Retro Classics 2026: Quo Vadis Oldtimermarkt?

23.02.2026 17:42 Uhr | Lesezeit: 3 min
"Nur" 58.900 Euro sollte dieses hübsche 993 Cabrio kosten. Die Preise auf der Retro Classics näherten sich realistischen Sphären.
© Foto: Gerhard Grünig

Von 19. bis 22. Februar fand in Stuttgart die Retro Classics statt. 83.000 Besucher strömten auf das Messegelände. Sieben Hallen, 2800 Fahrzeuge, mehr als ein Jahrhundert Automobilgeschichte. Die bange Frage: Wohin tendiert der Markt?

Der Messeveranstalter sprach im Nachgang von Begeisterung der Besucher, intensiven Fachgesprächen und reger Kauflaune. Der Besuch am Sonntag zeigte jedoch, dass sich die Zahl der „Verkauft“-Schilder in Grenzen hielt. Und falls es bereits zum Verkauf gekommen war, dann vor allem im sogenannten Einsteigermarkt mit Liebhaberfahrzeugen bis maximal 10.000 Euro. Da half auch der Besuch von Friedrich Merz am Donnerstag nicht viel. Der besuchte ob einer Parallelveranstaltung der CDU kurz die Messe und nahm, ganz im Angedenken an seinen großen Vorgänger Konrad Adenauer, einen Mercedes-Benz 300 in Augenschein.

In Stuttgart wurde auch das Wirken des kürzlich verstorbenen Rennfahrers Hans Herrmann gefeiert. Im Atrium Ost standen dreizehn Rennfahrzeuge, die in der Karriere Herrmanns eine Rolle gespielt hatten, unter anderem der legendäre Porsche 917, mit dem Hans Herrmann 1970 Le Mans gewann.  Weitere Highlights waren die Sonderschau „Colors of Racing“ mit über 30 originalen Rennfahrzeugen unterschiedlichster Disziplinen, eine Sonderschau zum Thema amerikanische Straßenkultur sowie Markenjubiläen von Porsche Motorsport, BMW und Opel. Vor allem die Markenclubs sorgten für einen positiven Auftritt.

Ein Experiment war die Classicbid-Live-Auktion am Samstag, die mit 69 aufgerufenen Fahrzeugen für Spannung und internationales Bieterinteresse sorgte. Wie man hörte, war die Verkaufsquote allerdings nicht top. Und das passte ins Bild, das der Oldtimermarkt gerade zeichnet. Die Preise geben seit Monaten nach, wobei sich die Experten streiten, ob es eine Preisbereinigung völlig überzogener Forderungen darstellt oder eine Blase ist, die platzt. Fakt ist, dass die Szene die letzten Jahre auch von Spekulanten getrieben wurde, die wenig Interesse an Fahrkultur, vielmehr an hoher Rendite hatten. Das scheint vorbei.


Retro Classics 2026

Golf 1 Cabriolet in blau Bildergalerie

Youngtimer im Fokus der Retro Classics

Wobei es vor allem die bislang populären Modelle betrifft. Beispiele gefällig? Im Bereich der privat veräußerten Fahrzeuge gab es einen durchaus schönen weißen Mercedes-Benz 190 SL mit klassischer roter Innenausstattung. Obwohl das Preisschild „nur“ 72.900 Euro auswies, hatte sich noch kein Interessent gefunden. Nicht das einzige Beispiel. Ein ebenfalls weißes Porsche 911 T Coupe von 1971 im Zustand 1- wurde für 79.900 Euro angeboten. Durchaus viel Geld. Aber vor einem guten Jahr lag man für ein ähnliches Fahrzeug noch im sechsstelligen Bereich. Etwas jünger, ein Porsche 993 Cabrio. In schickem Rot, allerdings mit der etwas unbeliebteren Tiptronic und dem 272-PS-Motor. Angeboten für 58.900 Euro. Der Verkäufer hatte wohl in einer gewissen Verzweiflung, dass es kaum Interesse gab, noch mit schwarzem Edding dick darübergeschrieben: „Angebote bitte?!?“

Wer zwar auf Porsche steht, aber die älteren Modelle, hätte sich einen 356 C für 76.000 Euro leisten können. Doch auch der fand für 76.000 Euro bis kurz vor Messeschluss keinen Käufer. Den „Schuss gehört“ haben wohl auch die einschlägigen Händler noch nicht. Eine ganze Phalanx aus „Pagoden“ wurde, zugegebenermaßen in gutem Zustand, für 129.900 Euro angeboten – samt nahezu freier Farbwahl. Ein „Verkauft“-Schild war an keinem der Wagen zu sehen.

Auch wenn die „Youngtimer“ kommen, weil sich die Käuferklientel verjüngt, ist wohl auch die Luft in dem Segment dünn. Ein 1999er Porsche Carrera 4 Cabrio der Baureihe 996 für 39.950 Euro war ebenso noch verfügbar wie ein 24.000 Euro teures BMW 325i Cabrio der Baureihe E30 oder ein Golf 1 Cabrio, Modellpflege von 1989, für 9.200 Euro.

Offensichtlich kamen die gut 80.000 Besucher vor allem zum Schauen. Obgleich viele mit gut gefüllten Tüten das Gelände verließen. Teile- und Zubehörhändler hatten scheinbar mehr Glück als Autoverkäufer. Auch die Kultschrauber Ivan und Zoran, vielen bekannt aus diversen Fernsehberichten, hatten ein buntes Sammelsurium nach Stuttgart mitgebracht. Verkauft hatten sie am Ende wohl nur ein Auto. Bezeichnenderweise einen Mercedes 309-Transporter, der Vorgänger des Sprinters, für 22.000 Euro.

Als Fazit meines Besuches lässt sich festhalten: Stimmung gut, Kauflaune eher mäßig. Viele arbeiten an Projekten, die noch in der heimischen Garage auf Vollendung warten, üben sich aber in Kaufzurückhaltung. Und die Spekulanten sind sowieso raus – außer die vielleicht, die viele Millionen in Hypercars investieren können. Das Segment funktioniert auf jeden Fall noch.

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