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Für die ganz Harten

Dreiräder sind für Kleinkinder. Damit fallen sie nicht um, verletzen sich nicht und bekommen ein Gefühl fürs Tempo. Die Großen haben mit drei Rädern noch einen Vorteil: Autoführerschein reicht für Ganzjahresspaß.


Datum:
01.03.2021
Autor:
mb
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Metropolis kennen Leseratten als Roman von Thea von Harbou und Cineasten als Stummfilm. Beides aus den 1920er-Jahren. Es geht um die Stadt der Zukunft. Science-Fiction also. Dystopisch, na klar. Es passt ein bisschen in die aktuelle Zeit. So wie das gleichnamige Fahrzeug von Peugeot. Wohingegen die Franzosen mit ihrem Neige-Dreirad Gutes tun wollen. Zum Beispiel den Verkehrsinfarkt reduzieren, Platz freigeben und Abgase minimieren.

Mit dem Autoführerschein

Piaggio, die mit der Vespa im Programm, sind auch Erfinder der Dreiräder. Mit dem MP3 betraten sie 2006 ein ziemlich neues Feld. Peugeot und Yamaha (mit dem Tricity) taten es Jahre danach ebenfalls. So richtig im Alltag zu sehen sind hingegen all diese Dreiräder noch immer nicht - bei uns. Dabei bieten sie etliche Vorteile. Der größte ist wohl, dass sie mit dem Autoführerschein (Klasse B) bewegt werden dürfen. Die genannten Dreiräder fungieren nicht als Kraftrad, sondern als dreirädrige Pkw (Fahrzeugklasse L5e-A). Motorrad-Fahrverbote gelten somit nicht. Einfach mal so auf dem Bürgersteig abstellen gilt ebenfalls nicht. Die Zwitter bewegen sich irgendwo zwischen den Welten - ganz Science-Fiction-like.

Die Dreiräder versprühen Charme. Man spürt den Wind um die Nase (je nach Einstellung des Windschildes), erlebt Seitenneigung und auch die Beschleunigung ist motorradmäßig - all das steigert den Spaßfaktor und lässt das Pendeln oder den Geschäftstermin als kleine Auszeit verbuchen. Zudem gelingt das Parken (legal) mit weniger Suche. Mit 2,15 Metern Länge und rund 90 Zentimetern Breite (mit Spiegel) passt er zwar hervorragend quer in Parklücken. Doch ein Leichtgewicht ist der Peugeot Metropolis beim Rangieren gewiss nicht. Mit 280 Kilogramm bewegt sich das Dreirad in Harley-Davidson-Regionen. Und das bedeutet: Ein Rückwärtsgang wäre manchmal willkommen.

Schmuddelwetterbereit

Klar, dass das Gewicht hoch ist, denn das Vorderrad samt Anbindung existiert gleich zwei Mal, dazwischen klafft eine zirka 40 Zentimeter breite Kluft. Und genau dieses Detail macht den Metropolis und seine Brüder zum Kfz.

Ein weiterer Vorteil der Dreirädigkeit: Das eingangs erwähnte Hinfallen ist fast unmöglich (aber nicht gänzlich). Vor allem bei Nässe und Kälte, die wir während des Tests zuhauf hatten, zeigen sich die Pluspunkte dieses Systems. Selbst wenn eine Kurve zu forsch angegangen wurde, schiebt der Metropolis schlimmstenfalls über die Vorderachse und der Schreck spiegelt sich im Gesichtsausdruck wider. Gas wegnehmen und die Reise geht weiter. Beim Zweirad würde sie an dieser Stelle enden. Der Metropolis ist also (auch) als Schlechtwetterfahrzeug zu gebrauchen. Denn die Scheibe lässt sich mächtig verstellen und im Zubehör gibt es sämtliche Details, die Schmuddelwetter lange fernhalten. Paris-Besucher werden sich vielleicht daran erinnern, wie häufig dort die Dreiräder unterwegs sind - oft im Taxieinsatz vom Flughafen in die City, um den Stau zu durchpflügen. In Frankreich tolerierte Praxis, ist dieser Fahrstil in Deutschland nicht nur verboten, es gibt auch genügend Verkehrsbegleiter, die "Zweiradfahrern" den Vorteil des Durchkommens nicht gönnen.

Flott

Auf freier Strecke knackt der Metropolis mit einer (geduckten oder kleinen) Person an Bord und reichlich Anlauf die 150er-Marke auf dem Tacho. 135 "Echte" sollten das dann sein. Beim Beschleunigen bollert der Einzylinder satt und angenehm, ohne andere zu nerven. 400 Kubikzentimeter besitzt der Topf und stellt 38 Newtonmeter Drehmoment sowie 35,6 PS Leistung bereit. Ausreichend, um auch zu zweit flott voranzukommen. Eine Rakete ist der Metropolis freilich nicht - das Gewicht ... Dafür aber ein sicherer Begleiter, der auch flott angefahrene Kurven beherrscht, wenngleich Motoradfahrer sich mehr eingewöhnen müssen als "Nur-Autofahrer". Das (recht straffe) Dreiradsystem bietet die Möglichkeit, die Füße beim Stopp auf dem Trittbrett zu belassen. Rollt der Metropolis aus, kann mittels rechtem Daumen das Neigesystem elektronisch arretiert werden und der Peugeot steht wie eine eins. Das ist auch beim Abstellen sinnvoll, wenngleich der Hauptständer fürs längere Parken genutzt werden sollte. Sobald man anfährt, löst sich die Arretierung und das Schwingen ist sofort wieder möglich.

Eine heizbare Sitzbank oder heizbare Handgriffe gibt es nicht ab Werk, würden dem Ganzjahresgedanken aber Rechnung tragen. Dafür strahlen serienmäßig helle LED-Scheinwerfer in die dunkle Jahreszeit. Und bei Vollbremsungen werden Hinterherfahrende vom automatisch aktivierten Warnblinklicht informiert und das ABS-System hilft, dass die Räder nicht blockieren und es dennoch schnell zum Stillstand kommt. Gebremst wird mit den Händen. Oder besser: mittels zweier Handbremshebel. Aufgrund der Fahrzeuggattung muss jedoch auch eine Fußbremse vorhanden sein. Diese nervt die linke Ferse - benötigt wird sie nie. Antriebsschlupfregelung ist auch stets an Bord - gar nicht so verkehrt.

App-Anbindung unnötig

Das Cockpit der höherwertigeren Allure-Ausstattung bietet in der Mitte ein Digitaldisplay und wird mit einer App ergänzt, die via Bluetooth, unter anderem Navigationspfeile vom Handy aufs Metropolis-Display werfen soll und Fahrdaten in die andere Richtung. Beim Soll ist es bei uns geblieben. Unsere iPhones ließen sich während der dreiwöchigen Testphase nicht koppeln. Generell ist die Menüführung und -bedienung (auch des Bordcomputers) wirr, weshalb wir zur rund 750 Euro günstigeren Basisversion tendieren - ohne den App- Schnickschnack und lieber eine Handyhalterung empfehlen, um mittels stets vorhandenem Smartphone zu navigieren. Geladen wird mittels USB im Ablagefach links.

Nicht ganz ideal sind die Spiegel angebracht: Wer die Scheibe in oberster Position arretiert, kollidiert beim Volleinschlag. Gut gelöst ist hingegen die Stauraumfrage. Es gibt zwei Fächer, eins unter der Sitzbank (30 Liter) und eins im Heck (17 Liter). Geöffnet werden sie elektronisch per Knopfdruck. Die Sitzbank ist komfortabel, alleine (Sitzhöhe vorne 78 Zentimeter) und zu zweit. Und so sind auch längere Strecken gut zu bewältigen.

13 Liter passen in den Benzintank, der sich nach dem Hochklappen der Sitzbank entblößt. Mit 4,5 Litern sind 100 flotte Kilometer möglich, womit nach rund 250 Kilometern die nächste Tankstelle in Sichtweite kommen sollte.

Ach ja, fast vergessen: rollertypisch gibt es ein stufenloses Getriebe (CVT = Continuously Variable Transmission). Etwas zäh beim Ampelstart agiert es sonst sorgfältig, kraftschließend und idiotensicher.

7.900 Euro werden für das Dreirad fällig. Nicht wenig, so gibt es dafür auch Kleinstwagen wie den Mitsubishi Space Star. Für Pendler ist der Metropolis dennoch eine Ganzjahres-Alternative, die nach der Arbeit auch noch mal eine Extrarunde Spaß bereiten kann. Im Firmenpool könnte er eine Auffrischung dessen sein und Parkplatzprobleme in Stadtgebieten reduzieren und bei den besuchten Geschäftspartnern einen progressiven Eindruck hinterlassen und helfen, die CO2-Thematik im Unternehmen zu entspannen.

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