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Von Autoflotte getestet - Mercedes-Benz C 220 D

Der Klassiker

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© Michael Blumenstein / Autoflotte

Du hast es geschafft, wenn der Stern vorm Eigenheim steht. So ist die Denke vieler - nach wie vor. Was aber ist wirklich dran am Mythos "Dienstwagentraum"? Wir fuhren den Klassiker, den C 220 d, intensiv.

Ja, er stellt schon etwas dar. Die seit gut einem Jahr im Zuge des Facelifts, das bei Mercedes MOPF (Modellpflege) genannt wird, aufgefrischte Front der Mittelklasse-Limousine ist technisch optimiert, imposant in ihrer Erscheinung und vermittelt das Bild, dass der Motor viel, sehr viel Luft benötigen würde. Die LED-Matrixscheinwerfer blicken technisch und edel zugleich nach vorn und erhellen mit ihren fast 90 Elementen pro Seite die Nacht "millimetergenau". Das 1.650 Euro teure Lichtsystem ist nach wie vor ein Muss für Vielfahrer.

Zwei "Adaptiv"-Fahrwerke

Ebenso wie die 17-Zoll-Räder. Die serienmäßigen 16-Zöller sind zu mickrig, wer mehr als 17 Zoll wählt, wird es spüren. Zusammen mit dem fein abgestimmten Adaptiv-Fahrwerk (900 Euro) bietet die Limousine den soliden Fahrkomfort, den man sich wünscht. Mercedes bietet in der C-Klasse drei weitere Fahrwerksoptionen an, wobei die Luftfederung (1.400 Euro) gemeinhin als das Nonplusultra gilt, die eigentlich eher in der Luxusklasse zu erwarten ist. Mit lediglich 4,67 Metern ist das Stufenheckmodell der C-Klasse jedoch weit entfernt vom Luxusflaggschiff S-Klasse. Wenngleich die Ähnlichkeit aus der Ferne nach wie vor frappierend ist. Die Mittelklasse macht also was her. So verfliegt der Eindruck auch nicht, wenn sich der neidische Nachbar die Nase an der Seitenscheibe plattdrückt, um zu sehen, was drinnen los ist. Leder, wie im Falle des Testwagens mit dem Signet "Designo", kostet verständlicherweise extra. 3.450 Euro sind es bei dem feinsten Leder, das die C-Klasse aufbieten kann, weitere Zwangskombinationen heben den "Lederpreis" auf atemberaubende 4.750 Euro. Das Paket schindet aber eben mehr Eindruck als profane Stoffsitze. So oder so sind die Vordersitze vielfach einstellbar und sehr langstreckentauglich.

So richtig bequem ist indes die Bedienung des Fahrzeugs nicht mehr. Vor allem dann, wenn allerlei Helferlein geordert wurden, die es in solch einer Fülle kaum ein zweites Mal in der Fahrzeugklasse gibt. Zum Glück muss sich der Besitzer für die meisten Funktionen nur einmal nach der Fahrzeugübernahme mit dem Einstellungsprozedere auseinandersetzen. Dann sollte das passen. Im Innenraum dominieren sehr gute Materialien und eine ebensolche Verarbeitungsqualität. Lediglich die Anhäufung diverser Oberflächendesigns schmerzen ruhesuchende Augen. An die Lenkstockbedienung der vorzüglichen Neungang-Automatik müssen sich Mercedes-Neulinge kurz gewöhnen, danach ist es super.

Die Übersicht, die einem die C-Klasse nach außen bietet, gehört noch immer zu den besseren im Segment. Relativ schmale Säulen tragen dazu bei. Das Heck ist freilich nicht einzusehen. Den (Fix-)Stern auf der Motorhaube gibt es nur noch in Kombination mit der Ausstattungsoption Exclusive Exterieur und Interieur für 2.350 Euro. Damit sieht die C-Klasse nach wie vor edler aus. Aber auch hier gilt: Sport ist gefragter. Ein Großteil der C-Klasse-Kunden wählt die sportlichere Avantgarde-Version.

Vier-Liter-Auto

Zumindest gelenkig oder gar sportlich brauchen Fondbesucher nicht zu sein. Platz gibt es ausreichend für Personen bis zirka 1,90 Meter, wenn vorne gleich lange vernünftig sitzen. Dass man sich in der C-Klasse wohl fühlt, liegt auch am niedrigen Geräuschniveau. Durch dämmende Materialien und, im Falle des Testwagens, Akustikglas, reduzieren sie sich auf ein Minimum dessen, was man in der Mittelklasse erwarten darf. Dass dadurch der noch immer nicht flüsterleise Zweiliter-Vierzylinder durchdringt, steht auf einem anderen Blatt. Gerade im höheren Drehzahlbereich ist der Selbstzünder deutlich hörbar.

Dafür hat er mächtig Kraft und Leistungsmangel ist ein Fremdwort. Tacho 250 sind mit kurzem Anlauf möglich, und auch dann liegt der Daimler satt und ruhig auf der Autobahn. Der nächststärkere C 300 d (245 PS dank Biturbo-Aufladung) ist Unsinn - oder Luxus - teuer erkaufter (3.210 Euro) in jedem Fall. So konsumierte unser 194-PS-Diesel im Testmittel lediglich 5,3 Liter. In der tempobeschränkten Schweiz sind auch niedrige Vierliter-Werte machbar.

Sicherheit ist eine Domäne der Stuttgarter - schon immer. Schön, dass auch in der C-Klasse fast alles angeboten wird, was technisch machbar ist. Bei dem in Bremen produzierten Daimler nervte hingegen einiges, was Sicherheit verspricht. So adaptierte die Verkehrszeichenerkennung beispielsweise die Tempo-Aufkleber auf Lkw-Hecks. Bei einem Mal könnte man von einem Missgeschick sprechen, bei drei Leseschwächen von Legasthenie? Ärgerlich, wer den vollen Umfang und Komfort des ACC-Tempomaten nutzen möchte und die automatische Tempoanpassung aktiviert hat. Dann bremst die Limousine - wie bei uns - zuverlässig auf 70 und in den anderen Fällen auf 90 km/h ab. Dumm nur, wenn die Beschränkung bei 120 km/h liegt. Der grimmige Blick des überholenden Fahrzeuglenkers sprach Bände.

Schreckmoment

Ärgerlicher oder sogar gefährlich agiert der Spurhalteassistent, der mehrfach nach dem Überholvorgang beim Wiedereinscheren wohl die Leitplanke als ein sich rechts befindliches Fahrzeug detektierte und hinten rechts die Bremse schlagartig zumachte, was das Zurückmanövrieren der C-Klasse in die eigentlich gerade verlassene Fahrbahn veranlasst. Hinzu kommt der Schuss Adrenalin. Auf Nachfrage wurde eingeräumt, dass man sich Daimler-intern nicht einig sei, ob der rigorose Eingriff gut oder zu viel des Guten ist. Unsere Meinung ist klar und die nächste Handlung im Auto schaltete das System ab, das teuer erkauft wurde und Sicherheit bringen soll. Zum Glück sieht all das in der Reihenhaussiedlung niemand. So bleibt der Schein stets gewahrt, dass man alles richtig gemacht hat. Im Job und auch mit dem Häuschen am Stadtrand.

Um Missverständnisse auszuräumen. An der Stelle des Mercedes könnte auch ein Audi A4, BMW 3er oder Jaguar XE stehen. Denn alle sehen perfekt aus - für den einen mehr, für die andere weniger -, doch keiner ist es wirklich.

Von Autoflotte getestet

Top- Perfekter Reisewagen- Sparsamer Antrieb- Spurtstark und schnell

Flop- Teuer- Assistenzsysteme teils unzuverlässig- Aufpreisgestaltung

Mercedes-Benz C 220 d

Preis: 35.822 Euro4/1.950 cm³ | 143 kW/194 PS 400 Nm ab 1.600/min | 9-Gang-AT 6,9 s | 240 km/h | WLTP 5,1 D | 135 g/km 4.686 x 1.810 x 1.442 mm | 455 LiterEffizienz: AHK: 23 | VK: 27 | TK: 25Wartung: 30.000 km/jährlichGarantie: 2 Jahre

Bildergalerie

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