-- Anzeige --

Mach mal Halt: in Japan

Dass das Stoppschild nicht immer und nicht überall so aussieht, wie wir es kennen, haben wir auf den Seiten zuvor gelesen. Aus Japan haben wir hier einige sympathische Fakten, die zeigen, dass Toleranz gut tut - auch im Straßenverkehr.


Datum:
15.12.2021
Autor:
Manuel Eder
NOCH KEINE Kommentare

-- Anzeige --

Mein Hut, der hat drei Ecken ..." - na, den Kinderreim jetzt im Kopf? "Und hätt' er nicht drei Ecken, so wär' es nicht mein Hut." Mal abgesehen davon, dass dieser Ohrwurm nun vermutlich für ein paar Stunden im Kopf herumturnt: Warum eigentlich drei Ecken? Genau diese philosophische Frage hat sich unser Verlagskollege Manuel Eder gestellt bei einem - scheinbar - ähnlich leichten Fall. Geraten ist er damit aber in den sprichwörtlichen Kaninchenbau, der schon bei "Alice im Wunderland" für jede Menge Überraschungen sorgt. Um das Rätsel zu lösen, worum es überhaupt geht, folgen Sie bitte der Beschilderung in die wunderbare Welt von kuriosen Zeichen, oberfränkischem Fernweh und guter Laune für mehr Völkerverständigung.

Der Anfang von alledem liegt: in Oberfranken

Wo sonst, würden jetzt die selbstbewussten Franken fragen - aber das nur am Rande. Jedenfalls gibt es hier einen Ort, in dem ein rühriger Ex-Banker, Weltenbummler, Filmemacher und Buchautor über 4.000 Orts- und Straßenschilder in allen denkbaren Formen sowie fast 500 Grußbotschaften von Stars zusammengetragen hat, um diese einmalige Sammlung "Fernweh-Park" zu nennen. Wer daher den Markt Oberkotzau nahe Hof besucht, den schickt Initiator Klaus Beer auf eine unterhaltsame Gedankenreise rund um den Globus und durch die Kulturen.

"Linksrum geht's nach Europa und geradeaus führe ich Sie über Australien und Neuseeland nach Asien. Ganz hinten kommt dann noch Afrika", erklärt Beer sein Lebenswerk. Nach Hongkong und Las Vegas geht's rechts, Linksabbieger folgen bitte der Route nach Abu Dhabi und Paris. Von den lustigen gelben Ortsschildern aus Deutschland hat er so viele, dass er daraus drei eigene Themenstraßen machen konnte. Und seine vielen Stars aus Musik, Film, TV und Sport kann er schon nach Kategorien sortieren.

Beer versammelt gute Laune und berühmte Namen für sein großes Ziel: "Der Park ist nicht nur buntes Blech auf Holz, sondern er lebt eine Botschaft", erklärt er uns und führt aus:"Der Fernweh-Park steht - bewusst errichtet am 9.11.1999, zehn Jahre nach dem Fall der Mauer - als Zeichen für grenzenlose Freiheit, für Völkerverständigung und für eine friedvollere Welt: Unter den Schildern aus aller Welt sollen Menschen aus aller Welt ein Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit setzen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder politischer Weltanschauung sie sind."

Eine Seltenheit

Wer nun denkt, es könnte kaum noch kurioser werden, sollte abwarten, bis die drei Ecken ins Spiel kommen. Und das geht so: Jeder ist herzlich eingeladen, aus seinem fernen Heimatland ein exotisches Straßenoder Ortsschild in den Fernweh-Park zu bringen - als Gruß aus der Heimat und Brücke zwischen den Kulturen. Naoya Sahara, zweiter Geschäftsführer von Subaru Deutschland, hat seine Familie in Japan, arbeitet in Deutschland und schlägt dazwischen eine Brücke, Tag für Tag. Das beginnt schon, wenn er sich morgens ans Lenkrad seines Subaru Impreza setzt (links statt rechts wie zu Hause) und wenn er auf der Straße abbiegt (verkehrt herum nämlich, in Japan herrscht Linksverkehr).

Und die Sprachbarriere haben wir noch nicht einmal erwähnt. Japan-Reisende, die sich umgekehrt in seinem Heimatland mutig in den Autoverkehr wagen, können davon ein Lied singen. Wenn man so gut wie keine Schilderbeschriftung entziffern kann, braucht man viel Glück, einen guten Schutzengel oder man nimmt lieber gleich das Taxi. Weil das so ist - und es natürlich gut zu einem Automanager passt -, hat sich Herr Sahara entschieden, ein Verkehrszeichen aus der japanischen Heimat ins bayerische Hinterland zu bringen. Klaus Beer war begeistert von der Idee, denn Wegweiser aus Japan sind sogar für den Herrn der Schilder eine Rarität.

Tomare

Die nächste Frage lag auf der Hand: Was steht denn eigentlich drauf? "Tomare", ruft Naoya Sahara und lacht bei der Übersetzung: Das heißt "Stopp". Kulturelle Unterschiede in Ehren, aber warum sollte auf einem dreieckigen Vorfahrt-achten-Schild "Stopp" stehen? Die Antwort lautet: Kuba! Denn Japan und Kuba (sowie eine Handvoll anderer Staaten wie Bahamas und Andorra) haben nicht, was sonst so gut wie alle anderen Länder der Welt teilen: ein Stoppschild mit acht Ecken. Während in Tonga und Sambia wenigstens noch ein rundes Stoppschild warnt, würde in Japan mancher Autofahrer mit sportlichem Links-Rechts-Blick das vermeintliche Vorfahrtsschild quittieren und dann prompt überfahren. Genau diese Diskussion gab es in Japan auch, als klar wurde, dass dort sozusagen der große Bruder des Fernweh-Parks in puncto Völkerverständigung zu Gast sein würde: die Olympiade 2020/2021. Das vertraute Stoppschild gänzlich zu ändern, ging den Hütern der Verkehrsordnung dann aber doch zu weit. Daher einigte man sich darauf, dem Schild noch die Buchstaben "STOP" zu gönnen. Gesagt, getan: So wurden seit 2017 alle 1,7 Millionen Stoppschilder - plus/minus ein paar Zehntausend, so genau weiß das niemand - gegen die völkerverbindende Version getauscht. Wer jetzt meint, man hätte dem japanischen Stoppschild - wie sich das gehört - bei dieser Gelegenheit ruhig noch weitere fünf Ecken spendieren können, dem sei als Pointe noch eine kleine Zeitreise empfohlen.

Denn raten Sie mal, wie viele Ecken unser Stoppschild bis in die 1970er-Jahre hinein hatte? Man ahnt es schon: Damals waren es bei uns drei Ecken - und in Japan waren es früher mal acht. Aber warum nur stellten die Japaner in den 1960ern überhaupt von acht auf drei Ecken um? Die Antwort lautet: Olympia war's, schon wieder! Zur Olympiade 1964 in Tokio wechselte man bei allen Stoppschildern auf das Dreieck: Sie sollten für Ausländer leichter verständlich sein.

-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --
-- Anzeige --

KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

-- Anzeige --

WEITERLESEN




NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Autoflotte ist die monatlich erscheinende Fachzeitschrift für den Flottenmarkt im deutschsprachigen Raum. Zielgruppe in diesem wachsenden Markt sind die Fuhrpark-Entscheider in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen mit mehr als zehn PKW/Kombi und/oder Transportern. Vorstände, Geschäftsführer, Führungskräfte und weitere Entscheider greifen auf Autoflotte zurück, um Kostensenkungspotenziale auszumachen, intelligente Problemlösungen kennen zu lernen und sich über technische und nichttechnische Innovationen zu informieren.