Jobrad: Die Bewegung kommt in Fahrt

14.12.2018 06:00 Uhr

Jobrad hat anlässlich des zehnjährigen Bestehens zur Konferenz "Mobilität Zukunft" nach Freiburg geladen und die Evolution der Fortbewegung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit mit den Teilnehmern diskutiert.

Das Team von Jobrad hat im Oktober mit rund 120 Gästen in der Lokhalle im Freiburger Kreativpark nicht nur die Gründung des Unternehmens in 2008 gefeiert, sondern dies auch mit einer Konferenz unter dem Titel "Zukunft Mobilität" verbunden. Die Veranstaltung hat Moderatorin und Bloggerin Andrea Reidl mit den beiden Jobrad-Geschäftsführern Ulrich Prediger und Holger Tumat eröffnet und zu Beginn die Entwicklung des Dienstleisters mit ihren Höhen und Tiefen bis heute skizziert (siehe "Jobrad in Zahlen", Seite 62).

Erster offizieller Gratulant an diesem Tag: Martin Horn, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg. Er hat Jobrad in seinem Grußwort unter anderem als Musterbeispiel dafür hervorgehoben, wie ein Unternehmen für Nachhaltigkeit stehe und das Kreativpotenzial der jungen, weltoffenen Stadt erfolgreich nutze.

Anschließend hat Prof. Dr. Stefan Gössling von der Universität Lund kurz die zehn wichtigsten Gründe fürs Fahrradfahren wie "Du verbrennst Fett, kein Benzin" auf humorige Art und Weise den Teilnehmern aufgelistet.

Vaude setzt auf Diensträder

Wie Dienstrad-Leasing in der Praxis eingesetzt werden kann, hat Lisa Fiedler erläutert. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Vaude hat in ihrem Vortrag "Radfahren und Unternehmensstrategie - Wie gehört das zusammen?" das Konzept des Herstellers von Sport- und Outdoor-Bekleidung in Tettnang vorgestellt.

Grundlage ist laut Fiedler das Ziel, ganzheitlich und verantwortungsvoll zu wirtschaften. Dazu gehöre umweltfreundliche Mobilität. Den Stellenwert zeige etwa die Klimabilanz des Unternehmens, in der das Pendeln zur Arbeit etwa ein Drittel der Emissionen ausmacht.

Deshalb hat Vaude ein Mobilitätskonzept entwickelt, das die Nutzung von Diensträdern forciert. Es umfasst eine E-Bike-Flotte zum Ausleihen für die Mitarbeiter inklusive eines überdachten Fahrradparkplatzes auf dem Gelände, wo es auch Werkzeug für Reparaturen gibt. Ferner wurden Duschen eingerichtet.

Nach Angaben von Fiedler ist Jobrad nun seit gut einem Jahr aktiv und erst kürzlich habe der Geschäftsführer ein Mittagessen für denjenigen ausgelobt, der das 100. Jobrad beantragt. Generell werde das Modell durch ein Anreizsystem unterstützt, indem jede Woche ein Sachpreis unter den Mitarbeitern verlost wird, die umweltfreundlich zur Arbeit gekommen sind. Radfahren sei damit ein wichtiger Baustein der Unternehmensstrategie geworden.

Was Mitarbeiter aufs Rad bringt

Als Nächstes hat sich Stefan Synek dem Thema "Geld oder Liebe - Was bringt Mitarbeiter aufs Rad?" gewidmet.

Dazu hat der wissenschaftliche Mitarbeiter und Dozent an der Hochschule Fresenius in München und freiberufliche Berater verschiedene Studien erstellt und Jobrad-Unternehmen und -Radler befragt, beispielsweise zu den Determinanten, welche auf die Annahme des Angebots bei Arbeitgeber und -nehmer wirken.

Die Erhebungen haben zutage befördert, dass die Anschaffung eines Dienstrads mit klaren Prämissen einhergeht. Die Top 3 sind: Verbesserung der Gesundheit, positive Wirkungen auf die Umwelt und Affinität zum Fahrradfahren. Des Weiteren haben 73,2 Prozent der befragten Radler angegeben, etwas häufiger bis viel häufiger mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren als vor Anschaffung via Jobrad.

Positive Stimmen hat Synek auch von Verantwortlichen aus den Unternehmen erhalten. Eine davon:"Mit dieser Resonanz hätten wir im Leben nicht gerechnet (...). Es waren auch viele dabei, die seit 40 Jahren nicht mehr auf einem Fahrrad gesessen haben."

Und in einem weiteren Fall hieß es:"Bei einigen ist es sogar so, die haben dann ihr zweites Auto verkauft und gesagt, ich pack das mit dem Pedelec gut hierher, wir brauchen keine zwei Autos." Der Referent schließt daraus: "Geld und Liebe bringt Mitarbeiter aufs Rad!"

Danach hat Prof. Dr. Heiner Monsheim die "Mobilität der Zukunft - Welche Rolle spielt das Fahrrad?" und die "Renaissance des Radverkehrs durch Jobrad" näher beleuchtet.

Mehr Nutzer, günstigere Preise

Nach einem Ritt durch die rund 200-jährige Geschichte des Fahrrads und trotz Einblicke in die gegenwärtigen Herausforderungen wie der Gestaltung von mehr Radschnellwegen im Rahmen eines Gesamtverkehrsplans, gibt sich der Experte optimistisch: "Fahrrad liegt im Trend, ihm gehört die Zukunft."

Das neue Jahrtausend bringe neue Trends etwa durch Pedelecs, Lastfahrräder sowie durch neue Konzepte wie Leihfahrräder und Fahrradleasing, wobei Letzteres die Betriebe für effiziente Mitarbeitermobilität aktiviere. Monheim sieht daher viele Argumente für den Einsatz von Jobrad. So könnte etwa die Entwicklung hin zu steigenden Preisen für Fahrräder durch den günstigeren Einkauf für Leasing-Firmen und die Flatrate über die Vertragslaufzeit abgefangen werden. Zugleich hält er das Potenzial an Firmen noch für riesig.

Dabei denkt er an die Kirchen als größter deutscher Arbeitgeber mit den angegliederten Diensten, die allein in der Caritas und Diakonie über eine Million Mitarbeiter beschäftigen würden und sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Hier würden sich Diensträder für Pfarrer genauso anbieten wie für Kliniken und Sozialeinrichtungen.

Nachhaltigkeit als Ziel

Sowohl auf die regionale als auch auf die übergreifende Klammer bei der Entwicklung von Jobrad hat Volker Finke gesetzt. Der ehemalige Trainer des SC Freiburg stellte deshalb die Frage in den Raum: "So etwas funktioniert nur in Freiburg? Was nachhaltige Unternehmen und Organisationen auszeichnet." Anhand seiner eigenen Erfahrungen im Breisgau als Fußballtrainer stellte er schließlich fest, dass den Erfolg der Mannschaft die unglaubliche Kraft von Personen und Verein ausgemacht haben. Auch wenn man sich gestritten habe, ein Ziel hat stets vereint: Jeder wollte, das es dem Verein gut gehe. Dieser gemeinsame Tenor habe alle angetrieben.

Am Nachmittag waren dann die Gäste gefordert - in Workshops oder bei einer Fahrradtour. Mit einer Modenschau zu Fahrradbekleidung und einem Get-together in der Lounge klang das Firmenjubiläum aus.

Jobrad in Zahlen

Die Marke Jobrad wurde 2008 in Freiburg gegründet und bietet Dienstrad-Leasing für Unternehmen. Die Idee des Gründers Ulrich Prediger als überzeugten Radfahrer und seiner Mitstreiter ist in den ersten Jahren nur zögerlich angelaufen. Mit der steuerlichen Gleichstellung von Dienstfahrrädern mit Dienstwagen ab 2012 hatte das Geschäft Fahrt aufgenommen und große Unternehmen wie IBM haben das Modell für ihre Mitarbeiter eingeführt. Weitere wie die Commerzbank, Deutsche Bahn und seit einigen Monaten auch BMW sind gefolgt. Nach Jobrad-Angaben sind heute mehr als 10.000 Arbeitgeber in Deutschland unter Vertrag, bei denen über 1,5 Millionen Beschäftigte das Angebot nutzen können. Die angeschlossenen Fahrradfachhändler werden mit mehr als 5.000 beziffert. Die Vertragslaufzeit eines geleasten Jobrads beträgt 36 Monate und der durchschnittliche Preis liegt bei mehr als 2.500 Euro. Jedes zweite ist ein E-Bike. Mehr als 80 Prozent der Firmen würden das Dienstrad ferner in Form der Übernahmen von Teilen der Leasingrate, der Versicherungen oder der Inspektion bezuschussen. Jobrad zählt aktuell rund 190 Mitarbeiter. Die Marke wird unter dem Dach der Leaserad GmbH betrieben, einer 100-prozentigen Tochter der Jobrad Holding unter Führung von Ulrich Prediger und Holger Tumat.

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