100 Datenpunkte pro Auto: So wird die Flotte digital

09.09.2026 08:30 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lasse Schmidt van Hülst, Volkswagen Group Info Services AG
Lasse Schmidt van Hülst, Head of Sales & Product Marketing, Volkswagen Group Info Services AG.
© Foto: Volkswagen Group Info Services AG

Von Kilometerstand und Wartungsbedarf bis zu Batterie- und Ladedaten: Volkswagen Group Info Services stellt mehr als 100 Fahrzeugdatenpunkte bereit. Wie Flotten davon profitieren können, erklärt Head of Sales Lasse Schmidt van Hülst im Interview.

Für welche Ebenen des Fahrzeugzyklus erheben Sie Daten?

Lasse Schmidt van Hülst: Wir begleiten den gesamten Fahrzeuglebenszyklus – von der Inbetriebnahme und Auslieferung über Betrieb und Monitoring und die Wartung und Reparatur bis zu Austausch und Stilllegung. Für jede dieser vier Phasen stellen wir passende Fahrzeugdaten bereit. Insgesamt greifen wir auf über 100 Datenpunkte je Fahrzeug zu, über sechs Konzernmarken hinweg. Dabei unterscheiden wir zwei Arten: Daten über das Fahrzeug – etwa Modell und Ausstattung – und Daten aus dem Fahrzeug, also Echtzeitwerte wie Kilometerstand oder Wartungsbedarf.

Welche Produkte kann ich als Kunde wählen? Funktioniert das nach dem Baukastenprinzip oder erhalte ich immer alle Datenpakete?

Lasse Schmidt van Hülst: Unsere Fahrzeugdatenprodukte funktionieren nach dem Baukastenprinzip. Ein Partner wählt genau die Produkte, die zu seinem Anwendungsfall passen. Für das Flottengeschäft stehen unter anderem zur Verfügung: Fleet Interface Data als Kernprodukt, VIN Specification, Vehicle Images, Functions on Demand Data, VIN Recall, Charging Data sowie State of Health. Die Grundlage bleibt dabei immer gleich: ein Vertrag, ein System, ein Ansprechpartner. So kombiniert jeder Partner genau die Datenpakete, die er wirklich braucht.

Auch dynamische Fahrzeugdaten, die dem Fahrer zugeordnet werden, werden erhoben. Wie werden die Vorgaben des Datenschutzes beachtet?

Lasse Schmidt van Hülst: Datenschutz ist bei uns selbstverständlich und Teil des Designs. Für dynamische Daten aus dem Fahrzeug ist in der Regel die ausdrückliche Zustimmung des Fahrzeugnutzers erforderlich, etwa über eine Dienstwagennutzungsvereinbarung. Für Wartungs- und Reparaturdaten schafft die Gruppenfreistellungsverordnung eine gesetzliche Grundlage, sie sichert Wettbewerb und freie Werkstattwahl. Alle Daten unterliegen einer klaren Zweckbindung. Unsere Lösungen sind betriebsratskompatibel, und die Einhaltung dieser Vorgaben lässt sich auditieren.

Wie unterscheiden sich die erhobenen Daten bei Stromern im Vergleich zu Verbrennern?

Lasse Schmidt van Hülst: Die statischen Fahrzeugdaten sind bei beiden Antriebsarten vergleichbar – etwa Modell, Ausstattung und technische Spezifikationen über die VIN. Auch klassische Betriebsdaten wie Kilometerstand, Warnleuchten und Servicebedarf erheben wir bei Verbrennern und Elektrofahrzeugen gleichermaßen. Der Unterschied liegt bei den energiespezifischen Daten: Für Elektrofahrzeuge kommen zusätzliche lade- und batteriebezogene Informationen hinzu, etwa zum Batteriezustand. Gerade für gemischte Flotten ist das ein Vorteil – über eine einzige Schnittstelle entsteht ein einheitlicher Blick auf beide Antriebswelten.

Welche Vorgaben (Softwarestand etc.) müssen die Fahrzeuge erfüllen, damit die Daten erhoben werden können?

Lasse Schmidt van Hülst: Statische Fahrzeugdaten sind über die VIN grundsätzlich für das gesamte Fahrzeugportfolio verfügbar. Dynamische Daten setzen ein vernetztes, online-fähiges Fahrzeug voraus, das seine Werte über eine gesicherte Remote-Schnittstelle bereitstellt – vergleichbar mit der Datenübertragung eines Smartphones. Da immer mehr Fahrzeuge vernetzt sind, wächst der verfügbare Datenumfang kontinuierlich. Welche Daten für eine konkrete Flotte verfügbar sind, stimmen wir im Projekt individuell ab.

Welche Daten sehe ich beim Fleet Interface Data auf dem Dashboard?

Lasse Schmidt van Hülst: Ein wichtiger Hinweis vorab: Die Volkswagen Group Info Services AG betreibt selbst kein Dashboard. Wir liefern die Fahrzeugdaten über eine API direkt in das Flottenmanagement-System des Partners. Dort – im System des Partners – entsteht das Dashboard, das der Flottenmanager sieht. Fleet Interface Data umfasst dabei Reparatur-, Wartungs- und Betriebsdaten in sechs Kategorien: darunter Wartungs- und Reparaturinformationen, die Analyse von Warnleuchten, anstehende Services und Kilometerstände. In Verbindung mit VIN Recall lassen sich zusätzlich Rückruf- und Serviceaktionen einbinden. Wie diese Daten am Ende dargestellt werden, gestaltet der jeweilige Software-Partner.

Sind es nur Rohdaten für Flottensoftware oder werden die Daten von Ihnen aufbereitet, um etwa Predictive Maintenance zu ermöglichen?

Lasse Schmidt van Hülst: Wir liefern strukturierte, validierte Fahrzeugdaten direkt aus dem Fahrzeug-Backend, keine losen Rohwerte, aber auch keine fertige Auswertung. Die Aufbereitung zu Dashboards und Analysen übernimmt der Partner in seinem eigenen System. Genau dort entsteht der konkrete Mehrwert, etwa für die vorausschauende Wartung. Predictive Maintenance sehen wir als großen Hebel: Studien beziffern das Einsparpotenzial bei den Wartungskosten auf 10 bis 40 Prozent. Wir entwickeln unsere Datenprodukte gezielt weiter, um genau solche Anwendungsfälle bei unseren Partnern zu ermöglichen.

Gibt es neben den Flottendienstleistern auch direkt Fuhrparks als Kunden?

Lasse Schmidt van Hülst: Ja. Neben den Flottendienstleistern arbeiten wir auch direkt mit Flottenbetreibern zusammen. Welche Anlaufstelle die richtige ist, hängt vom Setup ab. Grundsätzlich sind unsere APIs ein Data-as-a-Service-Angebot: Es braucht immer eine Software, die die Daten verarbeitet und in operative Prozesse überführt. Deshalb arbeiten wir eng mit einer Vielzahl europäischer Fleet Data Provider zusammen. Sie integrieren unsere Schnittstellen in ihre Lösungen und machen die OEM-Daten für Flottenbetreiber direkt nutzbar.

Direkt an unser Key Account Management wenden sich Flottenbetreiber, die eine eigene Softwarelösung für ihr Flottenmanagement betreiben oder die eine Flotte ab rund 100 Fahrzeugen mit höherem Automatisierungs- und Integrationsbedarf steuern. Wer bereits mit einem Fleet Data Provider zusammenarbeitet oder seine Flotte noch weitgehend manuell steuert, startet am besten über den jeweiligen Provider. Unser Key-Account-Team unterstützt dann bei der Auswahl der Datenpakete, der Integration in bestehende Systeme, der Skalierung auf weitere Märkte und der Entwicklung neuer Use Cases.

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