Bereits vor der ersten Testrunde mit dem 4,87-Meter-Stromer fällt auf, dass die Kennwerte des XXL-E-Autos – ganz dem Markenduktus folgend – pure Vernunft atmen. Der eigene Hinweis aufs „größte Panoramadach, das es in einem Skoda gab“, ist berechtigt, wirkt aber fast etwas marktschreierisch charmant. Denn ist das entscheidend? Für E-Erfahrene vielleicht schon, denn jeder, der mehr als eine Proberunde in einem Kabelfahrzeug zurücklegt hat, lernt Licht im Auto schätzen. Alle Neulinge schauen vermutlich erstmal auf die Preisliste, bevor sie hier einen Haken machen. Denn kaputtgehen sollte das 2,12 m2 XXL-Fenster besser nicht. Dennoch zählt es zu den Highlights, das zeitgemäß (elektrochrom) segmentweise abdunkelt.
Auf Höhe der Zeit ist man mittlerweile auch bei Vmax 180. Wie milde wurde vor Jahren vielerorts auf Volvo herabgeschmunzelt, als die Skandinavier den Top-Speed ihrer PS-starken Modelle bei 180 km/h einloggten. Was offiziell – und auch real – der Verkehrssicherheit half, dient heute den Stromern beim Haushalten der wertvollen Kilowattstunden. So gilt im E-Zeitalter vielerorts das Paradox, dass enorm viel Kraft (PS) auf relativ wenig Auslauf (Höchstgechwindigkeit) trifft. Beim Epiq wird bei 160 respektive bei 180 Stundenkilometern der Anker gesetzt. Selbstredend referiert das auf die gewählte Kombination aus kW- und kWh-Werten.
Skoda Peaq Test (2027)
Skoda Peaq ist stark genug, auch mit Anhänger
Das Motorangebot mit 204 bis 286 PS (Solo) und 299 PS (Allrad) liest sich absolut vernünftig. Die maximale Anhängelast hängt ebenso vom gewählten Kraft-Akku-Paket ab. Von 1,8 bis 2,0 Tonnen reicht die Mitnahmekraft, was für viele ein guter Kompromiss sein wird. Und: Diese Spanne wird sich sicher angleichen, denn wie vieles beim E-Auto ist auch dieses Detail „im Fluss“. Eine Lücke zum Verbrenner bleibt aber. Der Kodiaq-Allradler zieht (mit weniger als 200 PS) deutlich mehr (bis 2,5 t), aber das ist eben die Verbrenner-Welt.
Soweit die technische Bestandsaufnahme des Peaq. Kommen wir zum Wesentlichen, dem Inneren. Eine markante Neuheit ist die vertikale Ausrichtung des Hauptbildschirms. Während in Asien dieser Screen einer Leinwand gleicht und zumindest horizontal drehbar ist, nutzt ihn der Europäer in erste Linie als Navi, erklärt Skoda. In Hochkant ist damit die digitale Karte immer auf Augenhöhe des Fahrers, so die Überlegung.
Das zeigt sich auch beim Fahren. Einen guten Job verrichtet das ebenfalls gut lesbare Head-up-Display. Apropos Navigation. Die Infotainment-Elemente stammen aus dem Instrumentenkoffer von Android Auto, wobei man hier nicht wie andere Hersteller komplett zum rollenden Google-Gerät wird. Eben das Navi läuft über den Marktführer, dazu einige App-Funktionen. Android light also.
Sonos und viele Details
Die Übersicht im Peaq ist gut und in Engstellen helfen die Blickwinkel der 360-Grad-Kameras das Material und die Nerven zu schonen. Für Entspannung sorgen die Ambientebeleuchtung und der glasklare Sound aus 14-Sonos-Lautsprechern. Canton bleibt der Audio-Partner für die Tschechien und ist zum Beispiel im Epiq hörbar. Die Sitze sind Skoda-like langstreckentauglich. Details wie der Überholassistent (ab 90 km/h) oder der digitale Fahrzeugschlüssel (für Poolwagennutzung etwa) liegen im Gusto des Fahrers oder des Fuhrparkbetreibers.
Clevere Details, die stilprägend für Skoda sind, sind etwa die Haken im Kofferabteil und an den Vordersitzen sowie die magnetische Halterung für die beiden Smartphones in der Mittelkonsole, die induktiv geladen werden können. Für manche (Android)-Modelle empfiehlt es sich, einen solchen magnetischen Ring fürs eigene Handy nachzurüsten, um rutschfrei den Akku vollzubekommen.
Für langanhaltende Fahrzeug-Akkus sorgt etwa die überarbeitete Wärmepumpe. Dass Entwicklungszyklen manchmal Trends überdauern, zeigt sich etwa beim Öffnen der Türen mit den sich versenkenden Griffen. In Notsituation fahren diese zwar wieder aus, aber in China etwa geht man hier zurück zum Türgriff. Die Mode ist eben ein scheues Wesen.
Skoda Peaq: Kleiner Wendekreis
Geben wir mal Gas. Beim Beschleunigen surrt der Peaq stromerlike, die Bremsen sind allerdings wie bei vielen Artgenossen arg unspezifisch in ihrem Ansprechverhalten. Dafür fährt es sich mit dem aktivierten Tachografen sehr entspannt, da etwa auch die Verkehrszeichenerkennung besser klappt als bei vielen anderen. Das erkannte Tempolimit übernimmt man einfach und erhöht es mit zwei, drei Wippbewegungen leicht, schon kann man entspannt und verbrauchsarm mitschwimmen. Geht es dann doch in eine andere Richtung, zeigt sich der Wendekreis als wirklich klein. Beim heckgetriebenen Peaq zum Beispiel sind es knappe zehn Meter (9,9 Meter).
Skoda Peaq (2027)
Apropos klein: Die Verbrauchstreiber sind auch bei Touren mit dem Peaq das Wetter, die Straßenart (Autobahn) und nicht zuletzt der Fahrer selbst. Auf Passagen Überland, besser Über-Dorf, zeigte sich der 2,1 bis 2,5 Tonnen schwere Tscheche als überraschend genügsamer Riese, dem etwa zehn Kilowattstunden reichen können. Als echter One-Pedal-Driver rollt er bis zum Stillstand aus. An den zwei Testtagen kamen bei verschiedenen Runden Verbräuche von 18 kWh (Siebensitzer mit Top Speed 160 bei abfallendem Profil) bis mehr als 24 kWh (Fünfsitzer mit Top Speed 180 bei ansteigendem Profil) heraus. Die WLTP-Range reicht von 14,9 bis 18,5 kWh.
Plug & Charge für den Skoda Peaq
Entsprechend nah rückt der Kontakt zum Ladekabel mit 11 kW im AC-Bereich und 160 bis 199 kW im DC-Bereich. Mit dem Powerpass ausgestattet (was laut Skoda dem Fahrer bis zu 1,2 Millionen Ladepunkte näherbringt) konnte entspannt mit Plug&Charge der Schnelllader loslegen, um den 63- beziehungsweise 91-kWh-Akkus (brutto) vollzuladen. Nach Datenblatt surrt der Peaq dann 450 bis 640 Kilometer.
Das Fassungsvermögen des Fünfsitzers liegt bei 935 Litern sowie einem 37-Liter-Frunk. Solche Platzangebote sind eben der Markenkern. Zudem gehört auch eine Kauf-Offerte, die sich stets als Preis-Leistungssieger anfühlt. Beim Peaq geht die Tür bei 41.933 Euro (mit 63er Akku und 150 kW) auf. Der 90er Peaq mit 210 kW Leistung steht für 48.655 Euro in der Liste, jeweils als Selection. Für sportliche Ambitionen steht die Sportline bereit, womit schon alle wählbaren Niveaus erwähnt wären.