bezahlsystemen komplizierter. Wie löst Ford das?

H. Schep: Sie haben absolut recht. Grundsätzlich muss das Thema Laden im Sinne der Kunden gelöst werden. Wir bieten in Kooperation mit New Motion Zugang zum Ford-Pass-Charging Network. Über 175.000 Ladestationen in 21 Ländern können unsere Kunden per Navi ansteuern, ihr Fahrzeug laden, bezahlen und den Ladevorgang per App überwachen. Außerdem stehen 400 Ionity-Stationen mit fast 2.400 Ladepunkten zur Verfügung, zu dessen Gründungsmitgliedern und Teilhabern Ford zählt. Der neue E-Transit kann sowohl mit bis zu 11,3 kW AC und mit bis zu 115 kW DC geladen werden. Außerdem bietet Ford den Käufern seiner Phev und E-Fahrzeuge eine Ford Connected Wallbox an, um das Laden von zu Hause schneller und bequemer zu gestalten.

Wer sind, in Bezug auf Flotten, die ersten Nutzer elektrifizierter Modelle?

H. Schep: Im Moment sind das eindeutig die KEP-Dienstleister, die die online bestellten Waren und Lebensmittel auf der letzten Meile zustellen. Was man auch sieht: Es gibt mehr und mehr Gewerbekunden die sich für ein elektrifiziertes Fahrzeug entscheiden, wenn der Job mit diesem erledigt werden kann. Einfach wegen des positiven ökologischen Fußabdrucks, den sie als Unternehmen haben wollen.

Wie wird sich die E-Mobilität aus Ihrer Sicht entwickeln?

H. Schep: Ich sehe unterschiedliche Akzeptanzkurven für verschiedene Anwendungsfälle. Im Transporter-Segment stellen wir fest, dass unter anderem durch Covid-bedingte Hauszustellungen die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen regelrecht explodiert. Aber natürlich müssen wir auch die kleineren Fahrzeuge elektrifizieren. Denn im Endeffekt wird uns die Gesetzgebung den Zugang zu den Innenstädten mit reinen Verbrennern irgendwann verbieten. Dennoch denke ich, dass es auf jeden Fall noch dauert, bis alle Fahrzeuge vollelektrisch fahren werden - aus meiner Sicht mehr als ein Jahrzehnt, mindestens. Wir werden also viele Lösungen für die Zukunft brauchen.

Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?

H. Schep: Im Grunde wissen wir aufgrund der Digitalisierung bereits sehr viel über das einzelne Fahrzeug. Davon profitiert der Nutzer. Auch wenn die Fahrzeug-Leasingrate noch so attraktiv, der Restwert hoch und die Wartungskosten gering sein mögen: Ein Auto, das steht, ist eben kein Fahrzeug und verdient kein Geld. Standzeiten aufgrund von Servicearbeiten oder eines Ausfalls des Fahrzeugs wirken sich für den Gewerbekunden unmittelbar negativ aus, ja können sogar eine Katastrophe sein. Die Betriebszeit ist also die Kennzahl, auf die wir am meisten achten und in die wir auch investieren. Aber selbst mit langen Wartungsintervallen, regelmäßigen Software-Updates und allen Möglichkeiten von vernetzten Fahrzeugen werden zuverlässige Partner nach wie vor wichtig sein, die diese Fahrzeuge wieder auf die Straße bringen. Digitalisierung kann verhindern, dass ein Fahrzeug längere Zeit ausfällt, weil man vorhersehen kann, wann ein Service fällig wird und dass dabei Bremsbeläge getauscht werden müssen. Der Servicepartner kann also bereits im Zuge der Terminvergabe benötigte Teile bestellen.

Wie will Ford die sogenannten vernetzten Dienste weiterentwickeln?

H. Schep: Unser Angebot an vernetzten Fahrzeugfunktionen und Services wächst mit jeder Modell-Neueinführung. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug ein Ford-Pass-Connect-Modem an Bord hat, was inzwischen bei fast allen der Fall ist. Der Nutzer bekommt über die Ford-Pass-Pro-App Informationen zur Restreichweite, zum AdBlue-Füllstand, zum Reifendruck, zur Öl-Lebensdauer etc. Er wird aber auch bei Problemen benachrichtigt. Weitere Funktionen, die über die App abrufbar sind, beziehen sich zum Beispiel auf Aspekte wie Fahrzeug-Ortung, Buchung von Serviceterminen oder Download von Wartungsplänen und Bedienungsanleitungen. Eine ebenfalls sehr wichtige Funktion ist der Fahrzeug-Fernzugriff, also das Öffnen und Schließen des Fahrzeugs per App. Für Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb und für rein elektrische stellen wir Informationen zu den Standorten von Ladestationen und zur Ladezeitplanung zur Verfügung.

Neu ist der Guard-Modus: Er benachrichtigt den Nutzer der App, falls sich jemand unbefugt am Fahrzeug zu schaffen macht. Auch die digitale Pannenhilfe - also die automatische Übermittlung relevanter Fahrzeugdaten an den Pannendienst und im nächsten Schritt das Live-Tracking des Abschleppwagens - sind Funktionen, die integriert werden sollen.

Was bieten Sie großen Flottenbetreibern?

H. Schep: Für diese Klientel bieten wir über unser neu gegründetes Team 'Ford Enterprise Connectivity' maßgeschneiderte Telematik- und Datenlösungen an. Wir setzen auf den bewährten direkten Kundenkontakt, um in Gesprächen individuelle Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktivität und des Komforts zu identifizieren. Ein Angebot ist zum Beispiel Ford Telematics - das ist ein webbasiertes Portal, mit dem der Flottenmanager seine Fahrzeuge vollständig verwalten kann. Die Anwendung liefert Daten, die zur Effizienz-Verbesserung beitragen können. Der Fuhrpark-Manager erhält nach Datenschutzfreigaben auch Informationen zum Fahrstil des Mitarbeiters: Fährt er sicher und effizient, ist er angeschnallt? Die Ford Telematics-Webseite bietet den Nutzern somit ein zentrales Online-Portal, auf dem die Fahrzeuge nahezu in Echtzeit angezeigt und relevante Daten abgerufen werden können.

Außerdem haben der Fuhrparkspezialist ALD Automotive und Ford im vergangenen Jahr ein gemeinsames Unternehmen für integrierte Flottenmanagement-Angebote gegründet. Das neue Unternehmen heißt Ford Fleet Management. Das Portfolio reicht von Full-Service-Leasing bis hin zu digitalem Flottenmanagement und modernen Mobilitätslösungen - alles aus einer Hand. Bisher in UK eingeführt, sollen bald weitere Märkte folgen, auch Deutschland.

Herzlichen Dank, Herr Schep.

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