Frei oder nicht frei, das ist hier die Frage

31.01.2014 12:02 Uhr

Frei oder nicht frei, das ist hier die Frage

Branchenstimme | Johannes Unverfehrt, Fuhrparkmanager bei Materna in Dortmund, erklärt, warum der Informations- und Kommunikationsdienstleister nur selten auf freie Werkstätten setzt.

— Als mich die Anfrage der Autoflotte erreichte, einen Gastbeitrag über meine Erfahrungen mit freien Werkstätten zu verfassen, war mein erster Gedanke: Damit ist keine halbe Seite zu füllen. Denn selbstverständlich gab und gibt es Erfahrungen mit „Freien“ aus meiner täglichen Fuhrparkpraxis, doch diese beschränken sich bei Materna weitgehend auf das Reifenmanagement und die Unfallinstandsetzung.

Die „Freien“ mit der Inspektion und Wartung der Fahrzeuge zu betrauen, kam bei uns bisher nur in Ausnahmefällen vor. Aber warum ist das so? Die Antwort darauf erscheint zunächst ziemlich einfach: Der gesamte Materna-Fuhrpark besteht aus Leasingfahrzeugen mit Full-Service-Verträgen. Punkt. Bei näherer Betrachtung kamen jedoch verschiedene Aspekte dieses Themas zum Vorschein, die mich dazu veranlassten, meine erste spontane Reaktion auf ihre Richtigkeit zu überprüfen ...

Eine der wichtigsten Aufgaben des Fuhrparkmanagers ist sicherlich die Kostenkontrolle und das Aufzeigen und Umsetzen von Einsparungspotenzialen. Daneben müssen wir aber auch zum Beispiel die Prozessvereinfachung und Mitarbeitermotivation im Blick behalten. So hängt eine Zusammenarbeit mit freien Werkstätten aus meiner Sicht sehr von der Struktur, Größe und Verteilung des jeweiligen Fuhrparks ab.

Die Fakten sind uns allen bekannt. Die GVO ermöglicht den freien Werkstätten – hierzu zählen natürlich auch Werkstattsysteme- und -ketten – seit 2002 den freien Zugang zu den Reparaturunterlagen der Hersteller. Ebenfalls sind bei entsprechender Zertifizierung und Durchführung nach Herstellervorgaben auch Wartungs- und Inspektionsarbeiten möglich, die weder die Sachmängelhaftung noch die Garantie einschränken. Die Kulanz als freiwillige Leistung bleibt hier unberücksichtigt.

Komplexe Zukunft | Dass es in der Praxis immer wieder Probleme bei der Anerkennung solcher Reparaturen gibt, ist bestimmt richtig, aber wahrscheinlich eher die Ausnahme als die Regel. In Zukunft wird es den „Freien“ meiner Meinung nach allerdings aufgrund des immer weiter fortschreitenden Einsatzes von Elektronik, internetbasierten Anwendungen und der Verwendung von Hightech-Materialien schwerer fallen, in das Reparaturgeschäft einzusteigen.

Besteht der Fuhrpark nicht aus Kauf-, sondern aus Leasingautos, muss man natürlich das Rahmenabkommen mit der Leasinggesellschaft überprüfen. Die Leasingunternehmen sind aber meistens bei entsprechenden Verhandlungen dazu bereit, dem Einsatz von freien Werkstätten stattzugeben. Davon ausgenommen sind Verträge mit Captive-Gesellschaften, die einen Full-Service-Baustein enthalten. In diesem Fall dürfen nur Hersteller-Werkstätten angefahren werden.

Komfortables Gesamtpaket | Die Full-Service-Verträge sind ein weiterer Grund für uns, Wartungs- und Inspektionsarbeiten nicht durch unabhängige Werkstätten durchführen zu lassen. Das Gesamtpaket besticht für uns bei Materna durch seine Einfachheit, da die Mitarbeiter jede Herstellerwerkstatt anfahren und ihr Fahrzeug reparieren und warten lassen können. Abgerechnet wird bequem zwischen der Werkstatt und Leasinggesellschaft. Keine Rechnungskontrolle oder Reklamation stört meine tägliche Arbeit als Fuhrparkmanager. Weiterhin bieten die Captive-Gesellschaften aufgrund des immer stärker werdenden Wettbewerbs mitunter auch bemerkenswert günstige Serviceraten an.

Das alles soll aber nicht bedeuten, eine Prüfung der richtigen Strategie im Servicemanagement würde sich nicht lohnen. Wie eingangs erwähnt, funktioniert bei Materna die Zusammenarbeit im Reifenmanagement und der Unfallinstandsetzung ausgezeichnet mit den Vertretern der „Freien“. Bei entsprechender Anpassung der Prozesse oder Struktur ist eine Zusammenarbeit auch im Wartungs- und Instandhaltungsbereich mehr als denkbar. | Johannes Unverfehrt

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