Studie zur Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb: Millionen Golf als Stromer?

26.06.2026 11:08 Uhr | Lesezeit: 3 min
E-Revolt
Das Münchner Unternehmen E-Revolt will E-Umbauten für etwa 12.500 Euro inklusive zwei Jahre Garantie anbieten.
© Foto: E-Revolt

Eine Fraunhofer-Studie rechnet vor: Würde Deutschlands Golf-7-Flotte auf Elektro umgerüstet, würde das mehr CO2 sparen als ein Autobahn-Tempolimit. Aber einfach ist das nicht.

Die Umrüstung von Benzinern und Dieseln auf Elektroantrieb könnte einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung im Straßenverkehr leisten. Das zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe — die erste große wissenschaftliche Untersuchung, die das Potenzial solcher Retrofits fundiert hochrechnet. Würden allein die 2,4 Millionen zugelassenen VW Golf 7 auf Elektroantrieb umgerüstet, könnten jährlich 2,76 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden — mehr als durch ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen.

Grundlage der Berechnung ist eine jährliche Laufleistung von 14.000 Kilometern. Ein umgerüsteter Golf würde demnach 1,15 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, bei Ladung mit Solarstrom sogar bis zu 1,9 Tonnen. Das Fraunhofer-Institut veranschlagt die Umrüstkosten mit rund 15.000 Euro pro Fahrzeug. Das Münchner Unternehmen E-Revolt will solche Umbauten für etwa 12.500 Euro inklusive zwei Jahre Garantie anbieten und plant die Großserie. Voraussetzung seien Investoren, Großaufträge — und politische Förderung.

Bundesregierung: Förderung von Neuwagen 

An letzterer hapert es. Die Bundesregierung fördert derzeit nur Neuwagen; Retrofits sind ausgeschlossen. Das Bundesverkehrsministerium begründet das damit, dass die Umrüstkosten in der Regel den Kaufpreis eines neuen Elektrofahrzeugs übersteigen. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht Retrofits skeptisch: Ein Auto sei ein hochintegriertes Gesamtsystem, der technische Aufwand gehe weit über einen klassischen Motorwechsel hinaus. Eine pauschale Lösung für den Massenmarkt sei derzeit nicht erkennbar.

Gleichwohl könnte das Interesse an Umrüstungen wachsen. Das Durchschnittsalter der deutschen Pkw-Flotte stieg 2026 auf einen Rekordwert von 10,9 Jahren — viele Halter könnten bereit sein, in ihr betagtes Fahrzeug zu investieren, statt einen teuren Neuwagen zu kaufen. Weltweit stehen laut Schätzungen mehr als 1,25 Milliarden Verbrenner auf den Straßen. Gerade international sieht das Fraunhofer-Institut deshalb großes Potenzial für Retrofits als Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs.


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