Echoes: "Unser OEM-Ökosystem wächst"

29.07.2026 10:31 Uhr | Lesezeit: 5 min
Porträtfoto von Sascha Hribar, Sales Direktor DACH Echoes
Datenverfügbarkeit hilft Fuhrparkverantwortlichen, den Überblick zu behalten.
© Foto: Echoes

Kilometerstände, Wartungsdaten oder Ladezustände: Moderne Fahrzeuge liefern viel Informationen. Echoes will OEM-Daten herstellerübergreifend nutzbar zu machen und verzichtet auf Telematik-Hardware.

Der französische Flottendatenspezialist Echoes verstärkt seine Aktivitäten in Deutschland. Das Unternehmen bündelt Fahrzeugdaten unterschiedlicher Hersteller auf einer zentralen Plattform und stellt diese für Fuhrparkmanagement sowie die Anbindung an Unternehmenssysteme bereit. Echoes wurde 2017 gegründet, gehört seit 2024 zur Moving Intelligence Group und arbeitet nach eigenen Angaben unter anderem mit Mietwagenanbietern, Leasinggesellschaften sowie Unternehmensflotten zusammen.

OEM-Daten, das Gold der Hersteller

Im Mittelpunkt des Angebots steht die Nutzung von OEM-Daten. Gemeint sind Informationen, die moderne Fahrzeuge bereits über die Konnektivitätsdienste der Autohersteller bereitstellen. Dazu zählen je nach Marke und Modell unter anderem Kilometerstände, Wartungsinformationen, technische Warnmeldungen, Fahrzeugzustand oder Kraftstoff- und Ladedaten. Ziel ist es, diese Daten markenübergreifend für das Flottenmanagement nutzbar zu machen.

Anders als klassische Telematikanbieter setzt Echoes dabei zunächst auf die im Fahrzeug vorhandene Konnektivität. Wo entsprechende Herstellerschnittstellen verfügbar sind, können Fahrzeuge ohne zusätzliche Hardware angebunden werden. Das soll insbesondere bei gemischten Fuhrparks oder häufig wechselnden Fahrzeugbeständen den Flottenprozess vereinfachen. Für spezielle Anwendungen wie erweiterte Sicherheitsfunktionen oder den Diebstahlschutz können zusätzliche Geräte weiterhin erforderlich sein.

Nach Angaben des Unternehmens liegt der Schwerpunkt nicht allein auf dem Zugriff auf Fahrzeugdaten, sondern auf deren Vereinheitlichung. Daten unterschiedlicher Hersteller werden in ein gemeinsames Datenmodell überführt, damit Fuhrparkverantwortliche markenübergreifend mit einheitlichen Informationen arbeiten können. Echoes verweist dabei auf mehr als 30 OEM-Integrationen in Europa und eine nach eigenen Angaben hohe Abdeckung jüngerer Fahrzeugbestände. Die Zahl der angebundenen Hersteller soll weiter wachsen. Zur Einordnung: Aktuell gibt es in Deutschland mehr als 70 Automarken.

Gemeinsame Auswertung, unabhängig vom Antrieb

Mit zunehmender Elektrifizierung von Unternehmensflotten gewinnt eine einheitliche Datengrundlage an Bedeutung. Verfügbare Daten von Verbrennern, Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen können gemeinsam ausgewertet werden. Das soll unter anderem die Wartungsplanung erleichtern, die Fahrzeugverfügbarkeit transparenter machen und die Kostenkontrolle unterstützen.

Neben der Flottenmanagementlösung Car Fleet bietet Echoes mit Car Collect eine Programmierschnittstelle (API) an, über die Fahrzeugdaten verschiedener Hersteller in bestehende ERP- (Ressourchenplanung), IoT- oder Flottenmanagementsysteme integriert werden können. Die Fahrzeugdaten sollen dadurch nicht nur in einer separaten Telematikanwendung verfügbar sein, sondern in bestehende Unternehmensprozesse einfließen.

Für Fuhrparkleiter dürfte dabei vor allem die Frage interessant sein, wie weit sich klassische Telematik-Hardware künftig tatsächlich ersetzen lässt und welche Daten die einzelnen Hersteller überhaupt freigeben. Die Antworten darauf hängen maßgeblich von den jeweiligen OEMs, deren Schnittstellen und dem Ausbaustand ihrer Connected-Vehicle-Dienste ab. Genau darüber spricht Sascha Hribar, Sales Director DACH bei Echoes, im folgenden Interview.


Sechs Fragen an Sascha Hribar, Echoes Sales Director DACH

Was unterscheidet Echoes von anderen Telematikanbietern?

Echoes verfolgt bei der Flottenvernetzung einen konsequenten OEM-First-Ansatz. Anstatt sich in erster Linie auf nachgerüstete Telematik-Hardware zu stützen, nutzen wir – überall dort, wo Connected-Vehicle-Dienste verfügbar sind – Fahrzeugdaten direkt von den Herstellern.

Dadurch können Fahrzeuge aus der Ferne angebunden werden, ohne zusätzliche Hardware installieren zu müssen. Das reduziert Installations- und Wartungsaufwand und hilft zudem, mögliche Garantiebedenken im Zusammenhang mit nachgerüsteten Geräten am OBD-Anschluss zu vermeiden – sofern dies relevant ist.

Darüber hinaus ermöglicht dieser Remote-Aktivierungsansatz vielen Flottenbetreibern erstmals überhaupt den Einsatz von Telematik. Gerade bei Fuhrparks, für die der Einbau von Hardware bislang mit zu hohem logistischem Aufwand verbunden war, entfällt diese Hürde. So können auch diese Flotten unmittelbar von digitalem Flottenmanagement profitieren.

Unser Alleinstellungsmerkmal ist jedoch nicht allein der Zugriff auf OEM-Daten, sondern deren Harmonisierung. Wir bündeln Daten aus mehr als 30 OEM-Integrationen – weitere kommen kontinuierlich hinzu – in einem einheitlichen Datenmodell. So können Flottenbetreiber markenübergreifende Fuhrparks über eine einzige Plattform verwalten und Fahrzeugdaten nahtlos in bestehende Anwendungen und Prozesse integrieren.

Für Anwendungsfälle, bei denen zusätzliche Hardware einen Mehrwert bietet – etwa für erweiterte Sicherheitsfunktionen oder die Wiederbeschaffung gestohlener Fahrzeuge – ergänzt die Moving Intelligence Group ihr OEM-basiertes Angebot um spezialisierte Hardwarelösungen.

Was macht die Echoes-Plattform besser?

Echoes vereint drei zentrale Kompetenzen:

1.      Harmonisierung von OEM-Fahrzeugdaten verschiedener Hersteller

2.      Integration dieser Daten über eine einzige API in Flottenmanagement- und Unternehmenssysteme

3.      Bereitstellung operativer Anwendungen wie CarFleet und CarLocate.

Im Gegensatz zu klassischen Telematiklösungen können Fahrzeuge häufig ohne zusätzliche Hardware aus der Ferne angebunden werden – vorausgesetzt, die erforderlichen OEM-Daten stehen zur Verfügung. Das reduziert den Implementierungsaufwand, vereinfacht den Roll-out und ermöglicht die skalierbare Verwaltung gemischter Fahrzeugflotten.

Wir beschränken uns nicht auf das Sammeln von Daten, sondern wandeln OEM-Fahrzeugdaten in praxisrelevante Erkenntnisse um, die die Flotteneffizienz steigern, die Wartungsplanung verbessern und Geschäftsprozesse optimieren.

Heute unterstützt Echoes innerhalb der Moving Intelligence Group mehr als 30 OEM-Integrationen. Über 850.000 Fahrzeuge sind angebunden, und die Gruppe betreut mehr als 6.000 Kunden in Europa.

Flottenmanager benötigen keine Daten um ihrer selbst willen, sondern verlässliche Informationen für bessere operative Entscheidungen. Deshalb konzentriert sich Echoes darauf, harmonisierte OEM-Daten in konkrete Handlungsempfehlungen zu übersetzen, die Komplexität reduzieren und das Management gemischter Flotten vereinfachen.

Unterstützt Echoes mehr Fahrzeughersteller als der Wettbewerb?

Echoes verfügt derzeit über mehr als 30 OEM-Integrationen in Europa und deckt – abhängig von Hersteller, Fahrzeugmodell und aktivierten Connected Services – rund 90 Prozent aller seit 2019 zugelassenen Fahrzeuge ab.

Damit gehört Echoes zu den Vorreitern im Bereich OEM-basierter Flottenkonnektivität. Wir treiben diese Entwicklung aktiv voran und decken bereits heute die meisten relevanten Fahrzeugmarken in Europa ab.

Statt ausschließlich auf die Anzahl der Integrationen zu schauen, liegt unser Fokus darauf, zuverlässige und harmonisierte Fahrzeugdaten über eine einzige Schnittstelle bereitzustellen. Dadurch können Flottenbetreiber unabhängig von der Fahrzeugmarke mit konsistenten Daten arbeiten.

Unser OEM-Ökosystem wächst kontinuierlich, da immer mehr Hersteller ihre Connected-Vehicle-Daten über sichere APIs verfügbar machen.

Warum können nicht alle Hersteller angebunden werden?

Die OEM-Anbindung hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem davon, ob Hersteller sichere APIs bereitstellen, welche Fahrzeugdaten verfügbar sind und wie weit ihre Connected-Vehicle-Infrastruktur entwickelt ist.

Jeder Hersteller verfolgt eine eigene technische Architektur, Datenstrategie und ein individuelles Berechtigungsmodell. Zudem unterscheiden sich Umfang, Qualität und Aktualität der verfügbaren Fahrzeugdaten teilweise erheblich.

Wie schnell neue Hersteller hinzukommen, hängt von deren jeweiliger Produkt-Roadmap und Priorisierung ihrer Connected-Vehicle-Dienste ab.

Gibt es Unterschiede zwischen etablierten und neuen Fahrzeugherstellern hinsichtlich der Datenverfügbarkeit?

Grundsätzlich unterscheidet sich der Reifegrad der Konnektivität von Hersteller zu Hersteller. Einige etablierte OEMs bieten bereits seit vielen Jahren Connected-Vehicle-Plattformen an, während neuere Hersteller teilweise über sehr moderne Cloud-Architekturen verfügen oder ihre Connected-Vehicle-Angebote noch weiter ausbauen.

In der Praxis ist weniger entscheidend, ob ein Hersteller etabliert oder neu ist. Maßgeblich sind die jeweilige Digitalstrategie, der Reifegrad der APIs und die Datenservices, die ein OEM zur Verfügung stellt.

Welche OEMs sind besonders offen bei der Bereitstellung von Fahrzeugdaten?

Eine einfache Unterscheidung in „offene“ und „geschlossene“ Hersteller gibt es nicht. Jeder OEM definiert seine eigene Connected-Vehicle-Strategie, seine verfügbaren APIs und die Prozesse zur Kundeneinwilligung.

Echoes integriert bereits zahlreiche führende Automobilgruppen in Europa, darunter die Volkswagen Group, Stellantis, die Renault Group, die BMW Group, Mercedes-Benz, Ford und Toyota.

Dabei arbeiten wir eng mit den Herstellern zusammen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Zusammenarbeit ist es, Erfahrungen und Anforderungen aus dem Markt direkt an die OEMs zurückzuspiegeln und so die Entwicklung neuer Datenservices und Schnittstellen aktiv zu unterstützen.

Branchenweit beobachten wir einen klaren Trend hin zu mehr Offenheit und besserer Konnektivität. Getrieben wird diese Entwicklung durch die steigende Nachfrage nach nahtlosem digitalem Flottenmanagement und der Integration in Unternehmenssysteme.

 



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